"Ich will alles. Hildegard Knef": Doku zur persönlichen Seite des Filmstars
Hildegard Knef war Chansonsängerin und einer der deutschen Leinwandstars der Nachkriegszeit. Die Dokumentation "Ich will alles. Hildegard Knef" versucht nun hinter die Fassade der öffentlichen Person zu blicken.
Der Titel ist Programm: Der Text des Liedes "Für mich soll’s rote Rosen regnen", das Hildegard Knef unzählige Male zum Besten gegeben hat, ist künstlerischer Ausdruck und ihr Lebensmotto gleichermaßen. Ein Leben in der Öffentlichkeit, das schon mit 20 begann. Mit "Unter den Brücken" und "Die Mörder sind unter uns" dreht sie zwei Klassiker des Deutschen Nachkriegskinos. Sie versucht es in Hollywood, bleibt drei Jahre in den USA, aber die Rollenangebote bleiben aus.
Hildegard Knef: Realistin, Träumerin, Sünderin
Neben Aufnahmen aus dem ergiebigen Archivmaterial, den vielen unzähligen Interviews, die Hildegard Knef gegeben hat, kommt aus dem privaten Umfeld auch ihre Tochter aus zweiter Ehe, Christina Antonia, zu Wort. Sie sagt in der Dokumentation über ihre Mutter:
"In ihrem Ausblick war sie wirklich Realistin. Aber wenn es zu ihrer Kunst kam, war sie Träumerin." Filmszene
Aber auch nackte Tatsachen hatte sie zu bieten: Hildegard Knef war auch "Die Sünderin". In dem gleichnamigen Film von 1951 waren für kurze Zeit ihre unbedeckten Brüste zu sehen - das reichte damals für einen handfesten Skandal. Kinos wurden boykottiert, und ein Kölner Kardinal befand das Drama als "Zersetzung sittlicher Begriffe". Der Film wurde zum Kassenschlager und die Knef zum Gesprächsstoff der Stunde. Ein Journalist versuchte sich an einer Einordnung und erntete ihre geradezu empörte Reaktion:
"Wenn Sie erlauben, möchte ich eine Charakterisierung von Ihnen versuchen: naiv und trotzdem sehr berechnend, trotzig, unabhängig, aber gleichzeitig auch wieder anlehnungsbedürftig, tapfer, keine Frage, aber doch auch gelegentlich verzweifelt."
"Sie machen aus mir 24 Personen auf einmal!"
Filmszene
Keine filmische Entdeckung
Neben Interviewauszügen werden in der Dokumentation von Regisseurin Luzia Schmid auch Passagen aus diversen autobiografischen Büchern von Hildegard Knef eingeflochten. Gesprochen von der Schauspielerin Nina Kunzendorf, die stimmlich wenig mit dem tiefen, rauchigen Organ der Knef gemeinsam hat. Und es ist gut, dass solche Sätze im Original zu hören sind:
"Ich habe mit bedeutenden Regisseuren oft leider nicht sehr bedeutende Filme gemacht. Das tut mir heute noch weh. Und da die Angebote immer sehr interessant waren, weil sie oft verbunden waren mit den besonders interessanten und guten Regisseuren, habe ich den Fehler gemacht, eben doch Filme zu machen, die ich lieber hätte bleiben lassen sollen." Filmszene
Konventionell inszeniert und montiert ist die Dokumentation keine filmische Entdeckung, die etwas Neues zeigen würde. Inhaltlich fokussiert sich der Film mehr auf die persönliche Seite der Knef als nur die üblichen Hochs und Tiefs ihrer Karriere zu zeigen. Oder ihre Krebskrankheit, über die sie mit der gleichen schonungslosen Ehrlichkeit und Offenheit in der Öffentlichkeit sprach, wie über vieles alles andere auch.
Hildegard Knef: "Es ist nun mal ein unordentliches Leben"
"Ich will alles. Hildegard Knef" zeigt das Bild einer ebenso selbstbewussten wie verletzlichen Frau. Diva und Feministin, eine Künstlerin, die sehr selbstreflektiert durchs Leben ging und ein zwiespältiges Verhältnis zu ihrem Ruhm und dem Rampenlicht hatte. Auf der Bühne starb sie oft tausend Tode und wusste genau, dass die roten Rosen über die sie so oft sang, nicht ohne Dornen zu haben waren:
"Ich frage mich jeden Abend, was soll das eigentlich, warum leidest du so? Aber wenn ich dann wieder draußen bin, dann ist wieder gut. Es ist nun mal ein unordentliches Leben, weil die Veränderlichkeit das Beständigste ist." Filmszene
Ich will alles. Hildegard Knef
- Genre:
- Dokumentation
- Produktionsjahr:
- 2025
- Produktionsland:
- Deutschland
- Regie:
- Luzia Schmid
- Länge:
- 90 Minuten
- FSK:
- ab 12 Jahren
- Kinostart:
- 3. April 2025
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Dokumentarfilm
