Thrombose: Symptome erkennen, Behandlung und Ursachen

Stand: 25.02.2025 08:30 Uhr | vom Norddeutscher Rundfunk-Logo

Eine Thrombose ist oft schwierig zu erkennen. Symptome können sein: Schmerzen oder Hitzegefühl in einem Bein. Was sind die Ursachen? Welche Behandlung hilft? Wie kann man vorbeugen?

von Anke Lauf

Jedes Jahr erkrankt einer von 1.000 Menschen an einer Thrombose, Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Wird eine Thrombose nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, drohen langwierige Probleme mit den Beinvenen (Postthrombotisches Syndrom) und es kann in seltenen Fällen, vor allem bei Thrombosen im Oberschenkel, sogar zu lebensgefährlichen Komplikationen wie einer Lungenembolie kommen. Das passiert, wenn sich ein Thrombus oder auch nur ein Teil davon löst und vom Blutstrom mitgerissen und bis in die Lunge gespült wird. In Ausnahmefällen gelangt ein solcher Thrombus durch ein angeborenes Loch im Herzen sogar ins Gehirn und verursacht dort einen Schlaganfall.

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Thrombose: Ursachen und Folgen

Welche Risikofaktoren für eine Thrombose gibt es? Wie gefährlich kann ein Blutgerinnsel werden? Experte Prof. Florian Langer informiert. 5 Min

Wie eine Thrombose entsteht

Eine Reihe biochemischer Prozesse halten Blutgerinnung und Blutfluss im Gleichgewicht. Doch manchmal stockt das Blut - beispielsweise bei Bewegungsmangel oder wenn Betroffene eine erhöhte Gerinnungsneigung haben. Wo das Blut ins Stocken gerät, kann sich ein Blutpfropf (Thrombus) bilden, der den Rückfluss des Blutes zum Herzen behindert und im Extremfall das Gefäß völlig verschließt. Betroffen sind meist die tiefen Beinvenen, die tief in den Muskelschichten liegen und von außen nicht zu sehen sind.

Symptome und Anzeichen der Thrombose erkennen

Eine Thrombose kann unterschiedliche Beschwerden verursachen - je nachdem, welches Blutgefäß betroffen ist. Manchmal bleibt das Gerinnsel auch symptomlos, löst sich von allein wieder auf oder verursacht erst nach einiger Zeit Probleme. Typische Symptome einer tiefen Venenthrombose (TVT) betreffen nur ein Bein - gut zu unterscheiden von Muskelkater, der meist beide Beine betrifft. Die Symptome sind:

  • Schmerzen im Bein (Druckschmerz)
  • Schwellung eines Beins
  • unterschiedlich warme Beine
  • Hitzegefühl in einem Bein
  • bläuliche Verfärbung an einem Bein
  • starke Schmerzen beim Auftreten
Wenn das Blut über die verstopfte Vene nicht mehr richtig abfließen kann, bilden sich am Bein manchmal sogenannte Warn-Venen. Das sind oberflächlich gelegene Venen, die als Umweg genutzt werden und zum Beispiel am Schienbein auftreten und deutlich zu erkennen sind. Sie gelten als Anzeichen für eine Thrombose. Bildet sich ein Blutpfropf in einer Armvene oder einer Schultergürtelvene, treten ähnliche Symptome am Arm oder der Schulter auf.

Diagnose einer Thrombose

Da die Symptome einer Thrombose oft nicht eindeutig sind, müssen solche Beschwerden schnell durch einen Arzt oder eine Ärztin abgeklärt werden, um Komplikationen zu vermeiden. Der sogenannte Wells-Test besteht aus einer gründlichen Befragung über mögliche Risikofaktoren sowie einer Untersuchung der Beine.

  • Gibt es eine Differenz beim Umfang der Unterschenkel von mehr als drei Zentimetern?
  • Sind die Beine unterschiedlich warm?
  • Lässt sich die Haut am betroffenen Bein eindrücken?
Mit dem D-Dimere-Test wird im Blut bestimmt, ob die Gerinnung aktiviert ist. In einer speziellen Ultraschalluntersuchung (Farbkodierte Duplexsonografie) lassen sich Thromben genau lokalisieren.

Risikofaktoren für eine Thrombose

Für die Diagnose ist auch die Ermittlung der Risikofaktoren wichtig. Liegen mehrere Risikofaktoren vor, ist eine Thrombose wahrscheinlicher. Zu den Risikofaktoren gehören:

  • Alter über 60
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • eine vorherige Thrombose
  • familiäre Veranlagung (Eltern, Geschwister)
  • Blutgerinnungsstörungen (Thrombophilie)
  • stark ausgeprägte Krampfadern
  • Operationen
  • Immobilität
  • Krebserkrankungen
  • Schwangerschaft
  • Einnahme von Hormonen durch die "Pille"
  • Hormonersatztherapie mit Tabletten in den Wechseljahren

Ursachen für eine Thrombose

Ursachen, die zu einer Thrombose führen können, gliedern sich in zwei große Bereiche. Das Risiko ist erhöht,

  • wenn die Zusammensetzung des Blutes zu gesteigerter Gerinnung führt.
  • wenn der Blutfluss behindert und verlangsamt wird, das Blut ins Stocken gerät.
Ein wichtiger Faktor, der den Blutfluss behindert, ist mangelnde Bewegung wie bei einer langen Flugreise oder längerem Liegen im Krankenhaus. Für gefährliche Immobilität kann es viele Gründe geben: ein Bandscheibenvorfall, eine Bandverletzung am Fuß oder Knieschmerzen.

Nach einer Operation kommt hinzu, dass der Körper auf die während der OP entstandenen Gefäßverletzungen mit einer gesteigerten Blutgerinnung reagiert. Eine krankhaft verstärkte Blutgerinnung besteht auch bei manchen Krebserkrankungen oder Autoimmunerkrankungen - beispielsweise beim Antiphospholipid-Syndrom. Eine Gerinnungsstörung kann auch genetische Ursachen haben. Um eine genetische Gerinnungsstörung wie APC-Resistenz (Faktor-V-Leiden-Mutation), Protein-C-Mangel oder Protein-S-Mangel zu entdecken, sind spezielle Bluttests nötig. Sinnvoll sind solche Spezial-Tests, wenn eine Thrombose bereits im Alter von unter 50 Jahre ohne erkennbare Ursache auftritt und Eltern oder Geschwister auch bereits eine Thrombose hatten.

Blutverdünner zur Behandlung der Thrombose

Thrombosen werden mit Gerinnungshemmern behandelt. Umgangssprachlich werden diese Medikamente auch als Blutverdünner bezeichnet - allerdings verdünnen sie das Blut nicht wirklich, sondern wirken allein auf die Gerinnung: Sie sorgen dafür, dass das Gerinnsel nicht weiterwächst und unterstützen so den Körper, das Gerinnsel allmählich abzubauen.

In der Regel kommen moderne Gerinnungshemmer als Tabletten zum Einsatz, die als NOAK oder DOAK bezeichnet werden (neue orale Antikoagulanzien oder direkte orale Antikoagulantien). Dazu gehören Thrombin-Hemmer wie Dabigatran oder Faktor-Xa-Hemmer wie Edoxaban, Apixaban oder Rivaroxaban. Ihre Wirkung setzt schnell ein, lässt aber auch schnell wieder nach, wenn die Einnahme vergessen wird. Die Patienten und Patientinnen müssen daher auf die regelmäßige Einnahme (ein- bis zweimal am Tag) achten.

Je nach Ausprägung der Thrombose und Risikofaktoren werden die Gerinnungshemmer mindestens für drei, sechs oder zwölf Monate verschrieben. Ist eine Krebserkrankung die Ursache der Thrombose, müssen die Tabletten so lange eingenommen werden, bis die Erkrankung so gut behandelt ist, dass sie kein Risiko mehr darstellt. Bei hohem Risiko - beispielsweise bei einer Blutgerinnungsstörung - ist manchmal auch eine lebenslange Einnahme nötig, um weiteren Thrombosen vorzubeugen.

Wenn wichtige Gründe gegen die Einnahme von NOAK/DOAK sprechen, beispielsweise bei Nierenschwäche oder weil trotz Einnahme erneut eine Thrombose aufgetreten ist, werden alternativ sogenannte Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon (auch bekannt als Marcumar®) eingesetzt. Diese haben sich über viele Jahrzehnte bewährt. Es dauert allerdings einige Zeit, bis die richtige Dosis gefunden ist - und es erfordert eine engmaschige Kontrolle der Blutgerinnung, um eine ausreichende Wirkung sicherzustellen und keine gefährlichen Blutungen zu riskieren. Die Therapie einer Thrombose mit Heparin-Spritzen wird nur noch selten angewendet, ist aber möglich, wenn keine Tabletten geschluckt werden können.

Thrombose vorbeugen durch Spritzen und Bewegung

Nach Operationen, bei Bettlägerigkeit oder Immobilisation werden zur Thrombose-Vorbeugung Kompressionsstrümpfe und Anti-Thrombose-Spritzen mit Heparin verordnet. Heparin setzt die Gerinnungsfähigkeit des Blutes für kurze Zeit herab. Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem individuellen Risiko und kann zu Hause durchgeführt werden. Dafür wird mit einer Hand die Einmalspritze wie ein Dartpfeil gehalten und mit der anderen Hand am Unterbauch eine Hautfalte gegriffen, damit die feine Nadel das Unterhautfettgewebe erreicht. Bei Operationen mit Gelenkersatz an Hüfte oder Knie werden zunehmend auch NOAK/DOAK als Thrombose-Prophylaxe eingesetzt. Bei erhöhtem Risiko werden diese Tabletten oder Heparinspritzen auch bei Langstreckenflügen empfohlen.

Bewegung sorgt für guten Blutfluss in den Beinvenen, weil mit jedem Schritt die sogenannte Muskelpumpe aktiviert wird. Sie hilft, dass das Blut gegen die Schwerkraft zum Herzen zurückfließen kann. Weitere Tipps, um einer Thrombose vorzubeugen:

  • Kompressionsstrümpfe tragen
  • mindestens 1,5 Liter am Tag trinken
  • bei sitzender Tätigkeit alle zwei Stunden eine Bewegungspause einlegen
  • zwischendurch Füße kreisen oder wippen

Welche Langzeitfolgen kann eine Thrombose haben?

Wurden durch die tiefe Beinvenenthrombose Gefäßwände oder Venenklappen beschädigt, kann ein sogenanntes postthrombotisches Syndrom (PTS) entstehen. Das passiert üblicherweise erst einige Wochen oder Monate nach der Thrombose. Beim PTS staut sich das Blut dauerhaft in den Venen und führt dazu, dass das Bein anschwillt, sich schwer anfühlt und schmerzt. Auch Krampfadern können so entstehen. Deshalb sind Krampfadern nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern sollten immer ärztlich begutachtet werden. Andere mögliche Folgen sind Verfärbungen der Haut, Juckreiz und Ausschlag. Diese Hautveränderungen können der Auslöser von chronischen Wunden sein. Dann sollte die Versorgung durch Gefäß- und Wundspezialisten erfolgen.

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NDR Fernsehen | Visite | 25.02.2025 | 20:15 Uhr

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