Keine Investitionen mehr: Hafen Hörnum auf Sylt vor dem Aus?
Seit 20 Jahren ist nichts passiert in Richtung Modernisierung am Hörnumer Hafen. Der Bund will den Hafen loswerden, sagt die Gemeinde. Sogar eine Schenkung ist angedacht - die jedoch am Ende für Hörnum teuer werden könnte. Wie also gehts weiter?
Auf den ersten Blick wirkt es in der südlichsten Gemeinde auf Sylt ganz idyllisch. Der rot-weiße Leuchtturm ist vom Hafen aus gut zu sehen. Und auch der Hafen selbst, mit den Muschelkuttern und Ausflugsschiffen, wirkt zunächst malerisch. Aber wer genauer hinguckt, sieht Absperrungen, "Betreten-verboten-Schilder", viel Rost und vergammeltes Holz. Das Problem: Der Bund als Eigentümer hat seit gut 20 Jahren kein Interesse mehr an dem Hafen und investiert nur das Nötigste, um den Anleger nutzbar zu machen, heißt es aus dem Verkehrsministerium in Kiel. Ein Grund dafür sei der Abzug der Bundeswehr. Zuletzt war fast die Hälfte der Hafenfläche gesperrt. Der Investitionsstau beträgt nach Angaben des Ministeriums inzwischen rund 50 Millionen Euro.
Teures Geschenk vom Bund an die Gemeinde
Der Bund möchte den Hafen also loswerden. Sogar eine Versteigerung war vor einigen Jahren mal im Gespräch. Dann wollte der Bund den Hafen auf die Gemeinde übertragen - ein Geschenk, das teuer werden könnte. Als "Zugabe" bietet der Bund sogar 23 Millionen Euro an, doch den Rest müsste eben die Gemeinde zahlen. Abgewickelt werden müsste die Eigentumsübertragung über das Land. Für die Gemeinde ist das aktuell keine Option, denn am Ende würde Hörnum mit seinen rund 900 Einwohnerinnen und Einwohnern auf mindestens 27 Millionen Euro Sanierungskosten sitzenbleiben. Aktuell laufen mal wieder Gespräche. Udo Hanrieder ist seit gut einem Jahr ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde. Er hofft, in den nächsten Monaten eine Lösung präsentieren zu können. "Wir haben einen Hafen, der seit 20 Jahren dem Verfall preisgegeben wird", so Hanrieder. Doch den Zuschuss gebe es eben nur, wenn die Gemeinde den Hafen übernehmen würde.
Muschelfischer und Ausflugsschiffe brauchen den Hafen
Genutzt wird der Hafen derzeit vor allem von den Muschelfischern und den Ausflugsschiffen der Sylter Adler-Reederei. Heinz Maurus, Vorsitzender der Erzeugerorganisation der schleswig-holsteinischen Muschelzüchter, ärgert sich über den maroden Hafen. "Was wir hier erleben, ist nicht mehr zumutbar", so Maurus und fordert eine schnelle Lösung von der Politik. Aktuell nutzen sechs Muschelkutter den Hafen. Für den Chef der Muschelfischer steht mit dem Hafen Hörnum auch die Existenz der Muschelfischerei insgesamt auf dem Spiel, denn direkt vor dem Hafen befinden sich die wichtigsten Zuchtgebiete der Fischer. Nach Angaben der Interessensgemeinschaft nordfriesischer Häfen hängen mit Lkw-Fahrern und Zulieferbetrieben mindestens 300 Arbeitsplätze am Hörnumer Hafen.
Sven Paulsen, Chef der Adler-Schiffe, hofft ebenfalls auf eine Einigung, denn er würde die Auflugsfahrten zum Beispiel nach Amrum, Föhr, Helgoland und die Fahrten zu den Halligen und den Seehundbänken gerne weiterhin anbieten. Immerhin - so seine Rechnung - nutzen rund 150.000 Fahrgäste im Jahr den Hörunumer Hafen.
Land sieht sich nicht in der Pflicht
Das Land befindet sich nach Angaben von Harald Haase, Sprecher im Kieler Verkehsministerum, im kontinuierlichen Austausch mit dem Bund. Für die Hafennutzer habe der Hafen zweifellos einen hohen Stellenwert. Insgesamt sei er aber aus Sicht des Landes im Unterschied zu den Häfen in Lübeck, Brunsbüttel, Kiel oder Puttgarden von nachrangiger wirtschaftlicher Bedeutung. Anders als bei den anderen nordfriesischen Inseln und Halligen sei Hörnum nicht Grundlage der Daseinsvorsorge. Die Insel könne über den Sylt-Damm und den Hafen List versorgt werden.
CDU-Mann Uekermann kritisiert Bund
Manfred Uekermann, Sylter Landtagsabgeordneter (CDU), ärgert sich, dass immer wieder Teile des Hafens gesperrt sind. "Ist ja schön und gut, wenn man eine Verkehrssicherheitspflicht hat, aber man kann doch nicht alles sperren, weil man sich scheut, sein Eigentum in einem gebrauchsfähigen Zustand zu halten", kritisiert der Politiker den zuständigen Bund. Trotzdem hofft er, dass die Gemeinde am Ende zusammen mit Bund und Land eine Einigung findet. Ein weiterer Verfall müsse unbedingt verhindert werden, da sind sich in Hörnum alle einig.