
"Adults only": Sind Hotels und Restaurants nur für Erwachsene fair?
Im Urlaub oder beim Restaurantbesuch sehnen sich viele nach Ruhe. Einige Hotels und Lokale in Niedersachsen sind daher nur für Erwachsene geöffnet. Was spricht dafür, was dagegen?
Anlässlich der kommenden Osterferien und Urlaubsbuchungen stellt sich die Frage, ob eine Altersgrenze akzeptabel ist oder eine unfaire Ausgrenzung. NDR Reporterin Sophie Mühlmann und NDR Moderator Johannes Avenarius sind da unterschiedlicher Meinung.
Pro: "Dass Kinder nicht erlaubt sind, ist ein Geschäftsmodell"
"Bitte nicht falsch verstehen: Kinder sind toll, meine eigenen erst recht. Aber jetzt mal Hand auf’s Herz. Die Sehnsucht nach ruhigen Momenten ohne Quengeln, Zappeln oder übermüdetes Heulen, die haben nicht nur kinderlose Menschen. Kinder sind nicht per se "süß". Sie sind lebhaft, laut oder launisch, das ist normal - aber eben nicht für alle erholsam. Dass die lieben Kleinen bei bestimmten touristischen Angeboten nicht erwünscht sind, ist kein Skandal, sondern schlicht ein Geschäftsmodell. Es ist gut, dass es die Wahl gibt: Kinderhotels mit Halligalli und Nudelbuffet, wo Familien sich nicht schämen müssen für den Rabatz. Oder eben Quartiere, wo ein romantischer Moment nicht gestört wird durch umgeschmissenen O-Saft oder Arschbomben im Hotel-Pool. Es steht doch jedem Unternehmen frei, welche Zielgruppe es im Visier hat, egal ob Geschäftsreisende, Golfspieler oder FKK-Freunde. Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Politisch unkorrekt ist nichts davon. Ich finde, jeder darf seine Auszeit so wählen, wie er will, man zahlt schließlich dafür. Und wenn ich meine Freizeit schon immer gern auch mal ohne Kinder genossen hab, macht mich das nicht zur Rabenmutter."
Contra: "Werde ich als Elternteil dafür bestraft, dass ich Kinder in die Welt gesetzt habe?"
"Moment mal. Werde ich als Elternteil jetzt dafür bestraft, dass ich Kinder in die Welt gesetzt habe. Die, die Zukunft sichern, und unser aller Rente zahlen sollen? Gern geschehen. Ich finde es unfassbar, dass ich benachteiligt werden soll, weil ein paar Leute gern ihre Ruhe haben möchten. Glauben Sie mir, Ruhe steht mir auch zu. Wir Eltern müssen den Spagat zwischen Beruf und Familie hinbekommen. Wenn ich mir dann etwas gönnen möchte, schließen manche Restaurants und Hotels mich und meine Familie zum Dank noch aus. Natürlich müssen Eltern sicherstellen, dass ihre Kinder das Restaurant nicht zerlegen. Erziehung gehört dazu. Die braucht aber Praxis. Wir müssen uns entscheiden, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Wenn wir Kinder ausschließen, weil sie nerven könnten, sind wir als Erwachsene immer noch im Kindergarten. Dann ist jeder auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Und wer fliegt als nächstes, nach den Kindern? Senioren raus aus dem Supermarkt, weil die solange das Kleingeld zählen? Wo führt das hin? Ernsthaft. Kinder sind Teil des Lebens. Sie haben ein Recht, daran teilzunehmen. Kinderfreie Räume wie Hotels und Restaurants sind schlicht unsozial."