Stand: 20.02.2017 10:37 Uhr

Die Handelskammer - Hamburgs graue Eminenz

Schnelle Erholung nach dem Krieg

Die enge Verbindung zur Politik zeigt sich 1945 erneut. Als die Handelskammer den Unternehmer Rudolf Petersen für das Amt des Ersten Bürgermeisters vorschlägt, ernennt ihn die britische Militärregierung. Die Handelskammer fasst im Nachkriegs-Hamburg schnell wieder Fuß und setzt sich in den kommenden Jahrzehnten verstärkt für Verbindungen ins Ausland ein. Bereits 1948 eröffnen die ersten vier Vertretungen in europäischen Hauptstädten. Inzwischen ist die Kammer unter anderem in Berlin, Brüssel, St. Petersburg, Shanghai und Dubai repräsentiert.

Eine Flut von Aktivitäten

Kopien ausländischer Zeugnisse und Ausbildungsnachweise liegen in einem Büro der Handelskammer Hamburg. © dpa picture alliance Foto: Ulrich Perrey
Die Handelskammer vergibt zahlreiche Zertifikate und erkennt ausländische Ausbildungen an.

Die Aktivitäten der Handelskammer Hamburg lassen sich kaum noch überblicken. Viele Pflichtaufgaben als Körperschaft des öffentlichen Rechts, wie die Abnahme von beruflichen Prüfungen, gehören ebenso dazu wie die Rolle als Dienstleister für Unternehmer mit Fortbildungen und Beratungen. Im Mittelpunkt steht Lobbyarbeit für die Wirtschaft. Außerdem betreibt die Handelskammer die Hochschule Hamburg School of Business Administration (HSBA), ein Innovations- und Patent-Centrum und ist an zahlreichen Hamburger Unternehmen beteiligt, etwa dem WeltWirtschaftsinstitut, der Hamburg Tourismus und der Gesundheitswirtschaft GmbH. Geblieben sind die guten Kontakte zum benachbarten Rathaus: Der aktuelle Senator für Wirtschaft, Frank Horch, war zuvor Präses - also oberster Vertreter - der Handelskammer.

Kritik aus den eigenen Reihen

So geschlossen wie in der langen Vergangenheit steht die Kammer im Moment nicht mehr da. Bei der jüngsten Wahl zum Plenum, dem "Parlament" der Handelskammer, trat im Februar 2017 zum zweiten Mal eine Gruppe von Kritikern an. Von den 58 Mitgliedern des Plenums stellt das Bündnis "Die Kammer sind Wir" nun 55. Die Wahlbeteiligung verdoppelte sich gegenüber der vorangegangenen Wahl zwar, lag aber dennoch nur bei 17,6 Prozent der Stimmberechtigten. Das siegreiche Bündnis fordert mehr Transparenz und modernere Strukturen innerhalb der Handelskammer. Außerdem sollen die Pflichtbeiträge für die rund 160.000 Mitglieds-Unternehmen in Hamburg schrittweise abgeschafft werden.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 17.02.2017 | 19:30 Uhr

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