Schottergärten in SH: Verboten, aber immer noch da
Viel Stein und wenig Grün. Eine überwiegend tote Fläche, die kaum Wasser aufnimmt. So ein Schottergarten müsste eigentlich umgestaltet werden - doch um das zu kontrollieren, fehlt es vielen Bauaufsichten an Personal.
Die Rechtslage in Schleswig-Holstein ist eindeutig: Laut § 8 Absatz 1 Satz 1 der Landesbauordnung müssen nicht überbaute Flächen auf bebauten Grundstücken wasseraufnahmefähig bleiben oder hergestellt werden.
Außerdem sind diese Flächen zu begrünen oder zu bepflanzen, soweit dem keine andere zulässige Verwendung entgegensteht. Ein Zuweg zum Haus oder eine Auffahrt sind also in Ordnung, aber Schottergärten, bei denen große Teile des Bodens mit Steinen bedeckt und mit Folie unterlegt werden, verstoßen gegen diese Vorschrift.
Unterschied zwischen Schottergarten und Steingarten
Von einem Schottergarten ist die Rede, wenn es sich um eine Fläche handelt, die kaum oder gar nicht bepflanzt ist und der Boden so abgedeckt ist, dass Wasser nur schwer im Boden versickern kann. Steingärten oder Kiesbeete hingegen bilden eine naturnahe Gartenform. Hier wird gezielt ein Lebensraum für trockenheitsliebende Pflanzen angelegt. Steingärten fördern die Biodiversität durch vielfältige Pflanzenwahl und bieten Insekten Nahrung und Lebensraum - im deutlichen Gegensatz zum ökologisch weitgehend toten Schottergarten.
Verbot klar im Gesetz - warum gibt's noch so viele Schottergärten?
Die zentrale Frage bleibt: Wenn Schottergärten verboten sind, warum sieht man sie dann noch in Vorgärten? Ein Hauptgrund liegt in der mangelnden Kontrolle. Zuständig für die Überwachung sind die unteren Bauaufsichtsbehörden. In Schleswig-Holstein gibt es davon insgesamt 35. Doch diese Behörden stoßen an ihre Grenzen.
Wenig Personal bei der Bauaufsicht
Auf Nachfrage von NDR SH erklären mehrere von ihnen, dass die begrenzten Kapazitäten oft anderweitig gebraucht würden. So erklärt zum Beispiel die Stadt Neumünster, dass der vorhandene Personalschlüssel zur Bearbeitung von baurechtlichen Verstößen sehr gering sei, wodurch eine Priorisierung der Fälle von Ordnungswidrigkeit erforderlich werde. Dabei hätten Verstöße mit Gefahrenpotential stets Vorrang.
So halten es auch Flensburg und Husum. Die untere Bauaufsicht ist für die Überwachung und Genehmigung aller Bauvorhaben in einem Kreis oder einer Stadt zuständig. Dazu gehören auch der Brandschutz und andere Sicherheitsvorschriften.
Aufklärung statt Strafe
Statt auf strikte Kontrollen setzen viele Kommunen daher auf Information und Prävention. Zahlreiche Behörden verteilen Informationsflyer und hoffen, durch Aufklärung die Bevölkerung zu sensibilisieren. Das Ziel: Es sollen keine weiteren Schottergärten entstehen. Der Pressesprecher der Stadt Flensburg erklärt dazu auf Anfrage von NDR SH: "In einem ersten Schritt versuchen wir in der Regel, an die Vernunft der Menschen zu appellieren."
Besonders bei der Planung von Neubaugebieten wird deshalb schon früh darauf hingewiesen, dass Schottergärten verboten sind. In Husum hatte die Bauaufsicht einige Schottergärten ausfindig gemacht. Dem Hinweis, diese bitte zurückzubauen, seien einige Anwohner nachgekommen. Andere noch nicht. Eine abschließende Erhebung stehe noch aus, so die Pressestelle.
Förderprogramm gegen Schottergärten kaum genutzt
Weshalb selbst kleine Schotterflächen zum Problem werden können zeigt sich in der Gemeinde Oststeinbek im Kreis Stormarn. Der Ort hatte bei Starkregen immer wieder mit Überschwemmungen zu kämpfen. Deshalb hat die Gemeinde ein Förderprogramm aufgelegt. Anwohner können bis zu 1.000 Euro bekommen, wenn sie Schottergärten zu Blumenbeeten machen, in denen das Wasser besser versickern kann. Allerdings: Kaum jemand hat das Geld bisher beantragt, erklärt Alex Kugenberg von der Gemeindeplanung Oststeinbek. "Bislang wurde das gar nicht so angenommen, wie wir uns das erhofft hatten. Im letzten Jahr hatten wir vier Förderanträge, die auch bewilligt werden konnten. Also wir haben letztes Jahr 4.000 Euro gefördert. In diesem Jahr wurde noch kein Förderantrag gestellt." Kugenbergs vermutet, dass viele sich bewusst für einen Schottergarten entschieden haben.
Trendwende im Vorgarten
Der BUND SH begrüßt die Anstrengungen die bereits unternommen werden. Uneinsichtige Gartenbesitzer erreiche man aber nur durch strenge Kontrollen und die seien kaum durchsetzbar.
Auf Nachfrage betont der BUND, dass die Vermeidung von Schottergärten genauso wichtig sei, wie andere bauliche Vorschriften. "Durch den Klimawandel haben wir gerade in den Städten die Ausprägung der Hitzeinsel, eine fehlende Versickerung der Regenfälle und wir sehen doch ganz klar den Artenverlust. Auch scheinbar kleine Flächen haben in deren Gesamtheit negative Auswirkungen", sagt BUND SH Vorstandmitglied Marina Quoirin-Nebel. "Immerhin scheint der Trend zu den Steinwüsten gestoppt."
Der trügerische Traum vom pflegeleichten Garten
Manche Hausbesitzer entscheiden sich aber trotzdem noch für einen Schottergarten - oft in der Hoffnung auf einen pflegeleichten Vorgarten. "Nur auf den ersten Blick scheint das bei Schottergärten der Fall zu sein", erklärt ein Gartenexperte. Doch der Schein trügt.
Tatsächlich machen auch Schottergärten mit der Zeit eine Menge Arbeit: Laub lässt sich zwischen den Steinen nur schwer beseitigen. Dadurch bildet sich nach und nach etwas Humus. Genug, damit sich Unkraut zwischen den Steinen ansiedeln kann. "Was dann folgt, ist mühevolle Handarbeit. Das Unkraut muss einzeln gezupft werden, was deutlich arbeitsaufwendiger ist als das gelegentliche Mähen einer Rasenfläche", so der Fachmann.
Alternativen zum Schottergarten
Für Hausbesitzer, die ihren Schottergarten umgestalten möchten, gibt es durchaus attraktive Alternativen. Experten empfehlen: Den Schotter beiseite räumen, die Folie oder das Vlies entfernen und dann trockenheits- und wärmeliebende Pflanzen einsetzen. Lavendel ist hierzu gut geeignet, aber auch Kräuter wie Rosmarin oder Thymian. Die Steine können anschließend dekorativ um die Pflanzen verteilt werden. Diese naturnahe Gestaltung hat gleich mehrere Vorteile: Sie bietet Insekten Nahrung, ist tatsächlich pflegeleichter als ein reiner Schottergarten und sieht dabei noch ansprechender aus.
Kühles Grün statt heißem Stein
Am Ende profitieren vor allem die Bewohner selbst von einem begrünten Garten. Während sich Schotterflächen im Sommer stark aufheizen und damit auch das Mikroklima rings um das Haus negativ beeinflussen, haben bepflanzte Gärten einen kühlenden Effekt. "Ein begrünter Garten speichert Feuchtigkeit und verhindert, dass sich die Umgebung zu schnell aufheizt", erklärt ein Landschaftsbauer. "Gerade bei den zunehmend heißen Sommern wird dieser Effekt immer wichtiger - nicht nur für die Umwelt, sondern auch für das eigene Wohlbefinden."
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