Cover: "Tokyo dieser Tage" von Taiyo Matsumoto und "Thomas Mann - 1949" von Julian Voloj, Friedhelm Marx, Magdalena Adomeit und "Die Alten Knacker - 8 Die kleinen Strolche" von Wilfrid Lupano, Paul Cauuet © Reprodukt, Knesebeck, Splitter
Cover: "Tokyo dieser Tage" von Taiyo Matsumoto und "Thomas Mann - 1949" von Julian Voloj, Friedhelm Marx, Magdalena Adomeit und "Die Alten Knacker - 8 Die kleinen Strolche" von Wilfrid Lupano, Paul Cauuet © Reprodukt, Knesebeck, Splitter
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AUDIO: Neue Bücher: Graphic Novels im März (5 Min)

Graphic Novels: Matsumoto, Thomas Mann und die "Alten Knacker 8"

Stand: 28.03.2025 06:00 Uhr

Auch in diesem Jahr sind auf der Leipziger Buchmesse die Sparten Comic, Graphic Novel und vor allem Manga wieder stark vertreten. Wir stellen drei lesenswerte grafische Erzählungen vor.

von Mathias Heller

"Tokyo dieser Tage" von Taiyo Matsumoto

Das Leben von japanischen Comic-Zeichnern, den sogenannten Mangaka, ist ein Knochenjob. Gern sitzen diese auch mal bis zu zwölf Stunden pro Tag vor dem digitalen Zeichenblock und entwickeln Geschichten, denn die Kundschaft verlangt immer schneller nach Fortsetzungen ihrer Lieblings-Serien. In diesem Hamsterrad befindet sich auch der Redakteur eines Manga-Magazins in Tokyo, in dem diese Serien erscheinen. Eines Tages jedoch zieht er einen Schlussstrich und kündigt, um Abstand zu gewinnen - doch mit eher wenig Erfolg.

Comic-Cover: "Tokyo dieser Tage" von Taiyo Matsumoto © Reprodukt
"Tokyo dieser Tage", übersetzt von Daniel Büchner, ist bei Reprodukt erschienen und kostet 20 Euro.

Taiyo Matsumoto, selbst Mangaka, hat sich diese Geschichte ausgedacht. Sein Stil ist allerdings weit entfernt vom gängigen Manga-Klischee mit den großäugigen Figuren. Matsumoto zeichnet kantig, detailverliebt und poetisch. Er versteht es, jedem seiner Charaktere eine Lebensgeschichte mit nur wenigen Bildern zu verpassen, sei es durch eine Körperhaltung oder Geste. So entsteht schnell eine Nähe zur jeweiligen Situation. Tiefe Ruhe entsteht zudem durch seine genauen Alltagsbeobachtungen, die er in "Tokyo dieser Tage", so der Titel des Buches, eingebaut hat. Nun liegt der erste Band seiner auf drei Bände angelegten Geschichte vor. Eine wunderbar leise, aber doch erzählerisch starke Graphic Novel im Kleid eines Manga.

"Thomas Mann - 1949" von Julian Voloj, Friedhelm Marx und Magdalena Adomeit

Comic-Cover: "Thomas Mann - 1949" von Julian Voloj, Friedhelm Marx, Magdalena Adomeit © Knesebeck
"Thomas Mann - 1949" ist bei Knesebeck erschienen und kostet 24 Euro.

"Jetzt heißt es die richtigen Worte finden, die dieser ergreifenden Stunde angemessen gemäß sind." Recht hat der Mann, Thomas Mann. Gesprochen hat er diese Worte bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Weimar im Sommer 1949. Für zehn Tage reist der emigrierte Literaturnobelpreisträger erstmals wieder nach Deutschland, das in Besatzungszonen aufgeteilt und politisch zerrissen ist; Anlass ist der 200. Geburtstag von Goethe. Aus diesem historischen Umstand haben Autor Julian Voloj, Literaturwissenschaftler Friedhelm Marx und die Illustratorin Magdalena Adomeit eine Graphic Novel gezimmert.

In pastellig-kolorierten Zeichnungen lassen sie den Literaten mit Ehefrau Katia diese historische Reise antreten. Sie beschreiben die Ängste und Sorgen des Schriftstellers, aber auch seine aufrechte Haltung gegenüber seiner Liebe zur deutschen Sprache. Der Zeit angemessen wirken die Zeichnungen etwas steifer. Die Figuren haben die Geschmeidigkeit der Augsburger Puppenkiste. Das tut aber der dokumentarischen Form keinen Abbruch. Dramaturgisch geschickt öffnen die Macher auch immer wieder Fenster in die Vergangenheit und verdichten somit ihre Erzählung. "Thomas Mann - 1949", so der Titel, ist ein angemessener Beitrag zum Jubiläumsjahr des Literaturnobelpreisträgers.

"Die Alten Knacker 8: Die kleinen Strolche" von Wilfrid Lupano und Paul Cauuet

Comic-Cover: "Die Alten Knacker - 8 Die kleinen Strolche" von Wilfrird Lupano und Paul Cauuet © Splitter
"Die Alten Knacker 8: Die kleinen Strolche", übersetzt von Tanja Krämling, ist bei Splitter erschienen und lostet 17 Euro.

Auch alt, aber keineswegs steif, kommen "Die Alten Knacker" in ihrem achten und vorerst letzten Band daher. Die französische Reihe ist ein Erfolgs-Comic auf ganzer Linie: Wirtschaftlich wurden von den drei ersten Bänden über 500.000 Exemplare verkauft und inhaltlich loben die Kritiker die Reihe für die Beschreibung der Milieus, den Humor und die Genauigkeit der Darstellung des Dekors.

Es macht aber auch diebische Laune, den nun um die 80 Jahre alten Figuren beim Pöbeln, Beleidigen und Versöhnen in ihrem Dorf zuzuschauen. Körperlich einigermaßen agil und geistig ultra-fit tauchen wir in vergangenen Herzschmerz und persönliche Streitereien ein, die längst vergangen und vergessen sind - so scheint es. Das alles hat Tempo, Timing und Tacheles - da flirrt und zirpt die Provence, da hört man kühlen Pastis in warme Gläser gluckern. Meisterlich. "Die Alten Knacker - Teil 8" ist eine sympathisch-subversive Reihe über eine Generation, die eine Menge zu erzählen hat. Wenn sie dann noch so wie hier gezeichnet wird, ist es die feinste Literatur von der Krabbeldecke bis zum Nachttisch.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 28.03.2025 | 12:40 Uhr

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