Hinter den Kulissen: So arbeitet ein Souffleur
Wie sieht der Alltag eines Menschen aus, der auf der Bühne unsichtbar bleibt, aber eine tragende Rolle spielt? Ein Blick hinter die Kulissen und über die Schulter von Souffleur Arne Ziegfeld.
Das Licht im Saal geht aus, der Vorhang hebt sich und die Vorstellung beginnt. Alles scheint reibungslos abzulaufen. Doch was das Publikum nicht sieht: Manchmal braucht es im Hintergrund eine leise Stimme, die dafür sorgt, dass auf der Bühne nichts ins Stocken gerät. Die Souffleure sitzen meist unsichtbar im Theater und greifen ein, wenn der Text plötzlich entgleitet - so auch Arne Ziegfeld. Er ist einer von zwei Soufflierenden im Schauspiel des Staatstheaters Braunschweig.
Unsichtbar, aber unverzichtbar
"Im Inneren des Theaters, ein bisschen versteckt. Wenn man die Tür aufmacht, kommt man in die sogenannte Loge und hier sitze ich während der Vorstellungen", beschreibt es der 37-Jährige und sitzt dabei auf einem Stuhl hinter einer klappbaren schwarzen Wand. Von dort aus sieht er jede Bewegung und hört jedes Wort. Er ist die Sicherheit für die Spielenden und die Stütze, wenn eine Zeile nicht mehr abrufbar ist.
Aber es geht nicht nur um Worte - es geht um ein Gespür für den richtigen Moment, erzählt Ziegfeld: "Manchmal fragen sich die Spielenden: 'Habe ich gerade Text?' Sie wissen eigentlich, was als Nächstes kommt, aber wissen nicht ganz genau, ob sie gerade wirklich dran sind. Aber am häufigsten ist es so, dass der Text einfach weg ist. Dann helfen die ersten drei, vier Worte eines Satzes oder vom Beginn einer Replik, um alles zurück in Erinnerung zu rufen, was an der Stelle gesagt werden muss."
Soufflieren braucht das Gespür für den richtigen Moment
Ziegfelds Arbeit beginnt schon weit vor der Premiere. Während der Proben begleitet er das Ensemble, liest jede Zeile mit, korrigiert und gibt Hinweise. Im Probenraum stehen die Schauspieler Mattias Schamberger und Valentin Fruntke auf der Bühne, vertieft in eine Szene aus "Antigone". Ziegfeld sitzt am Rand, sein Blick wandert zwischen Skript und Spiel. Er greift ein, wenn es hakt. Die Souffleure müssen den Rhythmus der Szene spüren, ahnen, wann ein Schauspieler stockt - manchmal sogar noch bevor dieser es selbst merkt.
Ein Stichwort, ein paar leise Worte genügen oft, um das Gedächtnis wieder in Gang zu setzen, bestätigt Schamberger: "Gerade wenn die Szenen emotional werden und man den Text das erste Mal macht, kann es vorkommen, dass man hängt. Dann braucht man den Souffleur ganz dringend. Bei der Vorstellung ist es vor allem wichtig zu wissen, dass er da ist - so als Gefühl. Und Arne macht seinen Job richtig toll, weil er merkt, ob wir nur kleine Sprünge machen und selbst wieder ins Skript finden, oder ob gerade ein großes Loch entsteht und er eingreifen muss."
Manchmal reicht ein Wort, manchmal braucht es mehrere Zeilen
Die Souffleure, für die es keine spezielle Ausbildung gibt, müssen bei ihrer Arbeit vor allem konzentriert sein. Alles andere muss ausgeblendet werden, betont Ziegfeld: "Wenn ich zum Beispiel sehr müde bin oder erschöpft oder mich irgendetwas aus dem privaten Bereich beschäftigt und durch den Kopf geht, muss ich das abstellen und hinten anstellen, sobald die Vorstellung losgeht. Das funktioniert glücklicherweise ganz gut." Denn wenn selbst die erfahrensten Schauspieler mal den Faden verlieren, ist es Aufgabe der Souffleure, schnell und präzise zu reagieren.
An einen Einsatz kann sich Ziegfeld ganz besonders gut erinnern: "Das war ein Monolog, den ein Kollege gerade hatte, und irgendwann hat er gesagt: 'Oh Gott, was?' Da hat er sozusagen eingesehen, dass es gerade nicht weitergeht, und bat mich um Hilfe. Da habe ich erst mal ein bisschen Text an einer Stelle reingegeben, die mir sinnvoll erschien. Daraufhin sagte er: 'Ah ja, hmm' und hat auf der Bühne ein bisschen weitergesprochen. Aber er ist nicht wieder richtig auf Schiene gekommen und hat gesagt: 'Nein, Arne lies mal ein bisschen'. Dann habe ich fünf Zeilen gelesen, bis er selbst wieder im Text war."
Die Macht der Geschichten
Der Vorhang geht auf und dann heißt es: Volle Konzentration. Doch für Ziegfeld ist die Arbeit mehr als ein reiner Ablauf. Es ist eine Leidenschaft für Sprache, für Geschichten und für das Theater selbst, schwärmt er. "Am meisten Spaß macht mir an meinem Job, abgesehen vom Metier an sich, dass ich Menschen begleite, Geschichten zu erzählen. Geschichten zu erzählen, ist etwas so Mächtiges und Kraftvolles. So kitschig das jetzt klingen mag, aber Teil davon zu sein, empfinde ich als sehr bereichernd und als ein großes Privileg." Unsichtbar für das Publikum, aber unverzichtbar für das Theater - der Souffleur ist die Stimme, die nur dann spricht, wenn sie gebraucht wird, und ohne die so manches Stück ins Stocken geraten würde.
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