Hörspiel "Taormina": Höllentrip in das Innere einer Ehe
Der Sizilienurlaub soll ihre Ehe retten, doch dann passiert ein Unfall – und die Reise wird zum Albtraum. Darum geht es in Yves Raveys jüngstem Roman "Taormina", der 2023 erschienen ist. Der NDR hat daraus nun ein Krimi-Hörspiel gemacht, mit Oliver Wnuk und Odine Johne in den Hauptrollen. Ab 26. März in der ARD Audiothek.
Melvil und Luisa sind gerade auf Sizilien angekommen. Luisa hatte ihn betrogen, aber das wird gedeckelt. Alles soll gut werden, endlich.
Melvil Erzähler: Die Vorstellung, dass nun eine Woche Ferien auf Sizilien für uns begannen, wärmte mir das Herz.
Melvil: Wieso machen die bei der Autovermietung nur einen einzigen Schalter auf?!
Melvil Erzähler: So vergaß ich, wie Luisa und ich die letzte Zeit miteinander verbracht hatten, als wir kurz vor der Trennung standen.
Ehestreit-Impro im Hörspielstudio
Oliver Wnuk und Odine Johne spielen dieses Paar. Den Streit, das Piesacken, lässt Regisseur Wolfgang Seesko die beiden im Hörspielstudio immer wieder improvisieren. Ist Impro Stress oder Spaß? Oliver Wnuk lacht: "Kommt auf die Partner an." Odine Johne ergänzt: "Ich mag es total gerne, vor allem wenn man es schafft, sich nicht so in die Breite auszudehnen und ganz viel zu sagen, sondern kurze Sätze sagen, sich zuzuhören. Das finde ich so das Schwerste, dass man das kondensiert und nicht ewig labert."
Fahrerflucht in Strandnähe

Luisa ist schön, erfolgreich und kommt aus reichem Haus, Melvil ist arbeitslos, ein Vermeider, dessen Wunsch, Luisa zu gefallen, sich mit unterdrückter Wut abwechselt. "Die Ehe ist so angespannt", sagt Odine Johne, "und jeder Schritt könnte ins Feuer führen, und man muss genau wählen, was man sagt. Und gleichzeitig gibt es zumindest von Luisas Seite aus eine Freude daran, ihn zu provozieren und genau dann ins Feuer zu treten." Und als Melvil falsch abbiegt, um Luisa einen Strandbesuch zu ermöglichen--, passiert etwas, das alles verändert:
Luisa: Wäre es vielleicht besser gewesen, wenn du die Autobahn nicht bei der erstbesten Gelegenheit verlassen hättest? Sondern eine richtige Ausfahrt abgewartet hättest? Jedenfalls wären wir nicht auf so eine Matsch-Piste geraten. Jedes mal, wenn du….
AUFPRALL, ZUSAMMENSTOSS, SCHOCKSTILLE
Luisa: Du bist mit etwas zusammengestoßen. Halt an!
Melvil hält nicht an. Und kurz darauf lesen die beiden in der Zeitung, dass ein Kind angefahren wurde, aus einem Camp für Geflüchtete. Melvil überredet die zögernde Luisa: Anstatt zur Polizei gehen sie zu einer Werkstatt, um den Schaden am Auto zu reparieren und alles zu vertuschen.
Erpressung durch die Werkstatt
Oliver Wnuk sagt über den Melvil, den er leise spielt, mit kurzen, umso heftigeren Ausbrüchen: "In erster Linie will er sich schützen, will überleben. Sein Ego ist wahrscheinlich ganz weit vor seinem Bewusstsein, und das möchte er schützen." Doch der Plan geht schief. Die Werkstatt verzögert die Reparatur, verlangt immer mehr Geld und warnt schließlich:
Werkstattbesitzer Michelini: Die Polizei sucht sie. Wenn Sie im Hotel bleiben, haben Sie keine Chance.
Melvil: Einverstanden, aber wohin gehen wir dann?
Michelini: Garantieren Sie mir, dass ich alles einleiten kann, um Sie dort herauszuholen?
Melvil Erzähler: Ich sprach von Geld, das einzige Wort, das er sofort verstand. Gefolgt von dem Wort Cash, und Kreditkarte. Ich ließ auch durchblicken, dass es ein extra Konto meiner Frau gab, welches einen nicht unerheblichen Wert einschloss.
Anspielung auf allgemeine Tatenlosigkeit
Die Schlinge zieht sich immer enger zu. Für Odine Johne ist das Spannende an der Geschichte, "dass man nicht weiß: haben sie überhaupt den Unfall begangen und müssen sie wirklich dieses Land verlassen? Oder sind da einfach Leute, die merken, da haben Leute ein unglaublich schlechtes Gewissen – und die kann man sehr gut ausnehmen."
Taormina ist ein Höllentrip in das Innere einer dysfunktionalen Ehe. Mit einer weitaus größeren gesellschaftlichen Dimension. Odine Johne hatte beim Lesen von Wolfgang Seeskos Bearbeitung des französischen Romans, der für die drei wichtigsten französischen Literaturpreise nominiert war, das Gefühl, "dass es fast so etwas Satirisches hat. Wie so eine Metapher auf das, was wir auch im Größeren machen. Natürlich haben wir selber keine Geflüchteten angefahren, das ist nochmal was anderes, wenn man so einen toten Körper liegenlässt und sagt, ich rette mein eigenes Leben und meinen eigenen Komfort. Aber in der Metapher passiert es natürlich: wir leben weiter, auch wenn wir wissen, dass Menschen ertrinken." "Taormina" - ein bitterböses Hörspiel, das nachhallt.
