Meister der Konkreten Kunst: Trauer um Helmut Senf
Er gehörte zu den wichtigsten Künstlern in Mecklenburg-Vorpommern. Auch international war er als Vertreter der Konkreten Kunst beachtet. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Helmut Senf am 24. Februar im Alter von 91 Jahren gestorben.
Es gab nur wenige Künstler in der DDR, die sich mit Konkreter Kunst beschäftigt haben, eine Kunstform, die ausgesprochen rational mit geometrischen Grundformen und Farbflächenteilungen arbeitet. Vom Bauhaus inspiriert, galt das den DDR-Funktionären als zu amerikanisch. "Das ist eine Kunst, die sich praktisch mit sich selber beschäftigt, sie hat kein Thema", erklärte Helmut Senf einmal. "Gleich nach der Wende gab es eine große Ausstellung von Künstlern aus der DDR, die so gearbeitet und ihre Arbeiten in der Schublade gehalten haben. Das war in Zürich und hieß ‘Kunst, die es nicht gab'".
Der Zufall führte ihn zur Metallformgestaltung
Zu verdanken hat Helmut Senf seinen künstlerischen Weg einem Zufall. Eigentlich wollte er in Halle an der Burg Giebichenstein Malerei studieren, landete aber auf der Liste der Metallformgestalter - und nahm es als Fügung: "Wir hatten eine Ausstellung, in der wir ein Statement abgeben sollten, warum man hier ist. Und meine Zeile hieß: Es hat sich so ergeben."
Das stimmt nur ein bisschen. Das künstlerische Leben von Helmut Senf war bestimmt von zielorientiertem Fleiß, Tatkraft und Vorbildern. "Gemalt und gezeichnet habe ich immer. Das war sehr wichtig für mich. Wir hatten einen sehr guten Lehrer, das war im Grundstudium bei Willi Sitte. Das war eine sehr gründliche Ausbildung, der ich sehr viel verdanke."
Helmut Senf: Bis zuletzt täglich im Atelier
Helmut Senf gehört zu den Mitbegründern der Erfurter Ateliergemeinschaft, die schon in den 1960er-Jahren alternative Ausstellungen organisierte. Neben seiner künstlerischen Arbeit unterrichtete er auch, zuerst an der Burg Giebichenstein, später an der Hochschule Wismar.
Seit 1990 lebte Helmut Senf mit seiner Frau Irmgard in Sassnitz, im Haus ihrer Eltern. Als Konstruktivist war er der Einzige in Mecklenburg-Vorpommern. Von hier aus hat er deutschlandweit Wettbewerbe gewonnen und Ausstellungen realisiert. 2008 ehrte ihn die Kulturstiftung Rügen mit dem Kulturpreis. Bis zuletzt ging er täglich ins Atelier, um dort zu arbeiten.
"Man muss Ideen haben"
"Irgendwas gestalten, ich kann eigentlich nicht damit aufhören", sagte er. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich das mal lasse, ich brauche meinen Rahmen, in dem ich meine vier Wände habe, wo ich meine Sachen zusammen habe, eine kleine Werkstatt, das ist es eigentlich und man muss wahrscheinlich Ideen haben. Und dass man auch gerne mit jungen Leuten arbeitet." Nun ist Helmut Senf im Alter von 91 Jahren in Sassnitz gestorben, wo er auch beerdigt werden soll.
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