HSV: Polzin beschwört vor Paderborn die eigenen Prinzipien
Der HSV hat das nächste Topspiel vor der Brust: Am Sonntag geht es in der 2. Liga zum wichtigen Auwärtsspiel beim SC Paderborn. Dort sind in der jüngeren Vergangenheit schon häufiger die Träume der Hamburger geplatzt.
Wie man schmerzhaft in Paderborn verlieren kann, das weiß man beim HSV sehr genau. Die herbste Niederlage ist sicher das von Schiedsrichter Robert Hoyzer "verpfiffene" Pokalspiel im August 2004 gewesen (2:4). Man braucht allerdings gar nicht so lange in der Geschichte zurückgehen, um auf eine bittere Pleite der "Rothosen" beim SCP zu treffen.
Im vergangenen Mai unterlag der HSV mit 0:1 in Paderborn - das Ende aller Rest-Hoffnungen auf Relegationsrang drei und einen möglichen Aufstieg. Der Unterschied der beiden Partien, zwischen denen knapp 20 Jahre liegen: War die Pokal-Pleite, wie man nachträglich erfuhr, vor allem externen Faktoren zuzuschreiben, war das abermalige Scheitern am Aufstieg, das durch die Niederlage in Paderborn besiegelt wurde, vor allem eines: selbstverschuldet.
HSV-Nagelprobe gegen Paderborn
Auch deshalb glaubt Polzin, im vergangenen Mai Co-Trainer und jetzt Chefcoach, vor allem an das, was er und sein Team selbst beeinflussen können. Und wiederholt das fast schon mantraartig - auch vor der nächsten Partie, dem wichtigen Gastspiel beim SCP am Sonntag (13.30 Uhr, im NDR Livecenter).
Und so sagte der 34-Jährige auch am Freitag wieder Dinge wie etwa, dass es auch in dieser Woche darum gegangen sei, "dass wir unsere eigenen Prinzipien gefestigt haben". Er meint damit zweierlei: Zum einen, dass es im situativen Sport Fußball bei allen Versuchen zu planen immer zu Unvorhersehbarem kommt und man auch bei negativen Verläufen bei allen nötigen Anpassungen an seinen Grundideen festhält. An seinen Abläufen.
Polzin sieht "viele Herausforderungen"
Zum anderen war die Aussage in dieser Woche auch speziell auf die Mannschaft seines Pendants Lukas Kwasniok gemünzt. "Situativ müssen wir uns auf viele Herausforderungen einstellen", sagte Polzin, der den SCP "mit und gegen den Ball sehr variabel aufgestellt" sieht und insbesondere ein hohes Pressing des Kwasniok-Teams erwartet.
Dass der 43-Jährige im vergangenen Dezember ein Konkurrent um den Chefposten war, bevor die Paderborner Clubbosse einen möglichen Wechsel nach Hamburg abwiegelten, tangiert Polzin vor dem Duell am Sonntag nicht.
Konkurrent Kwasniok? Hat für Polzin "keine Rolle gespielt"
"Ich denke, dass es für mich sowohl jetzt als auch im Dezember gar keine Rolle gespielt hat", sagte er. "Ich weiß, dass Lukas ein fantastischer Trainer ist. Wir kennen uns jetzt auch schon ein paar Jahre, und er macht einfach richtig gute Arbeit. Ich glaube, es ist selbstverständlich, dass dann auch der eine oder andere Verein immer wieder interessiert ist."
Heuer Fernandes und Muheim wieder fit
Polzins Fokus liegt auf anderen Dingen: darauf, erstmals seit einem 3:2-Sieg im Oktober 2022 wieder gegen Paderborn zu gewinnen. Darauf, dass ihm in Emir Sahiti nach seiner Sperre wieder eine weitere Option für die Außenbahn zur Verfügung steht und dass Torhüter Daniel Heuer Fernandes (Wade) sowie Linksverteidiger Miro Muheim (Erkältung) aller Voraussicht nach wieder rechtzeitig fit sind.
Oder darauf, dass "wir weiterhin hier sind, um Spiele zu gewinnen". Denn auch wenn es mit dem Aufstieg ein großes Ziel gibt, will er es in kleinen Schritten denken und angehen. Und daher, "auch wenn es einfach und langweilig klingt: Der Fokus liegt auf drei Punkten am Sonntag." Die würden helfen, im engen Aufstiegsrennen der 2. Liga einen direkten Konkurrenten zu distanzieren. Aktuell hat der HSV vier Zähler Vorsprung auf den SCP, im Falle eines Sieges wären es sieben.
Gelingt ein zweites dominantes Spiel in Folge?
Heißt im Umkehrschluss auch: Siegt der SCP, wäre er bis auf einen Punkt am Polzin-Team dran. Um das zu verhindern, wird der HSV einen ähnlich bestimmten und dominanten Auftritt brauchen wie am vergangenen Freitag gegen Kaiserslautern (3:0), wird seine Mannschaft ein ähnlich hohes Niveau an Energie und Einsatzbereitschaft erreichen müssen.
"Die ganze Art und Weise, wie der Freitag gelaufen ist, das war unglaublich", sagte Polzin. Auch und gerade in dem Wissen, dass sein Team in der Vergangenheit nach starken Partien immer wieder auch schwächere Auftritte hinlegte. Vergangene Saison beispielsweise in Paderborn - eine Woche nach einem überzeugenden Sieg im Hamburger Derby gegen den FC St. Pauli. Genau deshalb erinnert Polzin immer wieder an die Prinzipien.
Mögliche Aufstellungen
SC Paderborn: Riemann - Hoffmeier, Götze, Brackelmann - Obermaier, Scheller, Catsaneda, Zehnter - Mehlem - Terho, Ansah
Hamburger SV: Heuer Fernandes - Mikelbrencis, Elfadli, Hadzikadunic, Muheim - Meffert - Karabec, Reis - Sahiti, Selke, Dompé
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