Lars Klingbeil übernimmt nun auch Fraktionsvorsitz der SPD
Nach dem historisch schlechten Abschneiden der SPD bei der Bundestagswahl hatte Co-Parteichef Lars Klingbeil einen Neuanfang gefordert. Der Mann aus Munster übernimmt dabei eine zentrale Rolle.
Neben dem Parteivorsitz wird Klingbeil nun auch den Fraktionsvorsitz übernehmen. Der 47-Jährige folgt damit auf Rolf Mützenich, der nach der Wahlniederlage seiner Partei am Sonntag seinen Rückzug angekündigt hatte. Klingbeil war noch am Wahlabend vom Parteipräsidium vorgeschlagen und einen Tag später einstimmig vom Fraktionsvorstand nominiert worden. Anschließend hatte er eine Neu-Ausrichtung der SPDangekündigt. Heute wurde er von der SPD-Bundestagsfraktion gewählt. Ein Selbstläufer - Klingbeil war der einzige Kandidat. Allerdings: Er erhielt nur 85,6 Prozent der Stimmen, Vorgänger Mützenich hatte bei seinen drei Abstimmungen jeweils knapp 95 Prozent und mehr erhalten.
Kritik am Vorgehen "im Moment der bittersten Niederlage"
Der Machtausbau von Klingbeil durch die Doppelfunktion als Partei- und Fraktionsvorsitzender galt bereits zuvor als umstritten: Falk Wagner, Vorsitzender der Bremer SPD-Landesverbandes, kritisierte dessen Vorgehen. "Bei unserer Parteibasis kam es überhaupt nicht gut an, dass der Parteivorsitzende im Moment der bittersten Niederlage zunächst einen Spitzenposten mit sich selbst besetzt", sagte Wagner dem "Tagesspiegel". Der von Klingbeil angekündigte Generationenwechsel sei wichtig, "deshalb muss damit deutlich mehr gemeint sein als eine Person". Ähnlich äußerten sich der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer sowie der frühere SPD-Parteistratege Matthias Machnig.
Erst Verhandlungsführer, künftig Vizekanzler?
Für Klingbeil ist der zusätzliche Fraktionsvorsitz der nächste Karriereschritt in der SPD. Bei den anstehenden Koalitionsgesprächen mit der Union dürfte er eine zentrale Figur werden. Womöglich rutscht Klingbeil auch weiter ins Rampenlicht: Bei erfolgreichen Verhandlungen über eine schwarz-rote Koalition gilt als Option, dass er auch in die neue Bundesregierung wechselt - möglicherweise als Vizekanzler.
Lars Klingbeil: Beste Ergebnis eines SPD-Direktkandidaten
Klingbeil hatte im Dezember 2021 den Parteivorsitz als Nachfolger von Norbert Walter-Borjans übernommen. Zuvor war er seit 2017 SPD-Generalsekretär gewesen. Trotz des bereits damals schlechten Abschneidens der SPD hatte er bei der damaligen Bundestagswahl seinen Wahlkreis direkt gewonnen. 2025 ist ihm das wieder gelungen: Klingbeil, der innerhalb seiner Partei zum konservativen Seeheimer Kreis zählt, holte 42,1 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis Rotenburg I - Heidekreis - bundesweit von allen gewählten SPD-Direktkandidaten das beste Ergebnis bei dieser Bundestagswahl.
Lars Klingbeil als Politikstudent bei Gerhard Schröder
Klingbeil ist als Sohn eines Soldaten und einer Einzelhandelskauffrau in Munster aufgewachsen - einen Steinwurf vom größten Standort des deutschen Heeres entfernt. Sein politisches Rezept: zu den Menschen gehen, zuhören, sich kümmern. Das habe er unter anderem bei Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) gelernt, bei dem er als junger Politikstudent im Wahlkreisbüro gearbeitet hatte. Er bewundere Schröder, aber ein "Basta"-Typ sei er deswegen nicht, sagte Klingbeil einst.
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