Hand krampft © Colourbox Foto: -

Karpaltunnelsyndrom: Symptome, Ursachen und Behandlung

Stand: 03.03.2025 13:04 Uhr | vom Norddeutscher Rundfunk-Logo

Kribbeln, Brennen und Taubheitsgefühle im Daumen, Zeige- und Mittelfinger sind typische Symptome für das Karpaltunnelsyndrom. Zur Behandlung der Ursachen kommen spezielle Übungen oder eine OP infrage.

von Elena Zelle-Möhlmann

Taube Finger, Kribbeln und Schmerzen: Das Karpaltunnelsyndrom trifft vor allem Menschen zwischen 40 und 70 Jahren. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, bei Kindern ist es selten. Bei manchen Betroffenen legen sich die Symptome von selbst, andere brauchen eine Behandlung.

Symptome des Karpaltunnelsyndroms

Wenn das Gewebe im Karpaltunnel im Bereich der Handwurzel anschwillt, übt es Druck auf den Nerv aus und sorgt für Beschwerden, die meist morgens oder nachts auftreten. Folgende Symptome sind möglich:

  • Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger fühlen sich taub an.
  • Kribbeln ("Ameisenlaufen") an Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger
  • Hand schläft ein
  • Schmerzen in den Fingern, die in die Hand oder den ganzen Arm ausstrahlen können
  • Im Verlauf kann es zu einem Abbau der Muskulatur im Daumenballen kommen.

Ursachen des Karpaltunnelsyndroms erkennen

Die Ursache der Beschwerden liegt in einer Verengung des Karpaltunnels, einer knöchernen Rinne an der Innenseite des Handgelenks. Dort verläuft der Medianusnerv in Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger. Er ist für das Gefühl zuständig und für die Steuerung der Muskeln. Ausgelöst wird die Verengung zum Beispiel durch:

Karpaltunnelsyndrom: Selbsttest und ärztliche Tests zur Diagnose

Wer ein Karpaltunnelsyndrom bei sich vermutet, dem kann ein Selbsttest einen ersten Hinweis geben. Beim sogenannten Hoffmann-Tinel-Test klopft man bei ausgestreckter Hand auf die Innenseite des Handgelenks. Schmerzen oder Kribbeln sind ein Anzeichen, das man ärztlich abklären lassen sollte. Die Ärztin oder der Arzt kann ebenfalls oft schon mit einfachen Tests erkennen, ob es sich um ein Karpaltunnelsyndrom handelt:

  • Beim Klopftest prüft der Arzt, ob ein Klopfreiz am Medianusnerv zu einem elektrisierenden Gefühl führt, das in die Hand einschießt.
  • Der Phalentest provoziert den Nerv durch ein Zusammenstauchen, das zu einem tauben, kribbelnden Gefühl in den Fingern führt.

Diagnose mit Strom und Ultraschall

Zur Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms misst der Arzt die Leitfähigkeit der Nerven und untersucht den Bereich per Ultraschall. Zur Messung der Nervenleitfähigkeit (Elektroneurografie) schickt ein Neurologe über Elektroden schwache Stromimpulse durch den Arm. Ein Impuls auf der einen Seite des Karpaltunnels muss zu einer Muskelreaktion auf der anderen Seite führen. Ist die Leitfähigkeit gestört, spricht das für ein Karpaltunnelsyndrom. Zeigt die Untersuchung einen normalen Befund, liegt kein Karpaltunnelsyndrom vor. Eine hochauflösende Ultraschalluntersuchung des Nervs kann nützlich sein, wenn die Elektroneurografie keine klare Aussage bringt - oder wenn die Operation eines Karpaltunnelsyndroms nicht den gewünschten Erfolg bringt.

Andere Ursachen für Beschwerden ausschließen

Zeigt die Ultraschalluntersuchung keine Einengung und Schwellung des Nervs, müssen die Symptome eine andere Ursache haben:

  • Das kann zum Beispiel eine Autoimmunkrankheit sein, die zu Nervenentzündungen führt.
  • Auch verspannte Nackenmuskeln, Gelenkzysten oder verstopfte Arterien können Symptome verursachen, die zunächst auf ein Karpaltunnelsyndrom hindeuten.
  • Seltener kann ein Kribbeln in den Fingern auch durch einen schlecht verheilten Schlüsselbeinbruch nach einem Unfall ausgelöst werden oder durch einen bösartigen Tumor, der in die Nervengeflechte einwächst (Pancoast-Tumor).

Muskelengpass-Syndrom als Ursache

Kann der Arzt schmerzhafte Triggerpunkte ertasten, deutet das auf ein sogenanntes Muskelengpass-Syndrom hin:

  • Auf seinem Weg von der Halswirbelsäule zur Hand durchläuft der Medianusnerv einige Engstellen: Am Halsansatz verläuft das Nervenbündel durch eine kleine Lücke zwischen den Skalenusmuskeln. Bei einer Einengung an dieser Stelle spricht man vom Skalenus-Syndrom.
  • Weiter unten kreuzt der Nerv an der Brust den Musculus pectoralis minor. Ist er verspannt, zum Beispiel durch Fehlhaltungen am Schreibtisch, kann der Nerv gequetscht werden - die Folge ist ein sogenanntes Pectoralis-Minor-Syndrom.

Beide Syndrome führen zu Missempfindungen in der Hand und teilweise auch im Arm. Ein solches Muskelengpasssyndrom ist leicht zu behandeln durch eine bessere Körperhaltung und viel Dehnung von Brust- und Halsmuskulatur.

Karpaltunnelsyndrom: Behandlung zunächst konservativ

Wenn die Beschwerden zunehmen, deutet das darauf hin, dass der Medianusnerv unter Druck steht. Eine Behandlung ist wichtig, weil sonst die Gefahr besteht, dass Nervenfasern unwiederbringlich absterben. Zu Beginn des Karpaltunnelsyndroms lassen sich die Beschwerden in der Regel konservativ behandeln - mit Vitamin B6, Kortison-Spritzen, manueller Therapie und einer speziell angepassten, nur nachts getragenen Armschiene.

OP sollte nur bei eindeutiger Diagnose erfolgen

Schlägt die Behandlung nicht an, muss operiert werden. Vorher sollte allerdings die elektrophysiologische Diagnostik ein Karpaltunnelsyndrom eindeutig bestätigt haben. Je früher in diesem Fall operiert wird, desto besser. Denn so können dauerhafte Nervenschädigungen verhindert werden. Dennoch wird laut Experten immer wieder operiert, obwohl die eindeutige Diagnose fehlt.

Zwei verschiedene Verfahren: Ablauf der OP

Beim klassischen offenen Verfahren durchtrennt der Chirurg das Karpalband am Handgelenk und das einengende Bindegewebe, um den Nerv zu befreien. Der Eingriff dauert 10 bis 15 Minuten. Probleme durch das fehlende Karpalband sind nicht zu erwarten. Im Anschluss an die Operation muss die Hand kurzfristig ruhiggestellt werden. Beim minimalinvasiven Verfahren wird ein Endoskop durch einen kleinen Schnitt am Ende des Unterarms eingeführt und in den Karpaltunnel vorgeschoben. Dort spaltet der Chirurg mit einem ausfahrbaren Messer von unten das Dach des Karpaltunnels.

Karpaltunnelsyndrom: OP nicht ohne Risiken

Nach dem Eingriff ist bei Betroffenen durchaus Geduld gefragt: Manchmal dauert die Rückbildung der Beschwerden drei bis vier Monate. Falls die Beschwerden zunehmen, sollte nach zwei Monaten nochmals eine elektrophysiologische Diagnostik oder gegebenenfalls eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden.

Beide Methoden haben Vor- und Nachteile: Bei der offenen Operation kann eine empfindliche Narbe zurückbleiben. Auch bei der minimalinvasiven OP können Nerven oder Blutgefäße verletzt werden, was dauerhafte Schäden und Schmerzen zur Folge haben kann.

In einigen Fällen bleibt die Operation beim Karpaltunnelsyndrom erfolglos - zum Beispiel, wenn der Medianusnerv nicht am Handgelenk, sondern am Ellenbogen oder in der Halswirbelsäule eingeklemmt ist. Eine andere Krankheit, die ähnliche Symptome wie das Karpaltunnelsyndrom hervorruft, ist das Wartenberg-Syndrom. Dabei ist der Radialnerv am Unterarm eingeklemmt.

Tipps und Übungen: Karpaltunnelsyndrom vorbeugen

  • Neutrale Handposition: Wiederholtes Beugen des Handgelenks fördert das Karpaltunnelsyndrom. Deshalb sollte man auf eine neutrale Handstellung - wie beim Händeschütteln - achten.
  • Gelenkschoner nutzen: Handgelenkschoner aus der Apotheke helfen, bei der Arbeit oder auch im Schlaf eine neutrale Handposition zu behalten. Das ist wichtig, weil viele Menschen mit gebeugtem Handgelenk schlafen.
  • Schreibtischstuhl einstellen: Den Schreibtischstuhl so einstellen, dass beim Sitzen die Unterarme auf einer Linie mit der Tastatur liegen. Hände und Handgelenke sollten dabei eine Linie mit den Unterarmen bilden. Während der Arbeit den Körper nicht dauerhaft zur Seite drehen oder beugen.
  • Pausen machen: Bei Tätigkeiten wie Schreiben auf einer Tastatur oder Gemüseschneiden sollte man alle 10 bis 15 Minuten eine kurze Pause einlegen, die Handgelenke dehnen und ausschütteln.
  • Monotone Tätigkeiten vermeiden: Bei der Arbeit nicht zu lange die gleiche Position einnehmen und, wenn möglich, alle 20 bis 40 Minuten die Tätigkeit wechseln.
  • Kraft sparen: Wer mit möglichst wenig Kraftaufwand arbeitet, vermeidet eine Überlastung der Handgelenke. Bei der Arbeit auf Werkzeuge in der richtigen Größe achten: Eine zu große oder zu kleine Maus kann die Handgelenke überlasten. Zum Radfahren ergonomische Lenkergriffe mit Ballenauflage montieren.
  • Hände warmhalten: Bei Arbeiten in einer kalten Umgebung werden die Hände eher steif und schmerzen. Daher sollten Handschuhe getragen werden.
  • Wassergüsse anwenden: Für zusätzliche Entspannung sorgen kalte oder lauwarme Wassergüsse, die von den Händen bis zum Unterarm geführt werden.

Beidseitiges Karpaltunnelsyndrom mögliches Anzeichen für ATTR-Amyloidose

Ein beidseitiges Karpaltunnelsyndrom kann ein sehr frühes Symptom einer sogenannten ATTR-Amyloidose sein. Das ist eine seltene unheilbare und fortschreitende Erkrankung. Um die Krankheit früh zu erkennen und das Fortschreiten zu bremsen, sollte nach der Operation eines beidseitigen Karpaltunnelsyndroms eine Gewebeprobe untersucht werden.

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NDR Fernsehen | Visite | 04.03.2025 20:15

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