Trump-Politik: Folgen für die Forschung in Mecklenburg-Vorpommern

Stand: 03.04.2025 10:43 Uhr

Klimawandel, Medizin, Meeresforschung, Virusdiagnostik: Für diese und weitere Themen arbeitet die Wissenschaft in Mecklenburg-Vorpommern eng mit den USA zusammen. Doch die massiven Kürzungen in der amerikanischen Forschung machen sich auch hier bemerkbar.

von Melanie Jaster

Kürzungen in Milliardenhöhe, Entlassungen bei US-Bundesbehörden: Auch Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern bekommen zu spüren, dass die Trump-Regierung vielen Bereichen der Wissenschaft den Kampf angesagt hat, zum Beispiel bei der Zusammenarbeit in internationalen Räten. "Wir organisieren eine Konferenz in Wien, bei der auch Amerikaner die Sitzungen mit leiten", sagt Prof. Hans Burchard, physikalischer Ozeanograph am Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). "Nun hab ich gerade gehört, dass in einer Sitzung zwei Amerikaner fehlen, weil sie ihre Reisegenehmigung nicht bekommen haben, was sonst immer komplett selbstverständlich war. Da geht ganz viel kaputt", so Burchard weiter. Er forscht an Gebieten, in denen Salz- und Süßwasser aufeinander treffen, und ist dafür auch auf den wissenschaftlichen Austausch mit amerikanischen Kollegen angewiesen.

Wissenschaft nur international möglich

"Wissenschaft ist ohne internationale Zusammenarbeit überhaupt nicht mehr denkbar", sagt der Dekan und wissenschaftliche Vorstand der Unimedizin Greifswald, Prof. Karlhans Endlich. Die Folgen der neuen US-Politik bekommt auch er in internationalen Gremien zu spüren. In einem sei zuletzt nicht über Patienten gesprochen worden, wie es üblich sei, sondern "über eine in Amerika arbeitende Expertin aus Libanon, die nach einem privaten Besuch bei ihrer Verwandtschaft nicht mehr ins Land gelassen wurde". Die Veränderungen in der Zusammenarbeit beschreibt Endlich als einen "schleichenden Prozess". Ob und inwiefern das auch Auswirkungen auf zum Beispiel die Krebsforschung in Greifswald haben wird, sei noch nicht abzusehen.

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Amerikanische Datenbanken von großer Bedeutung

In vielen Forschungsbereichen greifen hiesige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf amerikanische Datenbanken zurück. Dass diese durch die vielen Entlassungen in den USA möglicherweise bald nicht mehr in gewohnter Qualität gepflegt werden können, bereitet vielen Sorgen. Manche Institute versuchen, Sicherungskopien von amerikanischen Messdaten anzulegen, falls diese bald nicht mehr zugänglich sein sollten. Ein positives Beispiel bietet aber die Ostseeforschung: Noch vor einigen Jahren habe es in diesem Bereich nicht eine einzige gute europäische Datenbank gegeben, sagt Ostseeforscher Prof. Markus Meier vom IOW. Aber mithilfe der Copernicus-Dienste seien Mess- und Forschungsdaten europäischen Ländern inzwischen sehr gut zusammengetragen worden. "Das war in den letzten Jahren sehr erfolgreich und darum benutzen wir sie mehr und mehr und sogar fast ausschließlich", so Meier.

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03.04.2025 14:43 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hatten wir US-Vizepräsident James David Vance die Aussage "The Professors are the Enemy" zugeschrieben. Die Aussage stammt vom früheren US-Präsidenten Richard Nixon, Vance hat sie lediglich in einer Rede zitiert. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

 

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NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 03.04.2025 | 06:00 Uhr

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