Ein Fahrzeug vom Rettungsdienst. © NDR Foto: Andreas Rackow

Rettungsdienst im Kreis Schleswig-Flensburg stellt sich neu auf

Stand: 02.04.2025 11:48 Uhr

Im Notfall muss es ganz schnell gehen. Egal ob schwerer Verkehrsunfall, ein Kite-Surfer, der gestürzt ist oder ein Schlaganfall im Seniorenheim. Im Kreis Schleswig-Flensburg soll der Rettungsdienst verbessert werden.

von Andreas Rackow

Laut Rettungsdienstgesetz des Landes soll ein Rettungswagen innerhalb von zwölf Minuten am Einsatzort sein. Im Kreis Schleswig-Flensburg ist das zuletzt aber nur in rund 70 Prozent der Fälle gelungen. Das soll sich künftig ändern. Denn die Bevölkerung altert - und deshalb es gibt mehr Einsätze. Viele Strukturen im Rettungsdienst stammen außerdem noch aus den 1960er und 1970er Jahren. Im Kreis Schleswig-Flensburg wird der Rettungsdienst deshalb jetzt umstrukturiert. Der Prozess dauert mehrere Jahre.

Neuer Vorstand mit frischen Ideen

Fridtjorf Arens ist seit Anfang 2023 Vorstand des Rettungsdienstes im Kreis Schleswig-Flensburg. Er und sein Team haben in den vergangenen zwei Jahren an den Veränderungen gearbeitet, die den Rettungsdienst in dem Flächenkreis fit für die Zukunft machen sollen. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Einrichtung zusätzlicher Rettungswachen. Statt zehn sollen es künftig kreisweit 15 Rettungswachen sein. Es werden neue Wachen gebaut, einige werden auch verlegt. Am 1. April 2025 hat die zunächst provisorische Wache in Silberstedt (Kreis Schleswig-Flensburg) ihren Betrieb aufgenommen.

Und: das Deutsche Rote Kreuz (DRK) übernimmt seit März die Besetzung aller Rettungswagen und Wachen. Zuvor hatte der Rettungsdienst des Kreises einen Teil des Personals gestellt.

Rettungsdienst in Verantwortung der Kreise und kreisfreien Städte

Während der Kreis Schleswig-Flensburg den Rettungsdienst in eigener Trägerschaft gemeinsam mit dem DRK organisiert, setzen andere eher auf interkommunale Zusammenarbeit. Fünf Kreise - Dithmarschen, Pinneberg, Rendsburg-Eckernförde, Segeberg und Steinburg – sind zur Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) zusammengeschlossen. Dort werden Personal, Fahrzeuge und Einsatzplanung zentral gesteuert - mit dem Ziel, Synergien zu nutzen und die Notfallversorgung effizienter zu gestalten.

Kreis Schleswig-Flensburg geht eigenen Weg

Ein Mann mit Kinnbart blickt in die Kamera. © NDR Foto: Andreas Rackow
Friedtjof Arens ist seit gut zwei Jahren Vorstand des Rettungsdienstes.

Ein Zusammenschluss mit der Rettungsdienst Kooperation in Schleswig-Holstein (RKISH) sei für den Rettungsdienst im Kreis Schleswig-Flensburg derzeit kein Thema, sagt Vorstand Friedtjof Arens.

Er sehe klare Vorteile darin, die Strukturen im eigenen Kreisgebiet zu organisieren. So könnten Abläufe besser koordiniert und auf die regionalen Gegebenheiten abgestimmt werden. Statt auf eine landesweite Kooperation zu setzen, will der Kreis Schleswig-Flensburg die bewährte Zusammenarbeit mit dem DRK ausbauen, das seit Anfang März die Durchführung des kompletten Rettungsdienstes übernommen hat. Das DRK will sein Rettungsteam in den nächsten Jahren auf gut 300 Kolleginnen und Kollegen verdoppeln.

Wartung der Rettungsfahrzeuge

Ein Fahrzeug vom Rettungsdienst. © NDR Foto: Andreas Rackow
Ein Rettungswagen vor der neuen provisorischen Wache in Silberstedt.

In Busdorf (Kreis Schleswig-Flensburg) wurde eine neue Rettungsdienst-Zentrale gebaut. Dazu gehört auch einen kleine Werkstatt. Hier werden die Rettungswagen repariert und gewartet. Rettungsdienstvorstand Fridtjorf Arens hofft so auf eine Kostenersparnis und eine höhere Effizienz. Hier können die Fahrzeuge zum Beispiel für den jährlichen TÜV vorbereitet oder auch mal neue Bremsen eingebaut werden. Im Kreis Schleswig-Flensburg sind aktuell 20 Rettungsfahrzeuge im Einsatz. Bei der Rettungskooperation der fünf Kreise (RKISH) ist eine eigene Werkstatt kein Thema. "Das lässt sich bei 200 Fahrzeugen logistisch gar nicht umsetzen", so Pressesprecher Christian Mandel.

Die Mitarbeitenden sind zufrieden

Mitarbeiter vom Rettungsdienst sitzen an einem Tisch und unterhalten sich. © NDR Foto: Andreas Rackow
Einsatzbesprechung in der Rettungswache Schleswig.

Bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kommt die Neustrukturierung nach einigen Anfangsschwierigkeiten gut an. "Es gibt inzwischen öfter mal ein bisschen mehr Ruhe auf dem Wagen. Das tut allen gut", sagt Linda Barz vom Deutschen Roten Kreuz. Die Stimmung im Team sei sehr gut, sagt sie. Dass einige Kolleginnen und Kollegen im Zuge der Umstellung vom Rettungsdienst des Kreises zum DRK wechselten, spiele im Alltag keine Rolle. "Das waren vorher schon Kolleginnen und Kollegen. Die Abläufe funktionieren reibungslos", so die junge Rettungsfachkraft.

Es wird ein längerer Prozess

"Wir kommen ganz gut voran, aber eine solche Umstrukturierung braucht Zeit", so das Fazit von Rettungsdienst-Vorstand Fridtjorf Arens. Er rechnet mit einem Abschluss des Prozesses in vier bis sechs Jahren. Herausfordernd sind nach seinen Angaben dabei die Baugenehmigungen und andere bürokratischen Hürden. Arens vertraut aber auf sein Team und sieht auch schon die ersten Verbesserungen bei den Ausrückzeiten und in den Arbeitsabläufen. Langfristig soll durch mehr Effizienz auch Geld eingespart werden, aber am Ende geht es um Menschenleben. Im aktuellen Jahr wird mit Gesamtkosten von 28, 5 Millionen Euro für den Rettungsdienst im Kreis Schleswig-Flensburg kalkuliert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 03.04.2025 | 19:30 Uhr

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