Offene Hausarztstellen werden in Schleswig-Holstein gut nachbesetzt
Bei der Besetzung freier Hausarztstellen gilt Schleswig-Holstein unter den Flächenländern als Musterschüler. Der Hausärzteverband sieht dennoch Handlungsbedarf - und fordert mehr Anreize für niedergelassene Ärzte.
In keinem anderen Flächen-Bundesland fehlen gerechnet auf die Einwohnerzahl weniger Hausärztinnen und Hausärzte als in Schleswig-Holstein: Laut der Kassenärztlichen Vereinigung (KVSH) sind 23 Hausarztstellen pro eine Million Einwohner frei.
Damit liegt das nördlichste Bundesland im bundesweiten Vergleich nur hinter dem Stadtstaat Hamburg - dort sind nämlich alle Stellen für Hausärzte besetzt. Auf Platz 3 folgt Berlin mit bereits 32 freien Hausarztstellen pro eine Million Einwohner.
"Bundesweit gelingt es uns im Norden mit am besten, Hausarztsitze
nachzubesetzen und damit die ambulante medizinische Versorgung sicherzustellen."
Bettina Schultz, Vorstandsvorsitzende der KVSH
Mehr Nachwuchs durch bessere Hausarztausbildung
Als einen wichtigen Grund dafür sieht die KVSH nach eigenen Angaben die besonders guten Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten für Mediziner im Land. Dazu gehören unter anderem die beiden Lehrstühle für Allgemeinmedizin an den Universitäten Kiel und Lübeck, die 2014 geschaffen wurden, sowie das Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Schleswig-Holstein (KWA.SH).
Befanden sich 2016 noch 59 Medizinerinnen und Mediziner in einer allgemeinmedizinischen Weiterbildung, so waren es im vergangenen Jahr bereits 415.
Bei der Bewertung der Qualität und Effizienz der Seminare durch die Teilnehmer stehe Schleswig-Holstein gemeinsam mit Bayern an der Spitze. Laut KVSH schließen auch nahezu alle die Weiterbildung ab. So habe sich im selben Zeitraum die Zahl der bestandenen Facharztprüfungen von 54 auf 104 beinahe verdoppelt.
Mittlerweile fast 2.000 Hausärzte im Land
Diese Entwicklung spiegelt sich nach Angaben der KVSH auch in der Zahl der niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte im Land wieder. Stagnierte in Schleswig-Holstein die Zahl zwischen 2005 und 2015 noch bei etwa 1.900 Hausärzten, gab es seitdem einen Anstieg um 50 Stellen.
"Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung", resümiert Bettina Schultz. Eine gute Ausbildung sei ein wichtiger Baustein, den Herausforderungen von Demografie und Fachkräftemangel zu begegnen.
Hausärzteverband: Nachwuchsprobleme trotzdem nicht gelöst
Auch wenn viele freie Hausarztstellen in Schleswig-Holstein nachbesetzt werden können - der Hausärzteverband sieht das landesweite Problem des Hausärztemangels nach eigenen Angaben aber noch lange nicht gelöst. Es sei noch viel zu tun, um die hausärztliche Versorgung im Land sicherzustellen, meint der Verbandsvorsitzende Jens Lassen.
Einerseits werde, trotz der bereits guten Ausbildung im Land, noch deutlich mehr Nachwuchs benötigt. Andererseits müssen laut Lassen auch die niedergelassenen Hausärzte entlastet werden. "Wir haben viele strukturelle Probleme, die gerade die Hausärztinnen und Hausärzte vor dem Rentenalter dazu bringen, ihre Praxis eher früher aufzugeben." Zu dieser Entlastung gehörten beispielsweise ein Abbau der Bürokratie und weniger Notfall-Bereitschaftsdienste.
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