Neustart: Kunsthaus Göttingen eröffnet mit Auschwitz-Ausstellung
Im Kunsthaus in Göttingen eröffnet heute eine neue Ausstellung mit aktuellen Fotografien aus dem früheren KZ Ausschwitz, aufgenommen von Jürgen Teller. Dass im Kunsthaus überhaupt etwas gezeigt wird, ist indes eine Überraschung.
Die 2021 gestartete Ausstellungsfläche war im Herbst in die Insolvenz gerutscht. Mehr Geld hat das Kunsthaus immer noch nicht - aber einige ziemlich prominente Ehrenamtliche: "Mir fällt es leicht, weiße Seiten eines Buches mit Text und Fotos zu füllen, das ist mein Hauptberuf. Aber mir fällt es in diesem Haus besonders leicht, auch an die weißen Wände Bilder zu hängen. Das ist ein Spaß, ich mache das mit großer Lust und auch mit einer gewissen Leichtigkeit", sagt Gerhard Steidl, Inhaber des Steidl-Verlags in Göttingen. Eigentlich ist er Verleger bekannt für hochwertige Drucke prominenter Autoren und Fotografen. Nun ist Steidl zum künstlerischen Leiter des Kunsthauses in Göttingen avanciert. Gemeinsam mit Johannes-Peter Herberhold, der den Göttinger Literaturherbst aufgebaut und zu Bekanntheit verholfen hat. Aus ihren Gehältern macht Steidl kein Geheimnis: "Nichts, ich mache das ehrenamtlich."
Steidl hatte schon den Start des Kunsthauses begleitet - nun springt der 74-Jährige erneut ein. Es ging nicht anders: 2021 eröffnet, rutschte das vor allem aus Bundesgeldern errichtete Kunsthaus im vergangenen Jahr in die Insolvenz. Oberbürgermeisterin Petra Broistedt warb noch um zusätzliche Zuschüsse, doch die Lokalpolitik machte nicht mit. Mehr Geld hat das Kunsthaus immer noch nicht, schildert Broistedt: "Deshalb mussten wir einen wirklich rigiden Sparkurs ansetzen. Wir haben ein Minimum an Personal und es gibt einen Geschäftsführer, der auf Minijob-Basis arbeitet. Es wird zwei Zehn-Stunden-Kräfte für Verwaltung, Antragstellung und so weiter geben."
Bislang war der Eintritt in das Kunsthaus frei. Jetzt kostet er etwas, denn wegen der Insolvenz sind Spender und Sponsoren abgesprungen. Umso dankbarer ist Oberbürgermeisterin Broistedt für die beiden ehrenamtlichen künstlerischen Leiter: "Aber es wird nicht dauerhaft ehrenamtlich zu führen sein, das kriegt keine Kommune hin. Wir müssen in diesem Jahr dafür sorgen, dass wir mehr Mittel haben, damit wir nächstes Jahr das Haus auf andere Beine stellen können."
Ausstellung mit Fotografien von Bryan Adams geplant
Bis dahin ist das Kunsthaus erstmal in der Hand von Verleger Steidl und Literaturherbst-Chef Herberhold. Die Kulturmacher gehen arbeitsteilig vor: Herberhold kümmert sich vor allem um Veranstaltungen und Rahmenprogramm, Steidl organisiert die eigentlichen Ausstellungen. Dank seiner üppigen Netzwerke stellt demnächst beispielsweise der Sänger Bryan Adams Fotografien aus. Der sei auch professioneller Fotograf, erzählt Steidl: "Das wird die erste große Werkschau des Lebenswerks von Bryan Adams sein. Danach kommt eine Ausstellung mit Jim Dine, Ende des Jahres bis 2026. Gefolgt vom amerikanischen Künstler Edward Ruscha und seiner Druckgrafik. Bis hin zu einer Werkschau der Bücher und Plakate von Gerhard Richter im kommenden Jahr."
Star-Fotograf Jürgen Teller zeigt Fotos aus Auschwitz
Die erste Ausstellung ist indes eine politische: "Auschwitz Birkenau" zeigt aktuelle Fotografien aus dem früheren Konzentrationslager, aufgenommen von Jürgen Teller. Der setzt sonst Prominente wie Kate Moss oder die Kardashians in Szene - kennt aber auch Steidl und Christoph Heubner, den Vizepräsidenten des Internationalen Auschwitz Komitees. Im Dezember fuhren sie gemeinsam nach Auschwitz, schildert Steidl: "Das war fast ein Auftrag von uns beiden Älteren: Lass uns das ansehen. Heubner kennt natürlich jeden Winkel dieser Gedenkstätten und hat uns an Plätze gebracht, die normalerweise Touristen nicht zu sehen bekommen. Jetzt ist es aber sichtbar - in der Ausstellung, aber vor allem auch in seinem Buch."
Herausgekommen ist eine Bestandsaufnahme der Gegenwart in der Gedenkstätte: Teller hat erschöpfte Besucher auf Bilder gebannt, grell leuchtende Kioske an der Zufahrt sowie die vernebelten Ruinen von Gaskammern und Baracken. Heubner hat das Ganze um Zitate und Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden erweitert.
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