FSG-Nobiskrug: Windhorst kündigt neue Investitionen an
Nach einem Spitzentreffen mit Vertretern von Bund, Land und Gewerkschaft kündigte Finanzinvestor Lars Windhorst weitere Investitionen für die Werften FSG in Flensburg und Nobiskrug in Rendsburg an.
Wiederholt ausbleibende Lohnzahlungen, tarifliche Uneinigkeit und eine ungewisse Auftragslage: Seit Monaten rumort es bei der FSG-Nobiskrug. Doch wie können die zur Tennor-Holding gehörenden Werften in Flensburg und Rendsburg zurück in ruhigeres Fahrwasser gelangen? Das war die Ausgangsfrage des Spitzengesprächs im Kieler Wirtschaftsministerium.
"Neue Aufträge und Arbeit für die Werft"
Lars Windhorst sagte nach dem Gespräch, er habe von Bund und Land die notwendigen Perspektiven erhalten, um weiter in das Unternehmen zu investieren. Konkrete Einzelheiten nannten er jedoch nicht. Über die konkreten Inhalte der Gespräche wurde Schweigen vereinbart. Allerdings könne sich nach den Gesprächen nun strategisch neu aufgestellt werden. Windhorst: "Ich gehe davon aus, dass wir bezüglich neuer Aufträge und Arbeit für die Werft sehr bald positive Neuigkeiten zu vermelden haben." Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein hat Lars Windhorst während des Gesprächs eine konkrete Ankündigung gemacht. Es geht dabei um mehrere Millionen Euro, die die Werften als Sicherheit für ihre Bauvorhaben benötigen.
Gedrückte Stimmung bei der Belegschaft
Das dürfte vor allem die rund 600 Mitarbeitenden an den Standorten freuen. Denn die Stimmung war in den vergangenen Monaten gedrückt. Ein Grund dafür ist ein Großauftrag der Bundesregierung für die Flensburger Werft, der auf der Kippe steht. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte im Dezember 2022 angekündigt, den Bau von drei LNG-Bunkerschiffen fördern zu wollen. Die FSG sollte den Auftrag bekommen. Rund 62 Millionen Euro wurden dafür in Aussicht gestellt. Unterschrieben ist der Auftrag bislang nicht.
Grund dafür seien erheblich gestiegene Kosten auf Seiten der FSG bedingt durch höhere Materialkosten, heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Nun werde geprüft, ob das Vorhaben von drei auf zwei Schiffe reduziert werden kann. Sollte der Auftrag verfallen, ist die Auftragslage dürftig. Lediglich ein weiteres Schiff - eine RoRo-Fähre für eine australische Reederei - sei derzeit im Bau.
Bund bleibt bei Zusage für Aufträge
Der Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft und Tourismus, Dieter Janecek (Grüne), der ebenfalls an dem Gespräch teilnahm, machte deutlich: "Wir als Bund stehen zu unserer Zusage beim Thema LNG-Bunkerschiffe und dass die Förderbescheide entsprechend vergeben werden, wenn die Rahmenbedingungen gestellt sind." Janecek verwies auf einen großen Markt für den Bau von Offshore-Konverter-Plattformen im Zusammenhang mit Windparks auf See.
Der Bund spreche mit verschiedenen Werft-Standorten, darunter Kiel und Flensburg. Ziel sei es, so Janecek, Aufträge auch in den Norden zu vergeben. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) sieht darin eine Chance für die Werften. Sie könnten von solchen Offshore-Aufträgen profitieren.
Rückkehr zu Tarifvertrag gefordert
Ein weiteres Gesprächsthema war die Situation der Werft-Mitarbeitenden. So fordert die Gewerkschaft IG Metall seit dem Sommer, zu einem Flächentarifvertrag für die Mitarbeitenden zurückzukehren. Seit dem Insolvenzverfahren im April 2020 sind die Werften nicht mehr tarifgebunden und die Mitarbeitenden bekommen weniger Geld. Zunächst hatte die Unternehmensleitung einer Einigung zugestimmt. Doch aus der Unterschrift wurde bisher nichts. In der Folge rief die Gewerkschaft zu mehreren Warnstreiks auf.
Man wolle zeitnah eine Tarifvereinbarung schließen, erneuerte Windhorst am Montag seine Zusage. Zugleich schloss er aus, dass das Überleben der Werft zulasten der Mitarbeitenden gesichert werde. Heißt: Es sollen keine Stellen gestrichen werden. Wirtschaftsminister Madsen unterstütze diese Absicht: Man müsse dringend die Mitarbeitenden und ihre Expertise an den Werften halten und ihnen zeigen, dass sich deren Treue zur Werft gelohnt habe.
Verspätete Lohnzahlungen sorgen für Frust
Neben den schleppenden Tarifverhandlungen sorgten auch die verspätete Auszahlung von Löhnen und Krankenkassenbeiträgen für schlechte Stimmung im Betrieb. So berichtete die IG Metall Anfang Oktober, dass für die rund 600 Mitarbeitende noch die Löhne des Vormonats fehlen würden. Bei einer Betriebsversammlung im Oktober bedauerte Windhorst persönlich die verspäteten Zahlungen. Doch auch im November warteten Mitarbeitende erneut auf ihr Geld. Windhorst: "Wir haben immer geliefert. Teilweise zu spät. Jetzt ist der Unterschied, dass wir eine nachhaltige Perspektive haben und wir vor unseren Stakeholdern vertreten können, warum die Werften erhalten werden sollen."