Die Kulturgeschichte des Glückskekses: Kommen die aus China?
Jeder kennt Glückskekse aus chinesischen Restaurants. Doch wie viel Glück steckt eigentlich drin und kommen die Kekse wirklich aus China? Eine Spurensuche.
Glückskekse sind knusprig, süß und sollen angeblich Glück bringen, denn auf den kleinen Zetteln stehen neben Weisheiten und guten Ratschlägen konkrete Zukunftsvorhersagen. Ein Test auf der Straße mit Passanten und den Glückskeks-Texten: "'Achte mehr auf deine Bedürfnisse' - das werde ich machen. Das ist auch eines meiner Hauptziele für dieses Jahr."
Im baden-württembergischen Gondelsheim werden die glücklich machenden Kekse hergestellt. Die Familie Brauch betreibt Europas größte Produktion und backt mehrere Millionen Kekse in der Woche. Der süße Teig besteht meist nur aus Butter, Mehl, Eiweiß und Puderzucker. "Es war ein langer Prozess, um zum perfekten Teig zu kommen", erzählt der Glückskeksbäcker Christoph Brauch. "Dafür haben wir eine spezielle Rührtechnik entwickelt. Er ist dann ein bisschen dünnflüssig, wie ein Pfannkuchenteig. Der Keks wiederum muss knackig sein, denn wenn man den öffnet, soll es ein schönes Knacken geben und dann bekommt man den Zettel als Überraschung."
Pfannkuchenteig plus Luftdruck gleich Glückskeks
Und wie kommen die weisen Sprüche in den Keks? Relativ einfach: Mit Luftdruck wird der Zettel angesogen, ins Gebäck gedrückt. Dann wird der noch weiche Teig in die richtige Form gebracht. Während die Kekse früher Zitate von Konfuzius oder Sprüche aus der Bibel enthielten, können die Zettel heute auch individuell bedruckt werden. Frisch verpackt geht es dann von Gondelsheim an Privatkunden, Discounter und China-Restaurants in der ganzen Welt. Doch woher kommt das halbmondförmige Süßgebäck ursprünglich?
Kommt die Erfindung aus San Francisco?
Auf ins chinesische Restaurant Shudu in Hamburg. "Ich glaube, das ist eine Erfindung aus den USA, aus San Francisco", meint Restaurantinhaber Hoi Fung. "Ein paar von unseren Stammgästen haben erzählt, dass man dort die Möglichkeit hat, sich frische Glückskekse zu kaufen. Normalerweise kennen wir nur abgepackte, aber dort kann man sie tatsächlich warm und frisch kaufen." Fast.
Aus Japan über den großen Teich
Ursprünglich kommen die Glückskekse wohl aus Japan. Ein japanisches Buch von 1878 zeigt die Herstellung von "Tsujiura Senbei", einem Cracker, der von der Form her den heutigen Glückskeksen ähnelt. Der japanische Einwanderer Makoto Hagiwara brachte die Kekse Ende des 19. Jahrhunderts nach San Francisco. Dort verkaufte er sie in einem Teehaus und erste japanische Bäckereien stellten die Kekse her.
Nach dem Angriff Japans auf Pearl Harbor im 2. Weltkrieg wurden japanisch-stämmige Amerikaner in den USA interniert. Laut einer Theorie könnten Chinesen in dieser Zeit die Glückskeksproduktion übernommen haben. So verbindet man heute Glückskekse mit China, obwohl diese dort erst um 1990 bekannt wurden.
Ob aus China oder nicht, Hoi Fung will die Kekse in seinem Restaurant auch weiterhin anbieten: "Wenn wir sehen, dass es an einem Tisch ein bisschen ruhiger wird, dann bieten wir den Gästen Glückskekse an, damit sie ein neues Gespräch beginnen können." Ob sie am Ende, allerdings wirklich Glück bringen, wer weiß? Aber ein Versuch, sein Glück im Keks zu finden, kann ja nicht schaden.
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