Geflüchtete Ukrainer im Norden kämpfen für Frieden in ihrer Heimat
Mehr als eine Million Menschen sind seit Kriegsbeginn vor drei Jahren aus der Ukraine nach Deutschland geflohen. Eine von ihnen ist Mariia Khaschlamon, die nun in Hamburg wohnt. Aus der Hansestadt versucht sie, ihre Landsleute so gut es geht zu unterstützen.
Als Russlands Präsident Wladimir Putin am 24. Februar 2022 seinen Angriffskrieg auf das Nachbarland startete, wollten die meisten, die fliehen mussten, einfach nur ihr Leben retten. Die wenigsten dachten an einen jahrelangen Aufenthalt in Deutschland. Auch Mariia Khaschlamon hatte damit gerechnet, schneller wieder in ihre Heimat zurückzukehren.
Hamburger Verein sammelt Spenden für das Militär
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Zusammen mit vielen weiteren Ukrainerinnen und Ukrainern setzt sich Mariia im Verein "Vilni de Ua" für Frieden in ihrer Heimat ein. "Vilni" bedeutet auf Ukrainisch so viel wie "frei" oder "Freiheit". Und dafür kämpfen Mariia und die anderen geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer in Deutschland schon seit fast drei Jahren - bisher vergeblich. "Seit dem ersten Tag des Krieges habe ich das Gefühl, dass alles nur ein Albtraum ist", sagt die 27-Jährige. "Mein Herz ist voller Trauer und Schmerz, wegen all der Verbrechen, die Russland in unserem Land begangen hat."
Der Verein veranstaltet regelmäßig Kundgebungen zur Unterstützung der Ukraine. Die Mitglieder sammeln Spenden für das Militär: für Fahrzeuge, Drohnen, Wärmebildkameras oder Generatoren. Aus der Ferne versuchen sie so, ihren Beitrag zur Beendigung des Krieges zu leisten - im Sinne der Ukraine.
Den Krieg für kurze Zeit ausblenden
Abseits ihres Engagements bei "Vilni de Ua" sind es für Mariia die kleinen Dinge des Alltags, die ihr Trost spenden. Wenn sie mit ihrer Katze Amelie spielt, wenn sie arbeitet. Dann kann sie den Krieg für kurze Zeit ausblenden. Ihre Katze hat sie aus der Ukraine mitgenommen. Auch ihre Mutter ist mittlerweile in Hamburg. Sie sind im Mai 2022 aus Kiew nach Deutschland geflohen - in den Tagen als auch in ihrer Nachbarschaft Häuser brannten und es Explosionen gab.
Mariia hätte nie geglaubt, dass sie so lange fern von ihrer Heimat bleiben würde. Ihr moralischer Kompass ist zerstört. "Ich war überzeugt, dass dieser Krieg sehr schnell vorbei sein würde, weil so etwas in der modernen Welt unmöglich schien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden klare Regeln aufgestellt und wenn ein Verbrecher diese Regeln bricht, dann werden alle sehr, sehr schnell diesen Verbrecher stoppen, dachte ich."
Sorgen um Verhandlungen zwischen den USA und Russland
Sie sagt, sie wisse nicht mehr, in welcher Welt sie lebe. Dass die USA und Putin nun bilateral über einen möglichen Frieden verhandeln, findet sie schrecklich. Es dürfe keine Entscheidung über den Kopf der Ukraine hinweg geben.
Sie und die Mitglieder des Vereins "Vilni de Ua" finden, es sei wichtig, dass mehr Geld für den Wiederaufbau der Ukraine ins Land fließe. Daher bewerten sie das Rohstoffabkommen zwischen den USA und der Ukraine verhalten positiv. Es mache Sinn, über die seltenen Erden zu verhandeln. Aber manche von ihnen hätten das Gefühl, Trump wolle die Ukraine an Russland "verkaufen". "Keiner traut ihm mehr. Wir vertrauen Amerika nicht mehr so wie wir den USA vor Trump vertraut haben", sagt Mariia Kolosiuk, ein weiteres Mitglied des Vereins. "Selenskyj hat überlegt, was für unser Land wichtig ist. Er versucht abzuwägen, jetzt sind wir alle ganz gespannt."
Zur Unterzeichnung des Abkommens soll es bereits an diesem Freitag kommen. Die 30-Jährige fragt sich, warum es so dringend sei und plötzlich so schnell gehen müsse. "Aus meiner Sicht wäre es besser, mit Europa solche Deals zu machen, als mit den USA. Heute kann man Europa mehr vertrauen als den USA."
Ukrainerinnen fordern starke Sicherheitsgarantien für ihr Heimatland
Beide jungen Frauen wünschen sich nichts mehr als ein sicheres Leben für die nächste Generation. Das Ende des Krieges müsse gerecht sein und mit starken Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Für die Hilfe aus Deutschland sind sie dankbar. Von der neuen Bundesregierung erhoffen sie sich aber noch mehr Unterstützung, etwa die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern. "Wenn Russland nicht gestoppt wird, dann kann der Preis, den Europa zahlen muss, so viel höher sein. Es ist sehr wichtig zu verstehen, es geht nicht nur um die Hilfe für Ukraine, sondern um Sicherheit im ganzen Europa", sagt Mariia Khashlamon.
Bilder der Solidarität und Anteilnahme
Auch am dritten Jahrestag des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, am 24. Februar, zogen sie durch die Hamburger Innenstadt. Bei den Demos fühlten sie sich stark, hätten das Gefühl, aus der Ferne etwas für ihr Land zu tun. Fast 2.000 Menschen mit Ukraine-Flaggen zogen am Montagabend vom Jungfernstieg Richtung Gänsemarkt und riefen "End business with Russia" oder "Stop Russia".
Demonstrationen als Zeichen der Hoffnung: Die sind wichtig für die Moral der mehr als eine Million geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer in Deutschland. Aber auch für die Menschen in der Ukraine, die die Bilder der Demos sehen. Denn auf dem Messengerdienst Telegram, über den die meisten Ukrainerinnen und Ukrainer zur Nachrichtenlage kommunizieren, verbreiten sich nicht nur die Schreckensbilder des Krieges, sondern auch die Bilder der Solidarität und der Anteilnahme. Gerade in diesen unsicheren Zeiten seien diese Bilder wichtig, erzählen Mariia Khashlamon und Mariia Kolosiuk. Auch wenn der größte Wunsch der beiden Frauen bleibt: endlich Frieden in ihrer Heimat.
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