Klimaschutz in Museen: Leitfaden soll Hilfestellung geben
Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat einen Leitfaden für Klimaschutz in Museen veröffentlicht. Auch die Direktorin des Braunschweigischen Landesmuseums Heike Pöppelmann hat daran mitgewirkt. Ein Gespräch.
Roth wünscht sich, dass Museen - unabhängig von der Energiekrise - dauerhaft mehr zum Klimaschutz beitragen und Kohlendioxid einsparen. Der Leitfaden definiert zum Beispiel ökologische Mindeststandards und gibt praktische Empfehlungen.
Frau Pöppelmann, an Ihrem Haus wird schon lange an dem Thema gearbeitet - was haben Sie schon umgesetzt?
Heike Pöppelmann: Das Thema spielt für uns eine große Rolle, und zwar schon seit Jahren. Das Großartige ist: Es ist wirklich gut im Team verankert. Wir haben schon 2013 gestartet und sind schon auf LEDs umgestiegen. Bei LEDs erhitzt sich die Umgebung nicht und in Vitrinen bleibt es kühler. Damit können wir sehr viel einfacher das notwendige Klima einhalten, als wenn man normale Leuchten einsetzt. Das war schon ein großer Schritt 2013.
Wir sorgen für Nachhaltigkeit im Ausstellungsmanagement, mit Wiederverwendung von Materialien, von Wänden, bis hin zur nachhaltigen Entsorgung. Wir haben uns bemüht, in der Region jemanden zu finden, der die Materialien nimmt, damit sie nicht auf dem Müll landen. Das gelang nicht immer, aber bei uns gilt das Prinzip der kleinen Schritte. Wir sind nicht perfekt, aber wir bemühen uns, Schritt für Schritt weiterzukommen. In den letzten Jahren haben wir ziemlich große Schritte machen können, weil bei uns das Haupthaus, das sogenannte Vieweghaus am Braunschweiger Burgplatz, saniert wird. Dafür mussten 2.000 Quadratmeter Depotfläche geräumt werden. Wir hatten die große Chance, mit einem Investor eine Halle aus den frühen 1970er-Jahren in ein nachhaltiges Depot umzuwandeln. Sie glauben gar nicht, was das bei uns für einen Schub im Team gegeben hat, diese Möglichkeit zu haben. Und es funktioniert: Die Sommer sind mittlerweile sehr heiß, und bei uns im Depot können wir trotzdem das Klima halten - ohne große Klimatechnik. Mithilfe des Box-in-Box-Systems haben wir praktisch eine zweite Halle in die Halle gesetzt.
Viele Exponate benötigen eine bestimmte Feuchtigkeit, eine bestimmte Temperatur. Welche Empfehlungen gibt dieser Leitfaden?
Pöppelmann: Was mir gut an dem Leitfaden gefällt - deswegen haben wir uns auch sehr gerne beteiligt -, ist, dass er ganz pragmatisch ist, ohne erhobenen Zeigefinger. Er macht für viele verschiedene Bereiche Vorschläge, nennt weitere Adressen und gibt Hinweise, wie man seinen musealen Alltag gestalten kann, um Schritt für Schritt nachhaltiger zu werden. Wir sind eigentlich da, um zu bewahren, zu sammeln, zu forschen und zu vermitteln. Die Aufgabenvielfalt in diesen Bereichen hat sich aber sehr stark verändert. Der Internationale Museumsbund hat im August letzten Jahres eine neue Museumsdefinition präsentiert, wo neben den klassischen Aufgaben die Themen Nachhaltigkeit, Inklusion, Partizipation und Diversität genannt werden. Das sind zusätzliche Aufgaben, aber wir kriegen kein zusätzliches Personal. Wir müssen also innerhalb unserer Teams gucken, an welchen Stellschrauben wir drehen können, um diese Ziele zu erreichen.
Die Kultusstaatsministerin hat das jetzt auch auf die Bundesebene gehoben. So etwas kommt in Kultur und Bildung bekanntermaßen unterschiedlich gut an. Waren bei der Präsentation alle einverstanden?
Pöppelmann: Das weiß ich nicht genau. Aber ich glaube nicht, dass Museen sich dagegen stemmen werden. Wir machen Ausstellungen; wir betrachten entweder unsere Gegenwart durch künstlerische Aktionen, oder wir schauen in die Vergangenheit mit den Fragen der Gegenwart. Es werden Ausstellungen zum Thema Naturschutz gemacht, zum Thema: Wie soll sich die Gesellschaft weiterentwickeln? Man kann also nicht mit erhobenem Zeigefinger in die Gesellschaft schauen und selber nicht handeln. So wie ich viele Kollegen und Kolleginnen kenne, sieht man da auch eine hohe Dringlichkeit zu handeln. Und viele handeln auch schon.
Das Interview führte Mischa Kreiskott.