Colitis indeterminata: antientzündlich und eiweißreich essen
Stand: 20.02.2025 18:26 Uhr
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Bei Colitis indeterminata empfiehlt sich eine laktosearme, eiweißreiche Ernährung ohne Zusatzstoffe, um dem Darm zu helfen. Eine angepasste Vollkost mit entzündungshemmenden Lebensmitteln soll Schüben vorbeugen.
Colitis indeterminata ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, genau genommen eine noch nicht festlegbare Entzündung der Dickdarmschleimhaut. Die Diagnose wird gestellt, wenn zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nicht eindeutig unterschieden werden kann - bei etwa 10 Prozent der Betroffenen, häufiger bei Kindern, gelingt die eindeutige Differenzierung zunächst nicht. Aber auch wenn die Erkrankung noch nicht eindeutig identifizierbar ist, ist eine Behandlung möglich, um die Beschwerden zu lindern. Ein wichtiger Baustein dabei ist die Ernährung.
Nährstoffmangel vorbeugen und behandeln
Wer an Colitis indeterminata erkrankt ist, leidet nicht selten an einem Nährstoffmangel. Die Durchfälle und Veränderungen in der Darmwand bewirken, dass der Körper nicht genügend lebenswichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente aufnehmen kann - beispielsweise Eisen, Kalzium, Elektrolyte, Vitamin B12 und fettlösliche Vitamine (A, D, E, K). Umso wichtiger ist eine gezielte Zusammensetzung der Nahrung, um den Darm zu entlasten und eine ausreichende Nährstoffzufuhr sicherzustellen.
Angepasste Vollkost schonend zubereiten
Vom Grundsatz her sollten Betroffene sich im Sinne einer sogenannten angepassten (leichten) Vollkost ernähren. Dabei handelt es sich um eine ausgewogene, gesunde Kost ohne schwer verdauliche Speisen. Nahrungsmittel, die erfahrungsgemäß häufig Beschwerden auslösen, sollten weggelassen werden. Ein Ernährungstagebuch ist hilfreich, um notieren zu können, was dem Darm guttut. Zu bevorzugen sind schonende Zubereitungsmethoden wie Dünsten, Dämpfen oder Kochen. Ein Dampfgarer kann eine sinnvolle Unterstützung sein, weil bei dieser Garmethode gesunde Inhaltsstoffe weitgehend erhalten bleiben. Häufig nicht verträglich sind Frittiertes oder stark Gebratenes.
Entzündungshemmend und mit den richtigen Ballaststoffen
Um das Darmimmunsystem zu unterstützen, empfiehlt sich eine entzündungshemmende Ernährung. Vermieden werden sollten dabei verarbeitetes Fleisch, Fast Food und generell Fertigprodukte - sie enthalten viele unverträgliche Stoffe, die das Darmmikrobiom schädigen können. Insbesondere Emulgatoren stehen im Verdacht, Darmentzündungen mit auszulösen (etwa E 407 - Carrageen, E 433, E 466). Der Darm profitiert von Clean Eating, also frischer, möglichst unverarbeiteter Kost. Besonders empfehlenswert sind Lebensmittel mit antioxidativen Pflanzenstoffen aus verträglichem, buntem Gemüse, Obst und Gewürzen – etwa Brokkoli, Heidelbeeren, Zimt, Ingwer und Kurkuma. Zudem wirken Omega-3-Fettsäuren aus hochwertigem Lein-, Hanf- oder Algenöl sowie aus Lachs oder Hering entzündungshemmend. Zusätzlich können Ballaststoffe und Probiotika die Barrierefunktion der Darmschleimhaut unterstützen und dazu beitragen, Krankheitsschübe hinauszuzögern. Empfehlenswert sind Ballaststoffquellen wie milde Gemüsesorten, Kartoffeln, Vollkornnudeln, Vollkornreis und feingemahlenes Vollkornbrot. Grobe Getreideprodukte, Hülsenfrüchte oder faseriges Gemüse wie Spargel und Staudensellerie sind dagegen oft schwerer verdaulich und sollten eher gemieden werden.
Zuckerarm essen für den Darm
Möglichst wegzulassen ist Zucker. Er ist entzündungsfördernd. Auch Milchzucker (Laktose) kann ungünstig sein, ein entzündeter Darm kann ihn oft nicht gut verdauen. Hilfreich sind dann laktosearme Milchprodukte, die auch eine gute Eiweißquelle sind.
Eiweiß gibt Kraft bei Colitis
Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist der Eiweißbedarf häufig erhöht, insbesondere bei begleitender Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue). Statt 0,8 bis 1 Gramm werden täglich um die 1,2 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen. Daher sollten in jeder Mahlzeit ausreichend Eiweißquellen vorkommen: Eier, laktosefreie Milchprodukte, Fisch. Ein wenig mageres, helles Fleisch (Geflügel) ergänzt den Speiseplan.
Colitis indeterminata: Lebensmittel und Rezepte
Professionelle Unterstützung (ernährungsmedizinisch oder durch Ernährungsberaterinnen und -berater) ist sehr empfehlenswert, um die Ernährung bei Colitis indeterminata individuell anzupassen und optimal umzusetzen. Hier finden Sie geeignete Rezepte und Lebensmittel-Listen, um die beschwerdefreie Zeit zu verlängern (auch zum Herunterladen).
Meist gut verträglich: Vollkorn-Getreideprodukte, geschrotet oder feinvermahlen, ohne Körner; Mischbrot, Feinbrot; Reis; fettarm zubereitete Kartoffeln: Pellkartoffeln, Salzkartoffeln, Kartoffelpüree; Vorsicht bei: Weizenprodukten
Schlechter verträglich, weniger empfehlenswert: große Mengen ofenfrisches Brot; Brote und Brötchen mit vielen Körnern; sehr fetthaltige Backwaren: z.B. Cremetorte, Blätterteig, fetter Hefeteig; verarbeitete und fettreich zubereitete Kartoffelprodukte: Pommes frites, Kroketten, Kartoffelsalat, Bratkartoffeln
Meist gut verträglich: milde Gemüsesorten wie Zucchini, Brokkoli, Fenchel, Möhren, Kohlrabi, rote Bete, junge Erbsen, Tomaten (gekocht, ohne Haut oder püriert), Salatgurke (gekocht), Salat, Pastinaken
Schlechter verträglich, weniger empfehlenswert: blähende und faserreiche Gemüsesorten wie Auberginen, Artischocken, Hülsenfrüchte (z.B. dicke Bohnen, weiße Bohnen, Kichererbsen), Knoblauch, Kohlgemüse (Ausnahme: Chinakohl, Brokkoli), Lauch, Paprika (mit Haut), Pilze (Ausnahme: Champignons), Rettich, Rhabarber, Sauerkraut, Spargel, Staudensellerie, Tomaten, Zwiebeln; Gurken- oder Krautsalat
Meist gut verträglich (in Maßen): Olivenöl, omega-3- haltige Pflanzenöle wie Leinöl (Herstellung unter Ausschluss von Sauerstoff, Hitze und Licht ("Oxyguard"/"Omega-safe"-Verfahren), Rapsöl, Chiaöl, Walnussöl, Hanföl; wenig: Butter
Schlechter verträglich, weniger empfehlenswert: Margarine, Schmalz, Talg, Sonnenblumenöl, Distelöl
Meist gut verträglich: stilles Wasser; ungezuckerte Kräutertees wie Kamillen-, Fenchel-, Pfefferminz-, Melissentee; verdünnte Obstsäfte (Apfel, Birne, Banane); wenig: Malzkaffee, milder Bohnenkaffee, schwarzer Tee
Schlechter verträglich, weniger empfehlenswert: kohlensäure- und zuckerhaltige Getränke, eisgekühlte Getränke; Fruchtsäfte pur, Fruchtsäfte mit Fruchtfleisch; Früchtetee aus Hagebutte oder Hibiskus; Alkohol
Diese Informationen ersetzen keine individuelle ernährungsmedizinische Beratung. Ernährungsmedizinische Behandlung/Beratung wird von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel anteilig übernommen.