
Wohnmobile und Co.: Diskussion um kleine Camping-Stellplätze
Um den Tourismus vor allem im Binnenland zu stärken, fordert die FDP im Landtag Erleichterungen für Anbieter von kleinen Campingplätzen. Tourismusminister Madsen hat Verständnis, sorgt sich aber um den Naturschutz.
Die bevorstehenden Osterferien seien der Start der Saison, sagt Kristina Dohrn auf ihrem Hof in Langwedel (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Dann erwartet sie auf der Wiese, wie schon im vergangenen Jahr, Gäste, die mit ihren Wohnwagen oder Wohnmobilen einen Stellplatz für die Nacht suchen. "Das sind Durchreisecamper, die nach Dänemark oder runter in den Süden fahren wollen." Die Lage des Grundstücks nahe der A7 sei für viele Kurzentschlossene sehr attraktiv.
Stellplätze: Große Auswahl auf Vermittlungsplattformen
Wer einen Stellplatz mieten will, ruft Kristina Dohrn an oder bucht über ein Vermittlungsportal wie "Campspace", "Park4Night" oder "Landvergnügen". Wer dort nach Stellplätzen in Schleswig-Holstein sucht, findet eine große Auswahl abseits der regulären Campingplätze. Die Preise pro Fahrzeug und Übernachtung liegen zwischen 12 und 25 Euro.
Campingplätze brauchen Baugenehmigung
Das Landesnaturschutzgesetz erlaubt Camping nur auf den dafür zugelassenen Plätzen. Ausnahmen bilden Zeltlager, zum Beispiel für Jugendgruppen. Wer auf seinem Grundstück das Übernachten im Wohnwagen oder Wohnmobil anbieten will, muss dafür einen Bauantrag stellen. Die notwendige Baugenehmigung haben nach Recherchen von NDR Schleswig-Holstein aber offenbar nicht alle Anbieter, die auf den Vermittlungsportalen zu finden sind. Ein Betreiber räumt am Telefon ein, dass sein Geschäft nicht ganz legal sei.
FDP: Tourismus im Binnenland stärken
Um den Hofbesitzern das Campinggeschäft ohne großen bürokratischen Aufwand zu ermöglichen, hat die FDP am vergangenen Freitag im Landtag beantragt, das Genehmigungsverfahren zu erleichtern. Davon würde gerade der Tourismus fernab der Ostsee und Nordsee profitieren, sagt die tourismuspolitische Sprecherin der Liberalen, Annabell Krämer. Es müsse reichen, ein Gewerbe anzumelden, fordert die FDP.
Landesregierung zurückhaltend

Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) hält das jetzige Verfahren nicht für zu aufwendig: "Beim Urlaub auf dem Bauernhof ist es so, dass man einen schlanken Bauantrag stellt. Der ist auch schnell abgearbeitet." Tourismusminister Claus Ruhe Madsen (CDU) sagt im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein, dass zwei Herzen in seiner Brust schlagen: Einerseits wolle er mehr Touristen ins Land holen, aber das Campen außerhalb der großen Plätze dürfe aus Naturschutzgründen nicht überhandnehmen. Im Übrigen sei in Schleswig-Holstein genug Platz für Camper: "Wir haben immer noch Kapazitäten. Es wird natürlich immer Spitzenbelastungen an gewissen Orten geben. Aber ich kann allen Bürgerinnen und Bürgern, die gerne hierherkommen, versichern: 'Wir finden für Euch einen Platz!'"
Kleinstcamping als eigene Urlaubsform
Auf dem Platz von Kristina Dohrn sind maximal fünf Wohnwagen beziehungsweise Wohnmobile erlaubt. Mehr möchte sie auch gar nicht aufnehmen, denn so sei sichergestellt, dass die Fahrzeuge nicht dicht an dicht stehen. Der Abstand zu den Mitcampern sei für viele Gäste ein Argument, lieber hier zu stehen als auf einem großen Campingplatz. Das Angebot soll noch erweitert werden. Auf dem Gelände will sie ein neues WC-Haus bauen. Dann müssten die Camper nicht mehr die Toilette des Tiny House benutzen, das auch auf der Wiese steht. Das Tiny House möchte sie dann als Ferienwohnung vermieten. Auch dafür braucht es eine Baugenehmigung. Doch das schreckt die Hofbetreiberin nicht ab.
Genehmigungsverfahren geht in den Fachausschuss
Eine Entscheidung über die Genehmigung von Kleinstcampingplätzen, also Flächen mit bis zu 5 Stellplätzen, ist im Landtag noch nicht gefallen. Nach der Debatte hat das Plenum beschlossen, das Thema im zuständigen Wirtschaftsausschuss zu behandeln. Erstmal müssen Hofbetreiber im Land also weiter einen Bauantrag stellen, um Kleinstcampingplätze wie in Langwedel betreiben zu dürfen.