Seit 1990 im Einsatz: "Christoph Hansa" fliegt über Hamburg
Am Krankenhaus Hamburg-Boberg wurde am 2. Februar 1990 "Christoph Hansa" in Betrieb genommen. Der Rettungsflieger war damals der erste "Ambulanzhubschrauber" Deutschlands, er gehört zur Luftrettungsflotte des ADAC.
Er kommt, wenn es schnell gehen muss - und das mit bis zu 230 Kilometern pro Stunde. Sein Rufname: "Christoph Hansa". Sein Standort: das Berufsgenossenschaftliche Unfallkrankenhaus Boberg. Sein Einsatzgebiet: Hamburg und die weitere Umgebung. Der "Gelbe Engel" aus dem Südosten der Hansestadt hat Luftfahrtgeschichte geschrieben. Denn: "Christoph Hansa" war der erste Ambulanzhubschrauber in Deutschland, als er am 2. Februar 1990 in Dienst gestellt wurde. Er kommt zum Einsatz, wenn es darum geht, Patienten unter ärztlicher Begleitung von einer Klinik in eine andere zu verlegen.
Im Laufe der Jahre hat er aber in der Rettung immer mehr an Bedeutung gewonnen: Denn die Zahl der Unfälle nahm so stark zu, dass der orangefarbene Christoph 29 von der Bundespolizei am Bundeswehrstandort Wandsbek nicht alle Einsätze allein fliegen konnte. So werden mittlerweile mehr sogenannte Primäreinsätze als Verlegungsflüge geflogen.
Jeden Tag in Bereitschaft
Neben einem Piloten der ADAC-Luftrettung sind ein Notarzt und ein Rettungsassistent des Boberger Unfallkrankenhauses bei Einsätzen an Bord. "Christoph Hansa" ist täglich von 8 Uhr bis Sonnenuntergang in Einsatzbereitschaft. Alarmiert wird er von der Leitstelle Florian Hamburg, wenn ein Notarztfahrzeug nicht rechtzeitig zum Einsatzort kommen kann oder die Art einer Verletzung den Transport per Hubschrauber erforderlich macht. Als Träger tritt die Hamburger Innenbehörde in Erscheinung.
Fliegerisches Geschick ist gefragt
Das Fliegen und Landen in Hamburg verlangt höchstes Geschick. Pilot Ekkehard Folkerts, der den "Christoph Hansa" mehr 25 Jahre geflogen ist, sagt dem NDR 2025: "Auf einer Kreuzung zu landen, ist sicher riskanter als bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn, wo die Autobahn gesperrt ist."
Im Januar 1999 wurde "Christoph Hansa" zum Este-Sperrwerk Ein Bauarbeiter war bei Schweißarbeiten von einem Gerüst 13 Meter in die Tiefe gestürzt. Er wurde lebensgefährlich verletzt. Nur eine Treppe führte zu ihm. Die Rettung mit einem Kran hätte zu lange gedauert. Ekkehard Folkerts entschied sich zur Landung auf dem Elbgrund. Innerhalb weniger Minuten wurde der Bauarbeiter aus dem Schleusenbett gerettet und nach Boberg geflogen. "Letztendlich war es nicht so spektakulär, wie es aussieht. Wir sind auch nicht angekommen und da gleich runter. Sondern wir haben es uns das in aller Ruhe angeguckt und gesagt: 'Können wir machen'", beschreibt Folkerts die Situation damals.
Ein Name - mehrere Modelle
Der Name "Christoph Hansa" geht auf den heiligen Christophorus zurück, den Schutzpatron der Reisenden. Nach ihm tragen alle deutschen Rettungshubschrauber den BOS-Funk-Rufnamen "Christoph", gefolgt von einer Nummer bei Rettungshubschraubern und einer Bezeichnung zum Standort bei Intensivtransporthubschraubern.
Über die Jahre ist der Name "Christoph Hansa" immer geblieben. Seit 1990 kamen aber unterschiedliche Hubschraubermodelle zum Einsatz. Bis Mitte 1997 vertraute man auf das Helikopter-Modell Bölkow BO 105. Es wurde abgelöst von einer MD 900 Explorer bzw. einer MD 902 Explorer II, die in Boberg bis 2003 ihren Dienst verrichtete. Es folgte ein moderner und leiser Eurocopter EC 135. Alle drei Maschinen ist Ekkehard Folkerts geflogen. "Wir haben damals angefangen ohne GPS, ohne Navigation. Wir haben Karte und Kompass gehabt. Heute gibt man die Straße ins Navi ein wie beim Auto und das Ding fliegt hin", erinnert sich der ehemalige Pilot.
Notarzt kann per Winde abgesetzt werden
Seit Februar 2022 ist eine H145 D-2 im Einsatz. "Christoph Hansa" wurde im selben Jahr zusätzlich mit einer Rettungswinde ausgestattet, die zum Beispiel im Hafengebiet, über Wasser, bei großen Gebäuden oder unwegsamem Gelände zum Einsatz kommt. Außerdem kann mit ihrer Hilfe der Notarzt im engen Hamburger Stadtgebiet schnell abgesetzt werden.
Deutlich mehr als 1.000 Einsätze pro Jahr
Die Zahl der Einsätze hat sich seit 1990, als "Christoph Hansa" 234 Mal abhob, deutlich erhöht. So waren es 1992 mit 552 bereits mehr als doppelt so viele. Im Jahr 2000 wurde erstmals die 1.000er-Marke überschritten (1.207 Einsätze). Die bisher meisten Einsätze in einem Jahr wurden 2008 registriert, als "Christoph Hansa" 1.799 Mal gerufen wurde. 2022 kam es zu 1.320 Einsätzen, 2023 waren es 1.125.
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