Umweltverbände befürchten Fischsterben in der Elbe in Hamburg
Steigen die Temperaturen, wird der Sauerstoff in der Elbe oft knapp. Im vergangenen Jahr starben deswegen Tausende Fische. Umweltverbände befürchten in diesem Jahr ein ähnliches Szenario.
Die Umweltverbände BUND, NABU und WWF befürchten erneut ein Fischsterben in der Elbe. "Es ist mit Blick auf die Wettervorhersage und bei den bereits jetzt besorgniserregend niedrigen Sauerstoffwerten zu befürchten, dass sich die ungewöhnlich große Ausdehnung des Sauerstofflochs aus dem vergangenen Jahr wiederholen wird", sagte Linda Kahl, Gewässerreferentin beim BUND Hamburg der Nachrichtenagentur dpa.
Unterhalb des Hafens kritische Sauerstoffkonzentration
Schon deutlich früher als in den vergangenen Jahren seien die Sauerstoffwerte in der Elbe bedenklich niedrig. "Unterhalb und im Hafen ist die Sauerstoffkonzentration aktuell unter die für die Fischfauna kritische Grenze von vier Milligramm pro Liter gefallen, Tendenz weiter sinkend." Besorgniserregend sei dabei, dass die starke Strömung im Fluss das sauerstoffarme Wasser mit jeder Flut weit über den Hafen stromauf transportiere und so schon jetzt die Bereiche stromauf von der kritischen Situation betroffen seien.
2022 starben Tausende Fische in der Elbe
Im vergangenen Jahr waren durch ein großes Sauerstoffloch in der Nähe von Hamburg Tausende Fische in der Elbe gestorben. "In diesem Jahr zeigt sich, verstärkt durch das gute Wetter, wieder einmal, wie angeschlagen der Fluss durch die Abnahme der Flachwasserzonen und die ständige Baggerei tatsächlich ist", sagte die Umweltexpertin. Für Fische werde es unterhalb von Sauerstoffwerten von vier Milligramm pro Liter Wasser sehr kritisch, insbesondere für die Fischlarven und Jungfische der europaweit geschützten Finte sowie weiteren Arten. "Fallen die Werte unter zwei Milligramm pro Liter ist es spätestens für alle Fische tödlich", sagte Kahl.
Umweltbehörde bestätigt niedrige Werte
Die Hamburger Umweltbehörde bestätigte, dass Anfang der Woche erstmals der Mindestwert von vier Milligramm Sauerstoff pro Liter Wasser in der Elbe zeitweilig unterschritten wurde. "Die Sauerstoffgehalte in der hamburgischen Tideelbe liegen aktuell zwischen 3,56 Milligramm pro Liter (Messstation Seemannshöft) und knapp 7 Milligramm pro Liter (Messstation Bunthaus)", hieß es. Eine Prognose zur weiteren Entwicklung könne man nicht abgeben.
Hafenverwaltung reagiert
Um ein mögliches Fischsterben zu verhindern, kündigte die Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) an, bei Sauerstoffgehalten unter vier Milligramm pro Liter keine lokalen Unterhaltungsarbeiten der Fahrrinne durchzuführen. "Sollte der Zeitraum geringer Sauerstoffgehalte überdurchschnittlich lange andauern und kleinräumige Unterhaltungsmaßnahmen unvermeidbar sein, wird hierzu eine Einzelfallabstimmung zwischen HPA und der Umweltbehörde erfolgen", teilte ein Sprecher mit. Zudem werde zwischen der HPA und der Umweltbehörde ein Managementkonzept für Flachwasserzonen angestrebt. Das in diesem Jahr fertiggestellte Flachwassergebiet Kreetsand sei ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.
Umweltverbände: Kritik an Elbvertiefung
Für eine dauerhafte Erholung des schwer angeschlagenen Flusses solle generell auf den Ausbau der Elbe verzichtet werden, fordern die Umweltverbände. "Eine der wesentlichen Ursachen für die jährlich wiederkehrenden Sauerstofflöcher ist der Ausbau der Elbe, denn die ständigen Unterhaltungsbaggerungen im Hafen führen zu einer erheblichen Trübung im Gewässer, die sich negativ auf den Sauerstoffhaushalt auswirkt", sagte die BUND-Sprecherin.