Flensburg: Panzerbauer FFG plant neues Werk in Handewitt für 2027
Die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) plant den Bau eines neuen Werks in Handewitt bei Flensburg. Rund 75 Millionen Euro will das Unternehmen dafür investieren. Der Bau soll im kommenden Jahr beginnen.
Auf einer Fläche von 100.000 Quadratmetern will der Panzerhersteller und -instandsetzer FFG sein neues Werk errichten. Die neue Fertigungs- und Instandsetzungsanlage für Panzer und andere Militärfahrzeuge soll an der B199 in Handewitt (Kreis Schleswig-Flensburg) entstehen. Der Bau des neuen Werks soll 2026 beginnen und in mehreren Abschnitten erfolgen. 2027 möchte das Unternehmen dort schon produzieren.
Höhere Anforderungen von Kunden
Der Grund für die Erweiterung: Die Anforderungen der Kunden seien gestiegen. "Mit den Fähigkeiten des neuen Werkes werden wir weiter maßgeblich zur Verteidigungsfähigkeit der Bundesrepublik Deutschland sowie unserer internationalen Kunden beitragen", sagt Norbert Erichsen, Sprecher der Geschäftsführung. Durch eine sogenannte Werksstraße könne die Produktion effizienter und schneller laufen. Einfluss auf die Investition hat auch der Russland-Ukraine-Krieg. Die Geschäftsführung hofft, von einem möglichen neuen Sondervermögen zu profitieren.
Mit dem Werk will das Unternehmen zudem neue Arbeitsplätze schaffen und die bestehenden sichern. Weltweit hat das Unternehmen nach eigenen Angaben über 1.300 Mitarbeitende - in den vergangenen zwei Jahren habe man laut Erichsen 400 neue Mitarbeitende eingestellt.
"Große Herausforderung für mittelständisches Unternehmen"
Dieter Hanel ist Vorsitzender des Arbeitskreises Wehrtechnik im Unternehmensverband Schleswig-Holstein. Der neue Standort sei ein "mutiger Schritt" der FFG-Geschäftsführung. "Es ist eine Herausforderung für solch ein mittelständisches Unternehmen, so viel zu investieren, aber die derzeitige sicherheitspolitische Situation erfordert im Augenblick, dass sich auch die Unternehmen entsprechend engagieren", sagt der 80-Jährige. Laut Hanel gibt es aktuell 35 Wehrtechnik-Unternehmen in Schleswig-Holstein.
Hanel: Zeitdruck wegen Entwicklungen in Amerika
Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen in den USA sei der Zeitdruck, Rüstungskapazitäten hochzufahren, hoch. "Eine große Herausforderung dabei ist auch der Personalaufwuchs. In den letzten zehn Jahren ist der Wehrtechnik-Beschäftigtengrad um über 100 Prozent gestiegen. Irgendwann erreichen wir einen Punkt, an dem es sehr schwer ist, weiterhin qualifiziertes Personal in diesem Hochtechnologie-Bereich zu gewinnen", sagt Hanel. Vor seinem Ruhestand war Hanel nach eigenen Angaben bis 2007 unter anderem Marketingleiter beim Rüstungskonzern Rheinmetall.
Werk und Zentrale an der Werftstraße sollen geschlossen werden
Die FFG plant, ihre Zentrale und das Werk in der Werftstraße in Flensburg perspektivisch aufzugeben - die Zentrale soll dann in das Werk in der Mads-Clausen-Straße verlegt werden. Einen genauen Zeitplan dafür gebe es laut Erichsen noch nicht. Für die Übergangszeit sei auch ein Betrieb mit drei Werken möglich - angesichts der derzeitigen Auftragslage wäre es aber nicht möglich, alle Werke voll auszulasten: "Die Auftragslage ist gut, aber noch nicht sehr gut", sagt Erichsen.

Laut Unternehmen konnte das Vorhaben in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden in Flensburg und Handewitt schnell entschieden werden. Flensburgs Oberbürgermeister Fabian Geyer (parteilos) sagt, dass die Kommunalpolitik am Montag darüber informiert worden und die Entscheidung gut angekommen sei.
"Es ist eine positive Nachricht", so Geyer. Gerne hätte man den Standort in der Stadt belassen, aber zeitliche und wirtschaftliche Faktoren hätten wohl dagegen gesprochen. Jetzt sei man glücklich, dass der Betrieb nicht abwandert und regional im interkommunalen Gewerbegebiet des Zweckverbandes WEG kurz vor der dänischen Grenze an der A7 einen geeigneten Standort gefunden hat. Die Verbandsversammlung des WEG werde in der kommenden Woche darüber entscheiden.
SPD: "Armutszeugnis" von der Flensburger Stadtverwaltung
Kritik am neuen FFG-Standort kommt aus den Reihen der Flensburger SPD-Fraktion: "Wir freuen uns, dass dieses wichtige Unternehmen in der Region bleibt. Trotzdem ist es ein Armutszeugnis, wenn die Verwaltung nicht in der Lage ist, dem größten Gewerbesteuerzahler der Stadt ein schnelles Flächenangebot in Flensburg zu unterbreiten", sagt Justus Klebe, der Vorsitzende der Flensburger SPD-Ratsfraktion. Die FFG reihe sich dabei in weitere Beispiele wie Pupenhorn oder Yachtservice ein.
Seit 1963 Partner der Bundeswehr
Die FFG stellt Rad- und Kettenfahrzeuge her, rüstet sie um oder wartet sie. Seit 1963 produziert das Unternehmen vor allem für die Bundeswehr. Die FFG liefert unter anderem die Panzer WiSENT 2 oder ACSV G5.
