"'Malermensch' in Berlin": Emil-Nolde-Ausstellung in Seebüll
Unter dem Titel "'Malermensch' in Berlin" stehen bei der 69. Jahresausstellung im Nolde Museum in Seebüll die beiden Welten von Emil Nolde im Mittelpunkt: Die ländliche Abgeschiedenheit seiner Heimat im deutsch-dänischen Grenzgebiet und die pulsierende Metropole Berlin.
"Allabendlich um elf zog ich meine dunkle Hose an und auch den schwarzen St. Galler Frack, der nun bald historisch war", so beschreibt Emil Nolde selbst sein Leben damals in der Berliner Nachtwelt. "Meine Ada ebenfalls zog ihr bestes Kleid an, und wir gingen auf Maskenbälle, in die Kabaretts, in den Eispalast. Und dann ging es in öffentliche Lokale, wo fahl wie Puder und Leichengeruch impotente Asphaltlöwen und hektische Halbweltdamen in ihren elegant verwegenen Roben saßen, getragen wie von Königinnen."
Sehen kann man diese Motive aus Tanzlokalen in der neuen Jahres-Ausstellung im Nolde Museum in Seebüll - mehr als 110 Werke sind dort ausgestellt. Museumsleiter Christian Ring beschreibt Noldes Leben ab 1904 als ein Wechselspiel zwischen abgeschiedenen Sommern in Nordfriesland und vibrierendem Großstadtleben im Winter: "Die Noldes haben zu der damaligen Zeit auf der dänischen Ostseeinsel Als gewohnt, haben da aber festgestellt, dass die Galeristen nicht dorthin gekommen sind - insofern war Berlin der Ort zum Netzwerken."
Nolde in Berlin: Rauschhaft, wild und dramatisch
In Berlin malt Nolde vor allem exotische Tiere im Zoologischen Garten und Menschen. Aufmerksam beobachtet er das, was so ganz anders und fremd von dem Leben ist, das er auf dem Land führt. 1910 stellt ihm der Intendant des Deutschen Theaters Freikarten zur Verfügung, erzählt die Kuratorin Tamara Schneider: "Er wollte im Theater direkt vor der Bühne sitzen und die Szenen auf das Papier bringen. Die sind dann ganz schnell entstanden. Ada saß immer neben ihm, hat ihm mit den Farben assistiert. Sie musste ihm immer auch die Blätter abnehmen. Da sieht man dann auch den schnellen Pinselstrich."
"Nolde hat in Berlin wirklich dieses Rauschhafte in seine Kunst aufgenommen. Das was früher ruhige, stille Bilder gewesen sind, wurde auf einmal wild und dramatisch", meint Christian Ring. "Er findet in seiner Berlin-Zeit wirklich zum reinen Expressionismus in seiner pursten Form und das überträgt er dann in der Folge auch auf die anderen Bilder, aber je nach Stimmung." Selbst erleben kann man Noldes Berliner Weg zum Expressionismus in der Jahresausstellung im Noldemuseum in Seebüll.
"'Malermensch' in Berlin": Emil-Nolde-Ausstellung in Seebüll
Bei der 69. Jahresausstellung im Nolde Museum in Seebüll stehen die zwei Lebenswelten von Emil Nolde im Mittelpunkt.
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Nolde Museum Seebüll
Seebüll 31
25927 Neukirchen - Telefon:
- 04664 98393-0
- E-Mail:
- info@nolde-stiftung.de
- Hinweis:
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