Verden: Pferde, Kirchen und Natur
Im niedersächsischen Verden an der Aller dreht sich fast alles um Pferde. Wahrzeichen der Stadt ist allerdings der wuchtige Dom und auch der Name Verden hat nichts mit Vierbeinern zu tun.
Wer genau hinschaut, bemerkt schnell, dass das Glück in Verden auf der Straße liegt: Auf einer Flaniermeile zwischen der Fußgängerzone Große Straße und dem Holzmarkt finden Spaziergänger 500 in Gehwegplatten eingelassene Hufeisen.
Verden an der Aller ist nämlich die Stadt der Reiter und Pferde. Jedes Hufeisen trägt den Namen seines Spenders, darunter so prominente Pferdesportler wie Rainer Klimke, Alwin Schockemöhle und Isabell Werth. Auch sonst stehen Ostertorstraße und die Straße Herrlichkeit ganz im Zeichen der Vierbeiner: mit Pferdemotiven an Fahrradständern und zwei von Pferdesilhouetten verzierten Granitsäulen.
Virtueller Ritt im Pferdemuseum
So wundert es nicht, dass sich neben dem Bahnhof in einer ehemaligen Kavalleriekaserne von 1831 das Deutsche Pferdemuseum angesiedelt hat. Hier erfahren Besucher alles über die Geschichte der Tiere, von grauer Vorzeit bis zum heutigen Reitsport. Zum Museum gehört auch eine umfangreiche Bibliothek mit mehr als 18.000 Büchern, Zeitschriften und Dokumenten zum Thema Pferde sowie ein großes Fotoarchiv. Wer möchte, kann in einen Sattel steigen und zu einem virtuellen Ritt über die Verdener Rennbahn starten. Zu dem Gebäudekomplex gehören die Stadthalle und ein Einkaufszentrum.
Dom: Wahrzeichen und architektonisches Vorbild
Auch wer sich nicht für Pferde interessiert, findet in Verden viel Sehenswertes. Wahrzeichen der Stadt ist der Dom St. Maria und Cäcilia von 1490, der die umstehenden Häuser der Altstadt weit überragt. Bereits 1290 wurde mit dem Bau begonnen, vollendet wurde er erst 200 Jahren später. Die verschiedenen Bauabschnitte lassen sich besonders an der Südfassade anhand der unterschiedlichen Materialien gut nachvollziehen. Stilistisch vermischt der Dom romanische und gotische Elemente. Dennoch gilt er als der erste gotische Dom in Niedersachsen.
Zu den architektonischen Besonderheiten zählen die 38 Meter hohen Seiten- und Mittelschiffe sowie der Turm, der noch von einer früheren Basilika aus dem 12. Jahrhundert stammt. Im Chorraum an der Ostseite des Doms befanden sich einst sieben bunte Glasfenster, die der Seeräuber Klaus Störtebeker 1402 der Kirche gestiftet haben soll.
Bei der Sprengung der Aller-Brücken im Jahr 1945 wurden sechs der Fenster zerstört und später durch schlichte Glasfenster ersetzt. Für Kirchen in Lüneburg, Lübeck und Stendal diente der Dom zu Verden als architektonisches Vorbild.
St. Johannis mit mittelalterlichen Malereien
Noch älter als der Dom ist die St. Johanniskirche. Sie wurde um 1150 als einer der frühesten romanischen Backsteinbauten in Niedersachsen errichtet. Sehenswert sind ihre mittelalterlichen Wand- und Deckenmalereien. Die Kirche steht unmittelbar neben dem Rathaus von 1730 mit seinem markanten weißen Turm.
Zum Ackerbürgerhaus und an die Aller
Bei einem Stadtbummel fallen die vielen gut erhaltenen Fachwerkhäuser auf. Am Anfang der Strukturstraße findet sich ein besonders schönes Exemplar, das Ackerbürgerhaus. Es stammt von 1577 und zeigt Einflüsse der Weserrenaissance, die oberen Schwellen sind mit Ranken und Blattwerk verziert. Auch ein Blick in das Innere lohnt sich.
Zu einem Rundgang durch Verden gehört ein Schlenker an die Aller. Von jeher verdankt der Ort seine Entwicklung auch dem Schifffahrtsweg, der nach wenigen Kilometern in die Weser mündet. Direkt am Ufer führt ein Spazierweg entlang. Eine andere Naturschönheit sind die Verdener Dünen im Stadtwald. Die Sandhügel entstanden nach der letzten Eiszeit vor 15.000 Jahren und stehen seit 1930 unter Naturschutz.
Wer sich näher mit der Vergangenheit Verdens beschäftigen möchte, sollte das Historische Museum besuchen. Im Domherrenhaus, einer herrschaftlichen Hofanlage aus dem frühen 18. Jahrhundert, gibt es einen umfassenden Überblick über die Entwicklung der Stadt und der Region.