Cover des Albums "Perspectives concertantes" von Anaëlle Tourret © Label Es Dur

Erstes Harfenkonzert in der Elphi: Anaëlle Tourret macht's möglich

Stand: 27.02.2025 14:50 Uhr

Die Französin Anaëlle Tourret ist Solo-Harfenistin des NDR Elbphilharmonie Orchesters. Nach ihrem Debüt-Album erscheint nun "Perspectives concertantes" - mit einer Premiere: die erste Aufnahme eines Harfenkonzerts in der Hamburger Elbphilharmonie.

von Stephan Sturm

Es ist ein wahrer Klassiker, ein unverzichtbares Werk für jede Harfensolistin und jeden Harfensolisten: das 1938 komponierte Harfenkonzert des in der Ukraine geborenen Komponisten Reinhold Gliére. Noch tief in der Spätromantik verwurzelt, schlägt es gleichsam eine Brücke zur Moderne.

Für Anaëlle Tourret ist es das ideale Werk, die Harfe in all ihren Facetten zu zeigen. "Harfe ist eines der ältesten Instrumente", erzählt die Musikerin. "Sie ist aber auch sehr modern, genau wie dieses Konzert. Man denkt viel zum Beispiel an Johannes Brahms, in der Art, wie die Variationen im zweiten Satz geschrieben wurden." Aufgenommen hat sie das Stück mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester und dem Dirigenten Vasily Petrenko.

Debussys "Danse sacrée": Extra für chromatische Harfe entwickelt

34 Jahre vor Gliéres Harfenkonzert hat der Franzose Claude Debussy seine "Danse sacrée et danse profane" komponiert, extra für die damals neu entwickelte chromatische Harfe. Debussy wollte, dass seine Musik von der ersten Note an berührt, und nahm sich Pierre Jamet zu Hilfe. Zu seinen Schülern gehörte Nicolas Tulliez, und der war wiederum Anaëlle Tourrets Lehrer.

Debussys und Jamets wichtige Antworten auf schwere Fragen erfährt sie somit aus zweiter Hand: "Wie spielt man die Harfe? Wie nimmt man eine Saite? Wie kann man denken, dass man einen Bogen hat, wenn man Harfe spielt, denn wir haben keinen Bogen, wir haben auch kein Klavierpedal. Wenn man eine Saite zupft, ist es wie ein Pizzicato. Wir haben nur eine Chance, und dann ist der Klang schon vorbei."

Entdeckungen und bestmögliche Klangerlebnisse

Eine wahre Entdeckung dieses Albums ist das Concertino für Harfe und Orchester des ungarischen Komponisten Ernst von Dohnányi. 1952 komponiert, wirkt es wie ein verträumter Rückblick auf eine vergangene Epoche. Dabei übernimmt die Harfe nicht die klassische Solorolle, sondern tritt in einen Dialog auf Augenhöhe hier mit dem Stuttgarter Kammerorchester unter der Leitung der israelischen Dirigentin Bar Avni, erklärt Tourret: "Dohnányi hat dieses Stück ganz am Ende seines Lebens geschrieben. Er kennt die Grenzen jedes Instruments sehr gut, und er mag es, bis zu diesen Grenzen zu gehen."

Auch klanglich bietet das Album eine neue Perspektive. Denn bei der Aufnahme wurde die Harfe - nicht wie üblich vor dem Orchester, sondern mitten hinein positioniert. Für Anaëlle Tourret der ideale Platz, um ein bestmögliches Klangergebnis zu erreichen: "Ich war in der Mitte des Orchesters. Nicht vorn wie in einem normalen Konzertsituation. Wir waren wirklich im Studio, es hat wirklich Sinn gemacht, weil wir eine Einheit waren."

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Perspectives concertantes

Genre:
Klassik
Label:
Es-Dur

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Der Nachmittag | 27.02.2025 | 14:40 Uhr

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Klassik

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