Capsaicin: Welche gesunde Wirkung hat Chili-Schärfe?
Capsaicin gehört zu den schärfsten natürlichen Substanzen und macht auch Chili zum scharfen Gewürz. Seine gesunde Wirkung entfaltet das Alkaloid auch als Salbe oder Pflaster.
Schätzungsweise 4.000 Chilisorten gibt es. Aus der der asiatischen oder auch lateinamerikanischen Küche ist die Schote, die botanisch gesehen eine Beere ist, nicht wegzudenken. Ihren Schärfegrad verrät die Chili nicht über die Farbe, entscheidend ist der Anteil an Capsaicin. Der größte Anteil steckt im Inneren der Chili - in den kleinen, weißen Trennwänden, aber auch in der Plazenta (heller Teil) und den Kernen.
Capsaicin: Wirkung auf Nerven, Gehirn und Stoffwechsel
Capsaicin reizt mit seiner Schärfe Rezeptoren der Nerven, die Hitze und Schmerz erkennen und diese Information an das Gehirn weitergeben. Neurotransmitter werden daraufhin freigesetzt, die lokale Blutgefäße erweitern, es entsteht ein brennendes Gefühl - zum Beispiel bei scharfem Essen im Mund, auch wenn das Essen kalt ist. Auf die schmerzhafte Reizung reagiert der Körper mit Stress und schüttet "Glückshormone" (Endorphine) aus. Das regt den Stoffwechsel an, Schweißausbrüche können die Folge sein.
Capsaicin sorgt zudem für erhöhten Speichelfluss und Magensaft. Das Verdauungssystem ist so besser vor schlechten Bakterien geschützt - gut für die Darmflora. Capsaicin wirkt also auch antibakteriell und wird deshalb in warmen Ländern als natürliches Konservierungsmittel genutzt.
Salben und Pflaster: Capsaicin gegen Muskelverspannung
Capsaicin fördert die Durchblutung der Haut und wärmt sie. Zudem werden weitere Stoffwechselprozesse angeschoben, das Blut versorgt verspannte Muskeln besser mit Nährstoffen und Sauerstoff. Die Folge: Der Muskel lockert sich, Schmerzen nehmen ab. Eine Endorphin-Ausschüttung bewirkt zudem, dass die Schmerzempfindlichkeit herabgesetzt wird. Für eine Behandlung gibt es freiverkäufliche Pflaster und Salben mit Capsaicin in Drogerien oder Apotheken.
Nebenwirkungen von Pflastern mit Capsaicin
Als Nebenwirkungen sind Irritationen wie Rötungen, Pusteln, Juckreiz oder sogar Verbrennungen möglich. Bei einer ersten Anwendung sollte man also etwas vorsichtig sein und sich langsam an die richtige Menge herantasten. Mehrere Stunden können die Pflaster auf der Haut bleiben und nach einer kurzen Erholungszeit kann ein neues Pflaster genutzt werden. Wichtig: Nur wenn das Pflaster faltenfrei und fest aufgeklebt ist, kann es seine volle Wirkung entfalten.
Gürtelrose: Pflaster mit hochdosiertem Capsaisin bei Nervenschmerzen
Studien belegen, dass Capsaicin bei neuropathischen Nervenschmerzen helfen kann. Diese Beschwerden treten zum Beispiel in Folge einer Gürtelrose, Multiple Sklerose, Diabetes oder im Rahmen einer Chemotherapie auf. Dabei werden verschreibungspflichtige, hochdosierte Capsaicin-Pflaster angewandt. Diese Pflaster enthalten 40 Mal mehr Capsaicin als freiverkäufliche Capsaicin-Pflaster. Durch die hohe Dosis sterben kleine Nervenfasern in der Haut ab und bilden sich erst nach einer gewissen Zeit neu. Die Wirkung hält bis zu drei Monate an.
Pures Capsaicin kann schädlich sein
Im Gegensatz zu freiverkäuflichen Pflastern dürfen diese speziellen Pflaster mit Capsaicin nur für einen kurzen Zeitraum auf die Haut geklebt werden und zwischen den einzelnen Anwendungen müssen größere Zeiträume, mindestens 90 Tage, liegen. Die Capsaicin-Pflaster werden zudem von Arzt oder Ärztin oder unter ärztlicher Aufsicht angewendet. Denn pures Capsaicin ist ein Gefahrenstoff und kann sogar zu Verätzungen der Haut führen.
Medizin-Nobelpreis für Grundlagenforscher
2021 wurden die Forscher David Julius und Ardem Patapoutian mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet. Sie lieferten wichtige Erkenntnisse über unseren Druck- und Temperatursinn. Dabei spielten die Capsaicin, die Chili und ihre Fähigkeit Schmerz-Empfänger zu beeinflussen eine große Rolle. Mit ihrer Grundlagenforschung ebneten die beiden Nobelpreisträger den Weg dafür, in Zukunft bessere Medikamente zu entwickeln, zum Beispiel gegen chronische Schmerzen.
Capsaicin regt Verdauung an
Scharfes Essen regt den Speichelfluss wie auch die Motorik des Magens an. So wird mehr Magensaft produziert und die Verdauung angekurbelt. Besonders fetthaltige Speisen können so durch Schärfe leichter verdaut werden, Verstopfungen oder Blähungen können vermieden werden.
Capsaicin bei Erkältung: Schärfe wirkt schleimlösend
Chili kann bei einer Erkältung für Linderung der Symptome sorgen, denn scharfes Essen macht die Nase frei. Die Nasenschleimhäute werden besser durchblutet, die Bildung von Nasensekret wird gefördert. Außerdem wirkt Capsaicin schleimlösend auf die Bronchien, der Schleim kann so besser abgehustet werden.
Capsaicin bei Hitze: So sorgt Chili für Abkühlung
Wenn man Chili isst, entsteht zunächst das Gefühl von starker Hitze. Denn Rezeptoren im Mund melden an das Gehirn eine Hitzequelle. Der Körper reagiert darauf mit einer Schweißproduktion. Sobald dieser auf der Haut verdunstet, sorgt dies für einen kühlenden Effekt. Ein Grund, warum in heißen Ländern scharf gegessen wird.
Nahrungsergänzungsmittel: Mit Capsaicin-Kapseln gegen Übergewicht?
Freiverkäufliche Kapseln mit Capsaicin werden als Abnehmhelfer gepriesen. Ob der Effekt der Thermogenese aber wirklich zu einer großen Gewichtsreduzierung führt, lässt sich durch Studien nicht belegen. Die Kapseln können ein Baustein sein, ersetzen aber nicht eine Ernährungsumstellung und regelmäßige Bewegung.
Chilis zubereiten und Capsaicin-Schärfe lindern
Beim Kochen oder Einfrieren von Chilis bleibt das Capsaicin erhalten. Damit sich die Wirkung entfaltet, sollte man Chilis in Gerichten wie Chili con carne lange ziehen lassen. An scharfes Essen muss sich der Körper langsam gewöhnen, sonst kann die Magenschleimhaut geschädigt werden. Die Folge sind Magenschmerzen oder Durchfall.
Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sind bis zu fünf Milligramm Capsaicin pro Kilogramm Körpergewicht pro Mahlzeit unproblematisch. Liegt die Konzentration höher, kann das zu Übelkeit und Erbrechen, im Extremfall sogar zu Kreislaufkollaps, Vergiftungserscheinungen und Organversagen führen.
Ist die Schärfe zu stark, kein Wasser trinken. Denn Capsaicin ist ein Alkaloid, eine ölige Substanz. Es verbindet sich mit Fett wie Joghurt, Milch und Käse, aber auch mit hochprozentigen alkoholischen Getränken. Die Folge: eine Linderung des Schärfegefühls. Zucker oder Tomatensaft in scharfen Speisen reduzieren die Schärfe ebenfalls.
Medizinische Wirkung von scharfen Lebensmitteln
- Ingwer: Der Wirkstoff Gingerol im Ingwer kann die Verdauung anregen und bei Erkältungskrankheiten helfen. Wer nach fettem Essen Blähungen und Magenprobleme bekommt, kann die Beschwerden mit Ingwer lindern.
- Knoblauch: Das Adenosin im Knoblauch wirkt positiv auf den Cholesterin- und Lipidgehalt im Blut. Eine regelmäßige Einnahme soll das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken können. Der Wirkstoff Allicin gilt als natürliches Antibiotikum.
- Wasabi: Auch japanischer Meerrettich genannt, regt den Blutkreislauf an und fördert die Sauerstoffversorgung der Zellen.
Expertinnen und Experten aus dem Beitrag
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