Freilichtmuseum am Kiekeberg macht Alltagsgeschichte erlebbar
Das Freilichtmuseum in den Harburger Bergen nahe Hamburg will "Geschichte zum Anfassen" bieten. Alte Gehöfte, Mitmachaktionen und traditionelle Nutztiere sollen einen lebendigen Einblick in die Vergangenheit geben.
Mehr als 40 historische Gebäude aus der Zeit von 1600 bis in die 1950er-Jahre zeigen anschaulich, wie der Alltag der Menschen in der Lüneburger Heide und der Winsener Elbmarsch in früheren Zeiten aussah.
Schneeglöckchenmarkt und viele weitere Aktionstage
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Besonders lohnend ist ein Besuch an den Wochenenden, denn dann finden regelmäßig Veranstaltungen statt. Jeweils sonntags führen Mitarbeiter verschiedene Handwerkskünste vor und laden zum Mitmachen ein. Zusätzlich gibt es spezielle Aktionstage zu bestimmten Themen, etwa einen historischer Jahrmarkt, ein Oldtimer- und ein Traktorentreffen oder verschiedene Kunsthandwerker- und Pflanzenmärkte.
So lädt das Freilichtmuseum am 1. und 2. März zu den Schneeglöckchentagen ein. An rund 20 Ständen finden Hobbygärtner ein großes Sortiment der zarten Frühblüher. Jeweils um 11 und 14 Uhr berichtet Museumsgärtner Matthias Schuh Wissenswertes zu den verschiedenen Züchtungen, Kinder können bunte Blumenbilder filzen.
Rundgang zu historischen Gehöften aus verschiedenen Regionen
Einblicke in die verschiedenen Facetten des Landlebens in Norddeutschland vermittelt ein Rundgang über das Gelände. In dem aus insgesamt 17 historischen Gebäuden nachgebauten Heidedorf können Besucher unter anderem ein Backhaus, einen Schafstall und eine Schmiede erkunden. Das Häuslingshaus aus dem Jahr 1820 mit seinem kargen Mobiliar vermittelt dabei einen Eindruck von der Härte und Einfachheit des Alltags der Kleinbauern und Tagelöhner in der Lüneburger Heide. Etwas komfortabler sah das Leben der Bewohner des Wagnerschen Hauses in der fruchtbaren Winsener Marsch aus: Kacheln oder Tapeten an den Wänden sowie eine klarere Trennung von Wohn- und Stallbereich zeugen von dem relativen Wohlstand der früheren Bewohner.
Schweine, Schafe, Hühner und Ziegen bevölkern die Ställe
Zu den Zielen des Museums gehört auch die Bewahrung alter Haustierrassen. Daher bevölkern Bunte Bentheimer Schweine, Bentheimer Landschafe, weiße Hausziegen, Schwarzbuntes Niederungsrind, Pommersche Gänse und Ramelsloher Hühner die Gärten und Ställe der historischen Bauernhöfe. Viele dieser alten Nutztierrassen sind heute vom Aussterben bedroht.
"Königsberger Straße" zeigt den Dorfalltag der 1950er-Jahre
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Auch die jüngere dörfliche Geschichte findet auf dem zwölf Hektar großen Freigelände ihren Platz. In dem Straßenzug "Königsberger Straße" geben eine Tankstelle aus den 1950er-Jahren, eine rekonstruierte historische Ladenzeile, ein Flüchtlingssiedlungshaus sowie ein Fertighaus aus dem Katalog des Versandhändlers Quelle einen Eindruck vom dörflichen Leben in der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit.
Agrarium und weitere Ausstellungen
Mehrere Ausstellungen vermitteln tiefere Einblicke in die historische Entwicklung des dörflichen Lebens in Norddeutschland. So präsentiert das Agrarium in einem modernen Neubau die Themen Ernährung und Landwirtschaft im Wandel der Zeiten. Insbesondere Liebhaber alter landwirtschaftlicher Maschinen kommen hier auf ihre Kosten. Highlights für Kinder sind ein Mähdrescher-Simulator und eine lebensgroße Plüschkuh, die darauf wartet, gemolken zu werden.
Weitere Ausstellungen beleuchten die Veränderungen der Handwerksberufe im Laufe der vergangenen zwei Jahrhunderte, die Veränderungen der kindlichen Spielwelten im Verlauf des 20. Jahrhunderts und den Alltag der Nachkriegszeit in der jungen Bundesrepublik.
Wasserspielplatz für Kinder und Hofladen
Kinder können sich auf drei Spielplätzen austoben. Ein Muss an heißen Sommertagen ist dabei der Wasserspielplatz: Dort können sie sich an einem Tau per Floß über ein Wasserbecken ziehen lassen. Ein Pilzkiosk aus den 1950er-Jahren sorgt für Verpflegung, Picknickbänke laden zu einer Rast ein.
Regionale Produkte aus den Museumsgärten verkauft der museumseigene Hofladen, das Restaurant "Stoof Mudders Kroog" serviert norddeutsche Gerichte.
Feuerwehrmuseum, Mühle und Stellmacherei: Die Außenstellen des Freilichtmuseums
Zum Freilichtmuseum am Kiekeberg gehören auch verschiedene Außenstellen, die noch an ihren ursprünglichen Orten in der Nordheide stehen. So befindet sich in Wennerstorf ein Museumsbauernhof, der ökologische Landwirtschaft betreibt, im Dorf Langenrehm gibt eine Museumsstellmacherei Einblicke in das alte Handwerk der Wagen- und Radherstellung. Weitere Außenstellen sind das Feuerwehrmuseum Marxen sowie das Mühlenmuseum in Moisburg mit einer voll betriebsfähigen Wassermühle.
Karte: Hier liegt das Museum Kiekeberg
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