Arne Jacobsen Haus: Moderner Klassiker in Hamburgs City Nord
1969 wurde in der City Nord in Hamburg ein zeitloses Bürogebäude eingeweiht. Entworfen hat es der Däne Arne Jacobsen. Zunächst hatten die Hamburgischen Electricitätswerke dort ihre Zentrale, danach Vattenfall.
In den Nachkriegsjahren besteht in Hamburg ein großer Bedarf an Büroflächen, in den Innenstadtbereichen finden große Konzerne und Verwaltungen keine passenden Immobilien. Damit sie sich nicht in anderen Städten ansiedeln, muss eine Lösung her. Am 16. Dezember 1960 bringt die Hamburgische Bürgerschaft den Bau der City Nord - eine Bürostadt nach US-amerikanischem Vorbild als "Entlastsungszentrum" - per Gesetz auf den Weg. Noch im selben Jahr kauft die Hamburgische Electricitäts-Werke AG (HEW) dort ein Grundstück. Mit rund 37.000 Quadratmetern ist es das größte der neuen Bürostadt.
Entworfen vom Dänen Arne Jacobsen
Von 1966 bis 1969 wird am Überseering das Gebäude für die Hauptverwaltung der HEW errichtet. Es ist eins der bekanntesten Häuser der City Nord. Entworfen hat es der dänische Architekt Arne Jacobsen (1902-1971), der als einer der international bedeutendsten Architekten und Designer des 20. Jahrhunderts gilt. Seine Entwürfe folgten dem Stil des modernen Funktionalismus. Beeinflusst wurde er unter anderem vom schweizerisch-französischen Architekten Le Corbusier (1887-1965).
"Leichtfüßig, fast filigran"
Der Energiekonzern Vattenfall - Nachfolger der HEW - schreibt auf seiner Website über das Gebäude: "Der optisch aus vier Scheiben bestehende Bau hat beeindruckende Ausmaße - und wirkt mit seiner gläsernen Fassade zugleich leichtfüßig, fast filigran. Das Raster aus 6.500 Scheiben spiegelt auf einer Gesamtlänge von 153 Metern das Spiel der Wolken wider. Wer das 1969 eingeweihte Bauwerk in einem Wort beschreiben will, landet meist bei 'zeitlos'." Das 30 Meter breite und 44 Meter hohe Gebäude ist auf einem Stahlbetonkorsett konstruiert.
Bürogrößen lassen sich flexibel gestalten
Zur Zeit des Baus sind Großraumbüros populär. Beim HEW-Gebäude wird aber bewusst darauf verzichtet, was die langgestreckte Form des Baus erklärt. Eine HEW-Planungsgruppe ist zu dem Schluss gekommen, dass es besser sei, flexible kleine Räume zur Verfügung zu haben. Somit könne auf absehbare Veränderungen in der Arbeitsorganisation reagiert werden. Deshalb werden die Innenwände damals modular gebaut, was bedeutet, dass viele leicht versetzt werden können. Ursprünglich ist das Arne Jacobsen Haus für bis zu 2.000 Arbeitsplätze ausgelegt. Später nimmt die Zahl wegen Umbaumaßnahmen auf 1.300 ab.
Sanierung und Modernisierung - Denkmalschutz seit 2013
Von 1995 bis 2004 erfolgt eine schrittweise Grundsanierung, die unter anderem die Klimaanlage sowie die Erneuerung der Elektro-, Daten- und Telekommunikationstechnik umfasst. 2011 werden Wärmepumpen installiert. Weil das Gebäude im Laufe der Jahre auf einem hohen technischen Stand gehalten worden ist, weist es einen vergleichsweise niedrigen Energieverbrauch auf. Seit 2013 steht das Arne Jacobsen Haus unter Denkmalschutz.
Vattenfall verkauft das Gebäude
2019 verkauft Vattenfall das Gebäude, weil der Konzern die Hamburger Zentrale in das Elbbrückenquartier der HafenCity verlagern möchte. Zunächst bleibt Vattenfall bis zum Umzug als Mieter am bisherigen Standort. Neuer Eigentümer der ehemaligen HEW-Zentrale wird der Hamburger Projektentwickler, die Matrix Immobilien Gruppe.
Bezirksamt Hamburg-Nord soll einziehen
Im April 2024 wird bekannt, dass das Bezirksamt Hamburg-Nord in die alte HEW-Zentrale einziehen soll. Das Gebäude soll komplett saniert werden, wobei vor allem die Glasfassade eine Herausforderung darstellt. Aufgrund des Denkmalschutzes darf äußerlich nichts verändert werden. Hintergrund: Ein geplanter Neubau für das Bezirksamt am Wiesendamm in Winterhude wird aus Kostengründen nicht realisiert.