Landwirtschaft neu: Moore schützen und trotzdem Geld verdienen
Hans Lütjen-Wellner bewirtschaftet seit 40 Jahren Moorwiesen im Teufelsmoor. Ein Großteil seiner Flächen sind in Naturschutzgebiete umgewandelt worden. Gräser, die dort wachsen, kann er nicht als Futter für seine Kühe nutzen. Sie sind nicht gehaltvoll genug, unter anderem, weil sie nicht gedüngt werden können. Deshalb möchte der Landwirt herausfinden, ob die Gräser, die auf dem feuchten Boden wachsen, anders vermarktet werden können. Das nasse Moor könnte so für ihn zu einer Einnahmequelle werden. Gemeinsam mit weiteren Kollegen hat er daher eine Firma gegründet. Es wird beispielsweise getestet, wie die Gräser zu Dämmstoffen verarbeitet werden können. 20 seiner 500 Hektar Land nutzt er außerdem schon als eine Art Versuchsfläche. Gegenüber dem Land Niedersachsen hat er sich verpflichtet, die Wasserstände in den Gräben höher zu halten. Er will prüfen, ob Tiere auf der nasseren Weide weiterhin laufen können.
Warum wurden Moore trockengelegt?
Seit dem 17. und 18. Jahrhundert wurden mehr als 95 Prozent der Moorflächen in Deutschland trockengelegt, um Land für Siedlungsbau, Forst- und Landwirtschaft zu schaffen. Außerdem wurde der Abbau von Torf zur Energieerzeugung und Gewinnung von Substrat für Pflanzenerde so möglich. Der Naturschutzbund (NABU) Niedersachsen geht davon aus, dass Niedersachsen seit den 1970er-Jahren - je nach Region - 20 bis 50 Prozent seiner Moorböden durch das Trockenlegen verloren hat.
Trockene Moore sind bedeutende Quelle von Treibhausgasemissionen
Der Torf in Moorböden speichert große Mengen Kohlenstoff. Wenn die Flächen trockengelegt werden, kommt dieser Kohlenstoff mit Sauerstoff in Kontakt und entweicht als klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre. Deshalb stehe man jetzt vor der Herausforderung, die Moore wiederzuvernässen, sagt Prof. Harald Grethe, Agrarforscher von der Humboldt-Universität Berlin in der NDR Sendung Panorama. "Deutschland hat sich verpflichtet, bis 2045 klimaneutral zu werden. Da ist der Anteil der Moore im Gesamtpaket so groß, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie das ohne gehen kann", so der Forscher. Zahlen des Umweltbundesamts aus dem Jahr 2022 zeigen: Mit etwa 53 Millionen Tonnen Treibhausgasen pro Jahr haben Moore einen Anteil von rund sieben Prozent an den Gesamtemissionen in Deutschland. Auf den innerdeutschen Flugverkehr gehen beispielsweise rund eine Million Tonnen zurück.
Land Niedersachsen will mit den Akteuren vor Ort ins Gespräch kommen
Wo genau die Möglichkeiten liegen, Treibhausgasemissionen bei Mooren in Niedersachsen zu senken, ist das Thema einer Potenzialstudie des niedersächsischen Umweltministeriums. Die Studie solle nun als Grundlage genutzt werden, um in den Regionen und den einzelnen Moorgebieten Initiativen, Projekte und Kooperationen anzuschieben und voranzubringen, teilte ein Sprecher des Ministeriums mit. Dabei würden auch die Menschen vor Ort eingebunden. Es gehe vor allem darum, zu schauen, wo sich Förderprojekte lohnen. Die Studie löse aber keinerlei Zwang aus, heißt es weiter. Das Land werde vor allem eigene Flächen wiedervernässen und auf diese Weise dazu beitragen, die Klimaziele durch Moorbodenschutz zu erreichen.
Lütjen-Wellner könnte zum Vorbild werden
Vielen seiner Kollegen sei die Problematik um trockengelegte Moore durchaus bewusst, sagt Hans Lütjen-Wellner. Trotzdem komme es derzeit aber für viele nicht in Frage, den Wasserstand auf ihren Flächen zu erhöhen. Einige Landwirte hätten sich wirtschaftlich beispielsweise auf große Tierherden spezialisiert und müssten teilweise auch noch Kredite abbezahlen. Sie könnten deshalb nicht spontan auf andere Einnahmequellen umsteigen. Ob und in welcher Form die Gruppe um Lütjen-Wellner die Gräser mit ihrer Firma vermarkten kann, das steht derzeit noch nicht fest. Bevor die Materialien etwa als Dämmstoffe in den Handel kommen, müssten sie zunächst zertifiziert werden, erklärt der Landwirt. Doch er ist überzeugt von dem Weg. "Unser Wunsch ist es, der Allgemeinheit zu zeigen, dass man trotzdem auf den vernässten Flächen Geld verdienen kann", sagt er im NDR Landwirtschaftspodcast 63 Hektar.
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