Früh abgedriftet: 359 junge Intensivtäter in SH
Schwere Raubüberfälle, Brandstiftungen, Tötungsdelikte: Junge Intensivtäter bereiten den Sicherheitsbehörden viel Arbeit. Darunter sind auch Kinder.
Wenn Personen wiederholt mit hoher krimineller Energie schwere Straftaten begehen oder daran beteiligt sind, sprechen die Sicherheitsbehörden von "Intensivtätern". Ein besonderes Augenmerk der Polizei liegt dabei auf jungen Menschen, die unter diese Kategorie fallen. Auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein hat das Innenministerium aktuelle Zahlen zu dem Phänomen "Junge Intensivtäter" mitgeteilt - und beruft sich dabei auf eine Sonderauswertung des Landeskriminalamts aus dem Dezember 2024.
Die Mehrheit hat einen deutschen Pass
Demnach sind im Land insgesamt 359 junge Intensivtäter registriert. Auffällig dabei: Fast alle von ihnen sind männlich. Ihr Anteil liegt bei knapp 90 Prozent. Und: Auch 13 Kinder zählen dazu. Also Personen unter 14 Jahren, die schon früh auf die schiefe Bahn geraten sind und schwere Straftaten begangen haben, bevor sie strafmündig geworden sind. Grundsätzlich fallen Intensivtäter bis zum Alter von 21 Jahren in die Statistik.
Auch zur Nationalität der jungen Straftäter gibt das Ministerium Auskunft. Ein Sprecher schreibt hierzu: "Die Mehrzahl der oben bezifferten Intensivtäter hat die deutsche Staatsbürgerschaft, gefolgt von der syrischen und irakischen Staatsbürgerschaft." Wie sich wiederum die Gesamtzahl der jungen Intensivtäter in den vergangenen Jahren entwickelt hat - dazu konnte das Ministerium auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein innerhalb einer Woche keine Angaben machen.
SPD-Politiker: Es geht um das Vertrauen in den Rechtsstaat
Als eine "große Herausforderung für unseren Rechtsstaat" bezeichnet der sicherheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, Niclas Dürbrook, diese Gruppe an jungen Wiederholungstätern. "Nicht nur wegen der Zahl der Straftaten, sondern auch weil ihre oftmals in kurzer Zeit und großer Anzahl verübten Taten das Vertrauen in den Rechtsstaat untergraben."
Der SPD-Politiker meint, es gebe "keine einfachen Antworten" auf dieses Phänomen. Der Rechtsstaat müsse schnell und konsequent reagieren. Wichtig sei in diesem Zusammenhang aber auch, soziale Hintergründe, die Familien und die Schulen mit in den Blick zu nehmen. "Wir wissen aus der Debatte um Jugendkriminalität, dass nur ein breiter Ansatz funktionieren kann", erklärt Dürbrook.
Polizei-Gewerkschaft: Einrichtungen müssen stärker zusammenarbeiten
Nach den Worten des Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei, Torsten Jäger, ist die Befassung mit jungen Intensivtätern ein "intensives Aufgabenfeld der Landespolizei". Jäger appelliert: Unterschiedliche Institutionen wie Jugendämter, Gesundheitsämter und die Polizei müssten deshalb stärker zusammenarbeiten. "Es geht doch an allererster Stelle darum, den Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden zu helfen", schreibt Jäger. "Und wenn das nicht mehr geht, die Gesellschaft auch vor ihnen zu schützen."
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