Neue Bücher 2025: Welche Neuerscheinungen erwarten uns?
Im neuen Jahr können spannende Neuerscheinungen von Wolf Haas, Antje Rávik Strubel, Kristine Bilkau oder auch von Sänger Bela B. und Fußballprofi Christoph Kramer entdeckt werden. Ein Überblick.
Wolf Haas liefert 2025 mit "Wackelkontakt" einen neuen Roman, der bis zum finalen Kurzschluss spannend bleibt, Antje Rávik Strubel, Buchpreisgewinnerin von 2021, erzählt in "Der Einfluss der Fasane" von den Erregungsmechanismen unserer Zeit und Kristine Bilkau nimmt ihre Leserinnen und Leser in "Halbinsel" mit auf die besagte Halbinsel im nordfriesischen Wattenmeer.
Vielleicht nicht der literarischste Titel des kommenden Jahres, aber ein Buch, das für viel Aufmerksamkeit sorgen wird, ist "Fun" von Bela B., Drummer der Punk-Band Die Ärzte. Mit seinem Debütroman "Scharnow" eroberte der Musiker bereits 2019 die Bestsellerlisten. Über "Fun" ist noch nicht viel bekannt - außer, dass es um eine Woche im Leben einer Band geht. Und auch Fußballer Christoph Kramer legt ein Buch vor, dem unvoreingenommen entgegengeblickt werden kann. In "Das Leben fing im Sommer an" erzählt Kramer eine Coming-of-Age-Geschichte.
Neben den Neuerscheinungen aus dem deutschsprachigen Raum freut sich die Literaturredaktion von NDR Kultur auf spannende Übersetzungen - beispielsweise auf María Ospina Pizanos "Für kurze Zeit nur hier", Chimamanda Ngozi Adichies "Dream Count" oder Colum McCanns "Twist".
Wolf Haas: "Wackelkontakt"
Franz Escher wartet auf einen Elektriker und liest derweil ein Buch. Darin geht es um einen Mafiakronzeugen hinter Gittern, der dort ein Buch liest, in dem es um Franz Escher geht, der auf einen Elektriker wartet und derweil ein Buch liest … Völlig verrückt? Ja, oder eben einfach Wolf Haas, wie er schreibt und lebt. Ein Wackelkontakt, der herumwirbelt und heftig unter Strom setzt!
Julia Schoch: "Wild nach einem wilden Traum"
Die großartige Trilogie "Biographie einer Frau" geht nach "Das Vorkommnis" und "Das Liebespaar des Jahrhunderts" zu Ende. "Autofiktion" sagen die Feuilletons dazu, aber dieses Schubladenwort passt nicht zu Julia Schochs phantastischen, rätselhaften Erzählwelten. In "Wild nach einem wilden Traum" geht es um die Kippunkte der Liebe.
Daniel Glattauer: "In einem Zug"
Dialoge kann Daniel Glattauer. Das hat er mit seiner Bestseller-Trilogie "Gut gegen Nordwind" bewiesen. Nun lässt er zwei Menschen, einen Mann und eine Frau, von Wien bis München ein Zugabteil teilen und miteinander ins Gespräch kommen. Über Liebe, Beziehungen und all das, was einen sonst noch so aus der Bahn bringen kann. Aber der Zug rollt. Während drinnen ein Dialogfeuerwerk sondergleichen abbrennt.
Bela B. Felsenheimer: "Fun"
Wahrscheinlich nicht der literarischste Titel des kommenden Jahres, aber ein Buch, das für viel Aufmerksamkeit sorgen wird. Denn der Autor ist niemand geringeres als der Drummer der Punk-Band Die Ärzte. Mit seinem Debütroman "Scharnow" eroberte Bela B. 2019 die Bestsellerlisten - vor allem mit skurrilen Ideen, kreativen Plot-Ideen und jeder Menge Charme. Über "Fun" ist noch nicht viel bekannt - außer, dass es um eine Woche im Leben einer Band geht. Wir können gespannt sein!
Jonas Lüscher: "Verzauberte Vorbestimmung"
Für seinen vielbeachteten Roman "Kraft" gewann Jonas Lüscher 2017 den Schweizer Buchpreis. Jetzt meldet er sich endlich wieder mit einem großen Erzählwerk zurück. "Verzauberte Vorbestimmung" ist ein komisches und dramatisches Spiegelkabinett der großen und kleinen Konflikte der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Florentine Anders: "Die Allee"
Der idealistische Hermann Henselmann avanciert nach dem Krieg zum Chefarchitekten Ost-Berlins und soll als Konkurrent zu den West-Berlinern um Hans Scharoun antreten. Seine Frau Isi möchte eigentlich auch Architektin sein, muss sich aber den Herausforderungen einer Familie mit acht Kindern stellen. Und da ist auch die eng verwandte Familie von Robert Havemann, der sich der staatlichen Bevormundung verweigert. Ein Roman über Architektur im politischen Umfeld, die Fallen des Systems und zwei couragierte Frauen.
Feridun Zaimoglu: "Sohn ohne Vater"
Der Vater ist tot. Was jetzt? Woher kommt Hilfe, woher Trost? Weil der Erzähler, ein Schriftsteller aus Kiel (wie zufälligerweise Feridun Zaimoglu auch), Flugangst hat, legt er die fünftausend Kilometer bis ans Grab des Vaters in der Türkei im Wohnmobil zurück, mit Freunden. Wer Zaimoglu kennt, freut sich auf flirrende, leidenschaftliche Sätze auf dem Weg dorthin.
Jakob Hein: "Wie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden auslöste"
Der lustigste Psychiater der Welt hat wieder einen Roman geschrieben: In der Berliner Invalidenstraße, am Grenzübergang zwischen West und Ost, spielen sich tumultartige Szenen ab, aber anders, als man denkt: Die Leute wollen in den Osten! Die Lage wird brenzlig, aber Grischa hat einen Plan …
María Ospina Pizano: "Für kurze Zeit nur hier"
Was für eine großartige Idee: ein Roman, in denen nicht der Mensch als Protagonist in Erscheinung tritt, sondern viele verschiedene Tiere. Wir erleben, wie ein Scharlachkardinal sich aus einer Falle befreit und auf seinen Flug Richtung Süden begibt. Wir begleiten ein Käferweibchen auf ihren Erkundungsreisen. Und ganz allmählich ergibt sich ein Bild, in dem alles mit allem zusammenhängt und auch der Mensch nur ein Partikelchen im Universum ist. Aber welch Wunder! Es ist gar nicht schlimm.
Katharina Hartwell: "Große Lieben"
Bislang ist Katharina Hartwell vor allem als Autorin fabelhafter Fantasyromane hervorgetreten und als Beschwörerin geheimnisvollen Grusels. Nun erzählt sie die Geschichte zweier Mädchen, die zu Frauen werden und sich auf diesem Wege fragen, wie das denn so ist mit der Identitätsfindung, Selbstverwirklichung und - Mutterschaft.
Christine Wunnicke: "Wachs"
Christine Wunnicke, die wunderbare Erzählerin scheinbar ferner Vergangenheiten, lockt uns jetzt mit einer Liebesgeschichte ins Frankreich des 18. Jahrhunderts. Als "federnd" und "raffiniert", als "intellektuell zutiefst vergnüglich", "pittoresk" und "grandios" hat die Kritik ihre bisherigen Romane bezeichnet. Es sollte uns nicht wundern, wenn nun noch einige überschwängliche Attribute hinzukommen.
Chimamanda Ngozi Adichie: "Dream Count"
Zehn Jahr nach ihrem Bestseller "Americanah" erscheint endlich ein neuer Roman der nigerianischen Autorin, die heute in Lagos und den USA lebt. Chimamanda Ngozi Adichie verbindet darin die Geschichten von vier ganz unterschiedlichen Frauen, die auf der ganzen Welt zuhause sind. Was verbindet sie und was trennt sie? Gegenwärtig, gut lesbar mit einer klar feministischen Handschrift.
Colum McCann: "Twist"
Tiefseekabel verbinden Menschen über Länder und Kontinente hinweg. Aber sie sind auch störungsanfällig und fragil. Darüber soll ein Journalist schreiben und begibt sich an Bord eines Schiffes. Natürlich kommt es zum Showdown auf hoher See. Was erst einmal wie ein Action-Thriller klingt, wird sicher viele weitere literarische Facetten haben, wenn der meisterliche Colum McCann darüber schreibt.
Antje Rávik Strubel: "Der Einfluss der Fasane"
Der neue Roman der Buchpreisträgerin von 2021 - und ein sehr gegenwärtiger: Er handelt von den Erregungsmechanismen unserer Zeit, davon, wie schnell aus Worten Gewalt, aus Kritik Schuld werden kann. Bei aller Schwere soll der Roman - verspricht der Verlag jedenfalls - doch auch leichtfüßig erzählt sein …
Katharina Hagena: "Flusslinien"
Ihre Familiengeschichte "Der Geschmack von Apfelkernen" begeisterte 2008 viele Leserinnen und Leser. Jetzt hat die in Hamburg lebende Autorin einen neuen Generationenroman geschrieben: Im Mittelpunkt stehen die hundertzweijährige Margrit, ihr Fahrer, ihre Enkelin - und zwölf frühsommerliche Tage an der Elbe.
Christoph Kramer: "Das Leben fing im Sommer an"
Da sind wir jetzt aber mal unvoreingenommen gespannt: Der Fußballprofi Christoph Kramer (Weltmeister von 2014), vielen auch als stets unterhaltsamer WM- und EM-Experte des ZDF bekannt, hat einen Coming-of-Age-Roman geschrieben. Es geht um die erste Liebe und eine Nacht, die alles verändert - großes Glück und große Verzweiflung ganz nah beieinander …
Martin Mosebach: "Die Richtige"
Der Großmeister des eleganten, ironischen Erzählens ist wieder da: Schon Mosebachs letzter Roman "Taube und Wildente" handelte von einem rätselhaften Kunstwerk. Jetzt erzählt der Büchnerpreisträger von einem Maler, der keine Grenzen kennt und keine Hemmungen, worunter seine Mitmenschen zu leiden haben.
Kristine Bilkau: "Halbinsel"
An einem kritischen Punkt im Leben müssen Mutter und Tochter die Lebenswirklichkeit der jeweils anderen neu verstehen lernen; dieser Versuch einer Annäherung spielt sich auf einer Halbinsel im nordfriesischen Wattenmeer ab, und weil das aus der Feder der in den letzten Jahren mit so wundervollen Romanen wie "Die Glücklichen" und "Eine Liebe, in Gedanken" hervorgetretenen Kristine Bilkau stammt, dürfen wir ein Meisterwerk voller Zartheit, Realismus und Identifikationspotenzial erwarten.
Alice Renard: "Hunger und Zorn"
Die Autorin ist selbst gerade einmal 22 Jahre alt. Die Protagonistin ihres Debütromans Isor ist noch ein Mädchen. Und sie ist anders als die allermeisten anderen Kinder: sie spricht nicht, sie lernt auch nicht und manchmal bricht Wut aus ihr hervor. Da begegnet sie bei ihren Streifzügen durch die Umgebung einem alten einsamen Mann. Es ist der Beginn einer außerordentlichen Freundschaft.
Katja Kullmann: "Stars"
Was tut man, wenn man vor seiner Wohnungstür einen Schuhkarton mit sehr viel Geld in Dollarnoten findet, Absender unbekannt? Die Autorin des Bestsellers "Generation Ally" lässt ihre Heldin, Hobby-Astrologin mit einem Brotjob in einer Möbelfirma, ihre Chance ergreifen. Ihre Karriere als Star-Astrologin ist nicht mehr aufzuhalten. Sie wirft einen tiefen Blick auf unsere Sehnsucht nach kosmischer Ordnung in krisenhaften Zeiten.
Paul Ruban: "Der Duft des Wals"
In Kanada hat die Geschichte von Judith und Hugo ein großes Publikum erreicht. Dabei ist "Der Duft des Wals" der erste Roman, den Paul Ruban veröffentlicht hat. Vor allem der bisweilen absurde Humor, mit der er seine Protagonisten versuchen lässt, mit einer Urlaubsreise ihre Ehe zu retten, während um sie herum eine Umweltkatastrophe droht, hat die Leserschaft in Kanada begeistert. Warum nicht auch in Deutschland?
Ronald Reng: "Er kenne Herrn Benz nicht, sagt Herr Daimler"
Der beste deutschsprachige Fußballschriftsteller tut etwas Außergewöhnliches: Er legt ein Buch ganz ohne Fußball vor! Er erzählt davon, wie zwei Unternehmer, die etwas mehr als 100 Kilometer voneinander entfernt leben, um das Jahr 1885 herum fest davon überzeugt sind, soeben das Automobil erfunden zu haben. Als die beiden vom jeweils anderen erfahren, beginnt ein Wettlauf - auch um die Gunst des eher skeptischen Publikums: Ein Auto, wer braucht denn sowas?
Etgar Keret: "Starke Meinungen zu brennenden Themen. Stories"
Prall und lebenssatt sind die neuen Stories des Großmeisters der kurzen Form, der es wie kein zweiter versteht, die Schrecken unserer Zeit in absurde, surreale und berührende Geschichten zu verwandeln. Alltäglichkeiten aus dem israelischen Leben vor dem 7. Oktober 2023, von denen aus das Lot sich tief in die existenziellen Fragen des Lebens senkt.
Ralf Rothmann: "Museum der Einsamkeit"
Was Ralf Rothmann in Worte fasst, bekommt zuverlässig eine besondere Plastizität und Lebendigkeit. Ob es seine Kindheitserinnerungen ans Ruhrgebiet sind in "Milch und Kohle" oder seine Auseinandersetzung mit den Kriegserfahrungen der Elterngeneration in "Im Frühling sterben". Sein neues Buch versammelt neun Erzählungen, die uns sicher wieder mittenhinein in unsere Gegenwart stürzen.
Juan S. Guse: "Tausendmal so viel Geld wie jetzt"
Ganz normale Leute, denen nichts anzumerken ist; sie sind keine Topmanager, keine Börsenhändler, aber: Sie sind steinreich geworden. Steinreich mit Kryptowährungen. Juan S. Guse hat sich ein Jahr lang mit solchen Leuten getroffen und erzählt jetzt von ihnen - und von seinen eigenen Verlusten beim Versuch, selbst auch reich zu werden.