Trump-Politik: Folgen für die Forschung in Mecklenburg-Vorpommern
Klimawandel, Medizin, Meeresforschung, Virusdiagnostik: Für diese und weitere Themen arbeitet die Wissenschaft in Mecklenburg-Vorpommern eng mit den USA zusammen. Doch die massiven Kürzungen in der amerikanischen Forschung machen sich auch hier bemerkbar.
Kürzungen in Milliardenhöhe, Entlassungen bei US-Bundesbehörden: Auch Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern bekommen zu spüren, dass die Trump-Regierung vielen Bereichen der Wissenschaft den Kampf angesagt hat, zum Beispiel bei der Zusammenarbeit in internationalen Räten. "Wir organisieren eine Konferenz in Wien, bei der auch Amerikaner die Sitzungen mit leiten", sagt Prof. Hans Burchard, physikalischer Ozeanograph am Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). "Nun hab ich gerade gehört, dass in einer Sitzung zwei Amerikaner fehlen, weil sie ihre Reisegenehmigung nicht bekommen haben, was sonst immer komplett selbstverständlich war. Da geht ganz viel kaputt", so Burchard weiter. Er forscht an Gebieten, in denen Salz- und Süßwasser aufeinander treffen, und ist dafür auch auf den wissenschaftlichen Austausch mit amerikanischen Kollegen angewiesen.
Wissenschaft nur international möglich
"Wissenschaft ist ohne internationale Zusammenarbeit überhaupt nicht mehr denkbar", sagt der Dekan und wissenschaftliche Vorstand der Unimedizin Greifswald, Prof. Karlhans Endlich. Die Folgen der neuen US-Politik bekommt auch er in internationalen Gremien zu spüren. In einem sei zuletzt nicht über Patienten gesprochen worden, wie es üblich sei, sondern "über eine in Amerika arbeitende Expertin aus Libanon, die nach einem privaten Besuch bei ihrer Verwandtschaft nicht mehr ins Land gelassen wurde". Die Veränderungen in der Zusammenarbeit beschreibt Endlich als einen "schleichenden Prozess". Ob und inwiefern das auch Auswirkungen auf zum Beispiel die Krebsforschung in Greifswald haben wird, sei noch nicht abzusehen.
Kürzungen bei USAID behindern Forschung in Rostock
Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock berechnet unter anderem, wie viele Menschen auf der Erde leben - und wie sich diese Zahl in den kommenden Jahren entwickeln wird. Das wird nun aber laut dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Jonas Schöley deutlich schwieriger und womöglich ungenauer, denn: Die Daten, die er dafür braucht, wurden bis dato von der Entwicklungsbehörde USAID erhoben - einer Organisation, die quasi aufgelöst wurde. Bevölkerungszahlen und Prognosen dienen zum Beispiel als Grundlage, um den Ressourcenverbrauch auf der Erde zu berechnen oder Entscheidungen in der Entwicklungspolitik zu treffen.
Amerikanische Datenbanken von großer Bedeutung
In vielen Forschungsbereichen greifen hiesige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf amerikanische Datenbanken zurück. Dass diese durch die vielen Entlassungen in den USA möglicherweise bald nicht mehr in gewohnter Qualität gepflegt werden können, bereitet vielen Sorgen. Manche Institute versuchen, Sicherungskopien von amerikanischen Messdaten anzulegen, falls diese bald nicht mehr zugänglich sein sollten. Ein positives Beispiel bietet aber die Ostseeforschung: Noch vor einigen Jahren habe es in diesem Bereich nicht eine einzige gute europäische Datenbank gegeben, sagt Ostseeforscher Prof. Markus Meier vom IOW. Aber mithilfe der Copernicus-Dienste seien Mess- und Forschungsdaten europäischen Ländern inzwischen sehr gut zusammengetragen worden. "Das war in den letzten Jahren sehr erfolgreich und darum benutzen wir sie mehr und mehr und sogar fast ausschließlich", so Meier.
Chance für Forschungsstandorte in Europa?
Viele Institute in Norddeutschland rechnen damit, dass sich amerikanische Forscherinnen und Forscher bei ihnen bewerben werden, weil sie in den USA momentan keine Perspektive für ihre Arbeit sehen. Inwiefern womöglich weiteren Chancen in den Entwicklungen stecken, das ist Thema der neuen Podcast-Folge von MV im Fokus: "Forschung in MV: Welche Folgen hat Trumps Bildungspolitik?", zu hören hier auf ndr.de/mv, in der ARD Audiothek und überall, wo es Podcasts gibt. Moderatorin Annette Ewen und Reporterin Melanie Jaster sprechen auch darüber, welche Herausforderungen es aktuell in der Virusforschung gibt und wie sich Wettervorhersagen durch fehlende amerikanische Messdaten verändern könnten.
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hatten wir US-Vizepräsident James David Vance die Aussage "The Professors are the Enemy" zugeschrieben. Die Aussage stammt vom früheren US-Präsidenten Richard Nixon, Vance hat sie lediglich in einer Rede zitiert. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.
