Landwirtschaft: Bauernpräsident als Minister?
CSU-Chef Söder erklärt bereits, wer aus seiner Sicht der neue Landwirtschaftsminister werden soll: Günther Felßner, Präsident des Bayerischen Bauernverbands. Doch nach Panorama-Recherchen stellt er wissenschaftliche Fakten zu Arten- und Klimaschutz in Frage.
"Über Personal wird im Augenblick nicht gesprochen" betont der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz nach der Wahl. Doch CSU-Chef Markus Söder sieht das offenbar anders. Für ihn scheint eine prominente Personalie längst ausgemacht: Der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Günther Felßner (CSU), soll Minister für Landwirtschaft und Ernährung werden. Das hatte Söder bereits lange vor der Wahl verkündet und auf Panorama-Nachfrage nun bekräftigt.
Aus der Wissenschaft heißt es, die Herausforderungen für die neue Spitze des Agrarministeriums seien groß, die Landwirtschaft müsse endlich nachhaltiger gestaltet werden. Der Rückgang der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft sei dramatisch, warnt etwa die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Es seien ernsthafte Folgen für Ökosysteme und damit für das Wohlergehen der Menschen zu erwarten. Denn Artenvielfalt und Klimaschutz seien die Voraussetzung für stabile Erträge, erklärt der Agrarwissenschaftler Sebastian Lakner von der Universität Rostock.
Möglicher Agrarminister in spe stellt Fakten in Frage
Würde Bauernchef Felßner die Landwirtschaft nachhaltiger aufstellen? Bei seiner Vorstellung auf dem CSU-Parteitag Anfang Februar in Nürnberg hatte er zwar erklärt, dass er als Landwirtschaftsminister die Artenvielfalt schützen wolle, doch im Panorama-Interview stellte der Milchviehhalter wissenschaftliche Fakten zum Arten- und Klimaschutz in Frage: Dass Pflanzenschutz der Artenvielfalt schade und zu viel Fleisch dem Klima, das seien zwei "völlig falsche Behauptungen", sagte Felßner. Die Tierhaltung zurückzufahren, sei eine Sackgasse gewesen, so Bayerns Bauernpräsident. "Das werden wir drehen."
Vor einem Jahr hatte Felßner seine Überzeugung noch viel deutlicher gemacht. Auf einer Demonstration gegen die Ampelregierung im bayerischen Erding rief er die Teilnehmenden dazu auf, Fleisch für das Klima zu essen. "Lasst euch den Quatsch nicht erzählen, dass das schlecht für das Klima wäre", sagte Felßner.
Wissenschaftler widersprechen
Solche Aussagen hätten nichts mit naturwissenschaftlichen Fakten zu tun, sagt der Wissenschaftler Lakner. Auch Agraringenieur Bernhard Osterburg vom Thünen-Institut in Braunschweig erklärt, es sei wissenschaftlich völlig unumstritten, dass eine Reduzierung der Nutztierhaltung und eine veränderte Ernährung mit mehr pflanzlichen Produkten zum Klimaschutz beitrügen. Der Umbau der Tierhaltung und die Reduktion der Tierzahlen sei ein großer Hebel beim Klimaschutz, bekräftigt auch die Agrarforscherin Miriam Athmann von der Universität Kassel. Und natürlich hätten auch Pflanzenschutzmittel einen negativen Effekt auf die Artenvielfalt.
Söder will weiterhin Felßner
Trotz Felßners Positionen hält CSU-Chef Söder ihn für den richtigen Mann an der Spitze des neuen Landwirtschaftsministeriums. "Ich halte an Günther Felßner fest", sagte Söder Panorama nach der Bundestagswahl.
Dabei erklärte kürzlich sogar das Weltwirtschaftsforum den Verlust von Biodiversität, fehlenden Klimaschutz und den Zusammenbruch von Ökosystemen als eine der größten Bedrohungen der Weltbevölkerung.
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