Nachfrage-Boom für Einbau von Wärmepumpen kurz vor der Wahl
Die ungewisse Zukunft der staatlichen Wärmepumpen-Förderung funktioniert offenbar wie ein Motor für die Nachfrage: Wenige Wochen vor der Bundestagswahl stieg die Zahl der Anträge stark an. Kunden und die Energiebranche wünschen sich, dass die Förderung weiterläuft.
Hammer, Schraubenzieher und viele Zangen: Fein sortiert hängt jede Menge Werkzeug über einer Arbeitsplatte im Keller von Siegfried Tenner. Wo früher die alte Ölheizung stand, hat der 68-Jährige in seinem Haus in Hamburg-Sasel jetzt Platz für einen Werkraum. Vor fünf Monaten ist der Rentner auf eine Wärmepumpe umgestiegen, die Gesamtkosten dafür beliefen sich auf etwa 40.000 Euro.
Die staatliche Förderung war für Hausbesitzer Tenner ein wichtiger Bestandteil der Finanzierung für die Modernisierung, auch wenn die Förderung die entstandenen Kosten nicht komplett abdeckt: "Man spricht immer von 50 Prozent, aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Es ist schon noch ein bisschen weniger. Trotzdem hilft es natürlich ohne Zweifel bei der Investition in dieses gesamte System." Insgesamt 15.000 Euro Förderung gab es am Ende für den Rentner. Der Zuschuss ist abhängig vom eigenen Einkommen, maximal liegt er derzeit bei 21.000 Euro.
CDU will Heizungsgesetz grundlegend ändern
Wie es mit den staatlichen Zuschüssen nach der Bundestagswahl am 23. Februar weitergeht, ist offen. Die jetzige Regelung gilt nur so lange, bis die neue Bundesregierung einen neuen Haushalt beschlossen hat. Die CDU hat bereits angekündigt, dass Heizungsgesetz grundlegend zu ändern, wenn sie die Regierungsverantwortung erhält. Viele Verbraucher wollen sich nun offenbar, bevor das passiert, noch die Zuschüsse bei der Förderbank KfW sichern, wie aus Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums hervorgeht.
34.000 Förderanträge allein im Dezember
In den vergangenen Monaten gab es auf jeden Fall einen sprunghaften Anstieg der Förderanträge und damit auch der Bewilligungen. Während im Juli 2024 bundesweit knapp 14.000 Anträge genehmigt wurden, waren es im November bereits fast 19.000 Anträge - und im Dezember mit mehr als 34.000 noch einmal knapp doppelt so viele. Um die Förderung geltend zu machen, haben Kundinnen und Kunden drei Jahre Zeit.
Preise für Wärmepumpen sind zuletzt gesunken
Beim Energie-Start-up 1,5 Grad in Hamburg sieht man auch noch andere Gründe für den Anstieg der Förderanträge, wie Vertriebsleiter Alexander Willers erklärt: "Die Preise für Wärmepumpen sind in den vergangenen Wochen und Monaten um fünf bis acht Prozent gesunken. Wärme ist zurzeit ein großes Thema, auch durch die anstehenden Wahlen. Das macht sich also schon bemerkbar bei der Nachfrage."
Branche fordert verlässliche Rahmenbedingungen
Energie-Fachmann Willers fordert daher von der Politik zuverlässige und stabile Rahmenbedingungen, was die Förderung für die Modernisierung von alten Öl- oder Gasheizungen hin zu Wärmepumpen betrifft. Denn abzulesen aus den Statistiken ist auch, dass sich - trotz der zuletzt gestiegenen Anzahl von Anträgen - der tatsächliche Absatz im vergangenen Jahr fast halbiert hat: Wurden 2023 noch 356.000 Wärmepumpen verkauft, waren es 2024 nur noch 193.000. Zum Vergleich: Das Ziel der Bundesregierung ist, dass pro Jahr mindestens 500.000 Wärmepumpen eingebaut werden sollen.
Hersteller wünschen ein Ende des "Rauf und Runter"
Um dieses Ziel in den kommenden Jahren erreichen zu können, wünschen sich auch Hersteller eine verlässliche Perspektive, wie Henning Schulz vom Wärmepumpen-Hersteller Stiebel Eltron im NDR betonte: "Das Rauf und Runter tut natürlich weh, weil wir sowohl Produktionskapazitäten als auch insgesamt Budgets anpassen müssen." Wenn der Absatz nach einer guten Phase plötzlich einbricht, könnte das für Beschäftigte zum Beispiel Kurzarbeit bedeuten.
Kunde: "Investition zahlt man nicht aus der Portokasse"
Für Käufer Tenner steht fest, dass die Förderung auch aus ökonomischer Sicht fortgesetzt werden muss: "Für viele, die über einen Umstieg auf eine Wärmepumpe nachdenken, ist die staatliche Förderung ganz wichtig. So eine Investition zahlt man ja nicht so leicht aus der Portokasse. Das ist eine Investition, die schon stark belastet, da hilft jeder Euro Förderung natürlich massiv. Das zu beenden, würde - glaube ich - ein ganz falsches Signal geben für die gesamte Entwicklung der deutschen Wirtschaft und auch für die Entwicklung der Bilanz, die wir uns alle für die Umwelt erwarten."
Den eigenen CO2-Ausstoß zu reduzieren und energetisch ein Stück weit autarker zu sein: Siegfried Tenner ist froh, dass er von der Ölheizung in seinem Keller auf die Wärmepumpe im Garten umgestiegen ist.