Nach Brand: CVJM kämpft um Sommer-Zeltlager in Bornhöved

Stand: 28.02.2025 11:47 Uhr

Sommerferien im Zeltlager - ohne Handy, dafür mit Stockbrot, Schwimmen und Karaoke. Dafür reisen Kinder aus ganz Deutschland seit Jahrzehnten nach Bornhöved. Nach einem Feuer steht das Projekt auf der Kippe.

von Ole ter Wey

"Bornhöved - Brandgeschehen auf Zeltplatz - Hütte und Anhänger brennen aus" - eine nüchterne Polizeimeldung, die den NDR am Dienstagvormittag erreicht. Doch schon kurz darauf wird klar: Vielen Menschen geht diese Nachricht sehr nah. Über den Messenger der NDR Schleswig-Holstein App richtet sich Bornhöveds stellvertretender Bürgermeister Bernd Petersdorff (WGB) an die Redaktion. Er berichtet von Tränen, die vor Ort geflossen seien. Und stellt klar: Das abgebrannte Holzhaus war nicht einfach irgendeine Hütte, sondern die zentrale Räumlichkeit des Zeltlagers des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) Lübeck. Seit fast 40 Jahren veranstaltet der jeden Sommer große Zeltlager in Bornhöved (Kreis Segeberg).

Zeltlager ohne Handys, aber mit "ganz viel Abenteuer"

Mit dem Holzhaus sind auch die Großraumküche und viele der Materialien kaputt gegangen, darunter mehrere große Zelte. Das berichtet Andreas Siemer. Er ist der Technische Leiter des CVJM Lübeck und veranstaltet die Fahrten schon seit 15 Jahren mit, erzählt er. Gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen betreut er jeden Sommer hunderte Kinder und Jugendliche, die aus ganz Deutschland nach Bornhöved reisen. Hier erwarte sie eines der letzten klassischen Zeltlager. Handys sollen zu Hause bleiben, erzählt er. Dafür "bieten wir ganz viel Abenteuer, Lagerfeuerstimmung am Abend, Schwimmen, Schaumpartys, Quadfahren", zählt er auf: "Die Liste ist so unendlich lang."

Kann das Zeltlager 2025 stattfinden?

Eine Mitarbeiterin der CVJM Lübeck im Interview. © NDR
Für die 18-jährige Emily Wagner, Betreuerin beim CVJM ist das Zeltlager wie ein zweites Zuhause.

Durch das Feuer steht das diesjährige Zeltlager auf der Kippe. "Den Sachschaden zu ersetzen, ist das Eine", sagt Siemer. Rund 100.000 Euro werde der Wiederaufbau und das Ersetzen der Zelte und anderer Materialien kosten, schätzt er. Zum Teil werde dafür eine Versicherung aufkommen. "Aber was hier an emotional erschaffenen Werten, Bauten weg ist, das können wir nicht beziffern." Die 18-jährige Betreuerin Emily Wagner bekräftigt: "Das ist wie ein zweites Zuhause für mich, wie ein Abschaltort. Wo die Kinder auch total viel Spaß haben."

Schon im Juni sollen die ersten Kinder kommen

Damit auch ein neues Gebäude wieder mit solchen Erinnerungen gefüllt werden kann, soll es nun schnell gehen. Bereits im Juni beginnen in den ersten Bundesländern die Sommerferien. Trotz aller Emotionen bleibt Andreas Siemer zuversichtlich: "Eins habe ich schon hoch und heilig versprochen: Es wird auf jeden Fall stattfinden", sagt er und muss eine kurze Pause einlegen. Die Stimme droht ihm wegzubrechen.

Egal wie, es wird dieses Jahr nicht ausfallen. Wenn jetzt wirklich alle Behörden, alle Gemeinden, alle mitspielen, dann hoffe ich sogar, dass wir bis Mitte Juni ein neues Haus da stehen haben." Andreas Siemer, Technischer Leiter CVJM Lübeck

Polizei schließt einen technischen Defekt als Brandursache aus

Ein Mitarbeiter der CVJM Lübeck im Interview. © NDR
Andreas Siemer schätzt, dass es rund 100.000 Euro brauche, um die Schäden zu ersetzen. Doch der emotionale Verlust sei nur schwer auszugleichen.

Aktuell ermittelt die Polizei noch zur Brandursache. Am Donnerstag gab es die erste Gewissheit: An einem technischen Defekt lag es nicht. Das bestätigte die Kriminalpolizei. Dirk Stemke von der Freiwilligen Feuerwehr glaubt nicht, dass das Feuer durch Hitzeeinstrahlung oder Sonnenschein passiert sei. "Also kann man wohl davon ausgehen, dass das eben mutwillig passiert ist." Das werden aber erst die weiteren Ermittlungen der Polizei zeigen.

Trümmer entsorgen und anpacken

Spätestens, wenn die Ermittlungen vor Ort abgeschlossen sind, heißt es dann Trümmer entsorgen, Geräte kaufen, mit anpacken. Denn in den kommenden Wochen wird sich entscheiden, ob Andreas Siemer und Co. genug Hilfe bekommen, damit schon in diesem Sommer wieder neue Erinnerungen geschaffen werden können - ohne Handy, aber dafür mit Singen, Lagerfeuer und Schwimmen beim Zeltlager in Bornhöved.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 27.02.2025 | 19:30 Uhr

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