Bauerntag MV: Landwirte fordern neuen Kurs in Agrarpolitik
Beim Bauerntag in Mecklenburg-Vorpommern diskutieren Landwirte über die künftige Agrarpolitik und ihre Forderungen an die neue Bundesregierung. Ackerbau, Bürokratie und Tierhaltung seien einige von vielen Baustellen, die endlich angegangen werden müssten, so die Delegierten.
Der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern fordert von der neuen Bundesregierung einen Kurswechsel in der Agrarpolitik. "Es ist höchste Zeit zum Handeln", mahnte Bauernpräsident Karsten Trunk beim Bauerntag in Linstow (Landkreis Rostock) mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD.
Rückgang der Nutztierhaltung entgegenwirken
Viele bekannte Probleme seien lange bekannt, aber noch immer nicht gelöst, so Trunk mit Blick auf Reizthemen wie überbordende Bürokratie, steigende Energiekosten, Düngemittelpreise sowie schließende Schlachthöfe. Auch dem Rückgang der Nutztierhaltung müsse dringend entgegengewirkt werden. Sinken die Schweine- und Rinderbestände, müssten Schlachthöfe und Molkereien schließen, so der Bauernverbandspräsident. Von dem, was bisher aus den Koalitionsverhandlungen durchgesickert sei, seien noch keine agrarpolitischen Leitplanken einer künftigen Regierung erkennbar, so Trunk.
Kritik an Agrardiesel-Vergünstigungen und Mindestlohn-Plänen
Auch die Zusage zu den Agrardiesel-Vergünstigungen sei nicht ausreichend, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Landwirtschaft zu gewährleisten. Kritik geübt wurde auch an den Mindestlohn-Plänen von Union und SPD. Erntehelfer aus dem Ausland verlangten gar keinen Mindestlohn, außerdem könne man diese Kosten auch nicht stemmen, so Trunk.
"Wenn nicht Einhalt geboten wird, geht es mit den Sonderkulturen im ländlichen Raum bergab." Union und SPD hatten sich in ihrem Sondierungspapier auf einen möglichen Mindestlohn von 15 Euro von 2026 an geeinigt.
Attraktivität der ländlichen Räume erhöhen
Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) versicherte den Delegierten in Linstow, dass es Ziel bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin sei, die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft und die Attraktivität der ländlichen Räume als Wohn- und Arbeitsort zu verbessern. "Wir brauchen eine solide ausgestattete Agrarpolitik", so der Minister.
Backhaus stellt Energiesteuer-Vergünstigungen in Aussicht
Neben der Wiedereinführung der Agrardiesel-Subventionen stellte Backhaus den Landwirten die Befreiung alternativer Kraftstoffe in der Land- und Forstwirtschaft von der Energiesteuer in Aussicht. Auch die vieldiskutierte Verordnung zur Stoffstrombilanz soll ersatzlos gestrichen werden und für weniger Bürokratie sorgen, sagte er. Die Maßnahmen sollen bereits in den ersten 100 Tagen nach Bildung der neuen Bundesregierung umgesetzt werden, kündigte Backhaus an.
Bauern wollen vereinfachte Antragsverfahren und weniger Bürokratie
Beim Thema Bürokratieabbau erwarten die Landwirte ein Umdenken der zukünftigen Koalitionäre in Berlin. Erste Signale, etwa zu einem vereinfachten Antragsverfahren oder zur Abschaffung doppelter Meldungen und Aufzeichnungspflichten, seien bereits vernommen worden. "Hier können schon kleine Schritte Entlastung für uns Landwirte bringen", sagte Trunk.
In Linstow werden die Gewinnerinnen und Gewinner des Landesentscheides eines Berufswettbewerbes für junge Land- und Tierwirte geehrt. Wahlen stehen nicht an. Im März 2024 war ein neuer Vorstand gewählt worden, Präsident des Bauernverbandes ist seitdem Karsten Trunk, der nun seinen ersten Rechenschaftsbericht vorlegt. Der Bauernverband des Landes hat insgesamt etwa 2.000 Mitglieder.
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