Vorpommern-Rügen: Landrat Kerth bekommt neue Verbündete
Der ehemalige SPD-Politiker und Landrat von Vorpommern-Rügen, Stefan Kerth, bekommt offenbar neue Verbündete. Kerth kann bei der Landratswahl im Mai auf die Unterstützung der CDU setzen.
Die Union ist bei der Kommunalwahl im Juni 2024 mit knapp 30 Prozent stärkste Fraktion im Kreistag Vorpommern-Rügen geworden. Die Christdemokraten haben für die Landratswahl allerdings keinen eigenen Kandidaten aufgestellt. Der CDU-Kreisvorstand hat sich am Dienstagabend stattdessen darauf verständigt, sich hinter Kerths erneute Kandidatur zu stellen. Der parteilose Landrat soll sich am kommenden Montag in Steinhagen der CDU-Spitze im Landkreis vorstellen.
Kerth stellt sich hinter Kurs der CDU
Den Termin hat der CDU-Kreisvorsitzende Harry Glawe bestätigt. Glawe sagte, es sei noch nichts beschlossen. In der Union gilt es allerdings als ausgemacht, den Amtsinhaber zu unterstützen. Kerth hatte zuletzt den Asyl- und Migrationskurs der CDU verteidigt und die deutschlandweiten Proteste gegen die Union "als Unfug und unfassbar" verurteilt. Der 51-Jährige war Ende 2023 aus Protest gegen die Asyl-Politik der SPD aus der Partei getreten - die empfand er als weltfremd, zu lax und kritisierte sie als "Gesinnungspolitk".
SPD stellt Vorpommern-Staatssekretär auf
Seine ehemalige Partei hat den Vorpommern-Staatssekretär Heiko Miraß ins Rennen um den Landratsposten geschickt. Miraß sitzt bereits für die SPD im Kreistag. Die Ausgangslage scheint für ihn allerdings ungünstig. Bei der Kommunalwahl holte die SPD magere 7,6 Prozent, bei der Bundestagswahl kam die Partei im Wahlkreis auf nur 10,3 Prozent. Kerth sagte dem NDR, er wolle parteilos bleiben. In den Zeiten der Zuspitzung sei ein "Brückenbauer als verbindendes Element" nötig.
Kerth zeigt sich offen für alle
Kerth sagte auch mit Blick auf AfD, der Weg der Ausgrenzung habe nichts bewirkt. Er sei für alle Gewählten ansprechbar. Allerdings gelte das nicht für Extremisten. Diese Aussage ist auf den neuen AfD-Bundestagsabgeordneten Dario Seifert gemünzt. Der hat den Wahlkreis Vorpommern-Rügen als Direktkandidat gewonnen. Bei den Zweitstimmen bekam die Partei 35,5 Prozent und wurde stärkste Kraft. Seifert ist Mitbegründer der rechtsextremen Jungen Alternative im Land und gilt wegen seiner Vergangenheit im Umfeld der rechtsextremen NPD als ein völkisch-nationalistischer Vertreter in der AfD.
Extremismus bei der AfD
Noch während seiner Bundestagskandidatur nutzte Seifert den Volkstrauertag, an dem aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht wird, für Propaganda im NS-Stil. Er erinnerte einseitig "in tiefer Ehrfurcht an die tapferen Helden unseres Volkes". Eine martialische Figur mit Wehrmachtsstahlhelm und der Zeile "In Gedenken an unserer Gefallenen" diente dazu, Hitlers Wehrmacht zu glorifizieren. Seifert steht mit seinem Rechtsextremismus in der regionalen AfD allerdings nicht allein. Thomas Naulin beispielsweise, AfD-Kreistagsmitglied und Stadtpräsident in Bergen auf Rügen, macht sich auf Social-Media eine von Rechtsextremisten verbreitete Aussage zu eigen.
Falsche Körner-Zitate
Der Ex-Polizist droht gewählten Politikern indirekt mit Gewalt: Naulin spricht von "feigen Gestalten", künftig werde "wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk. Dann gnade euch Gott!". Naulin schreibt das Zitat fälschlicherweise Theodor Körner, dem Schriftsteller und Freiheitskämpfer im 19. Jahrhundert, zu. Denn es gibt nach Aussagen von Experten keine Belege, dass das Zitat von Körner stammt. Vielmehr habe die rechtsextreme NPD Körner diese Sätze bereits vor Jahrzehnte "untergeschoben". Naulin verbreitet sie weiter. Er und Seifert unterstützen den AfD-Kandidaten für den Landratsposten in der Tourismusregion: Der Polizist Carlos Rodrigues hofft nach Querelen im AfD-Landesverband Schleswig-Holstein auf eine Parteikarriere in Mecklenburg-Vorpommern.
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