Neue Regelungen: Mehr Schutz für Kegelrobben in der Ostsee

Stand: 25.02.2025 12:59 Uhr

Ab März gelten landesweit in MV neue Vorgaben für die Reusenfischerei. Fischerei- und Umweltminister Backhaus (SPD) will mit dieser Sofortmaßnahme Kegelrobben stärker schützen.

Mecklenburg-Vorpommerns Fischerei- und Umweltminister Till Backhaus hat eine Sofortmaßnahme zum Schutz von Kegelrobben erlassen. Ab März dürfen genehmigungspflichtige Reusen nur noch mit speziellen Schutzvorrichtungen aufgestellt werden. Dies soll verhindern, dass Robben in die Fanggeräte geraten und dort verenden. Bislang galt diese Regelung nur für den Greifswalder Bodden, wo besonders viele Kegelrobben leben.

Ein notwendiger Schritt für den Artenschutz

Das Modell einer Robbenschutzreuse. © NDR/David Pilgrim Foto: NDR/David Pilgrim
Das Modell einer Robbenschutzreuse: Entscheidend ist die eingebaute T-förmige Netzführug vor der Falle, die verhindert, dass Robben hindurchschwimmen.

Kegelrobben gehören zu den größten Raubtierarten der Ostsee und sind in Deutschland streng geschützt. Dennoch kommt es immer wieder zu tragischen Zwischenfällen, bei denen sich die Tiere in Fischereigeräten verfangen und qualvoll sterben. Besonders in der Region um Südost-Rügen wurde im vergangenen Herbst ein erhöhtes Aufkommen toter Kegelrobben registriert. Diese Funde veranlassten die Behörden nun zum Handeln.

Robbenschutz wird ausgeweitet

Ab März dürfen Reusen nur noch mit speziellen Robbenschutzvorrichtungen aufgestellt werden. Diese neue Vorschrift erstreckt sich nun auf das gesamte Küstengebiet Mecklenburg-Vorpommerns und ist nicht mehr auf den Greifswalder Bodden beschränkt. Judith Denkinger vom Deutschen Meeresmuseum Stralsund hält die neuen Reusen für sehr sinnvoll: "Für die Fischerei ist es eine recht umweltfreundliche Methode. Dadurch, dass sie weniger Beifang verursachen als andere Fischereimethoden." Fischereibetriebe wurden bereits durch die obere Fischereibehörde über die neuen Vorgaben informiert. Mit dieser Maßnahme sollen die Kegelrobben geschützt werden, um nicht als möglicher Beifang in den Netzen zu landen.

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Drei Kegelrobben liegen am Strand der © IMAGO / Panthermedia

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Hintergrund der Maßnahme

Im Herbst 2024 wurden mehr als 40 tote Kegelrobben in der Ostsee vor Rügen entdeckt. Die genaue Todesursache ist unklar. Eine untersuchte Großreuse konnte bislang nicht als Ursache ermittelt werden. Minister Backhaus erklärte jedoch, dass ungeachtet der Beweislage die Fischerei ein Interesse daran haben sollte, ihr Image nicht durch Vorfälle dieser Art zu belasten. "Wir sollten vorsorglich Maßnahmen ergreifen, um das Schutzniveau für Robben zu erhöhen", so Backhaus.

Nachhaltige Lösung ab 2026

Fischerei- und Umweltminister Backhaus betonte, dass die Sofortmaßnahme bis 2026 durch eine permanente und nachhaltig wirksame Regelung ersetzt werden soll. Das Ministerium arbeitet bereits an langfristigen Lösungen, um sowohl den Schutz der Kegelrobben als auch die wirtschaftlichen Interessen der Fischerei in Einklang zu bringen. Die neuen Vorschriften sollen langfristig dazu beitragen, die Population der streng geschützten Kegelrobben zu erhalten und den negativen Einfluss der Fischerei auf diese bedrohte Art zu minimieren. Beim letzten Monitoring von Kegelrobben wurden laut Denkinger 200 Tiere an der gesamten Küste von Mecklenburg-Vorpommern gezählt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 25.02.2025 | 15:00 Uhr

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