vorderer Teil eines großen Fahrzeugs mit der Aufschrift "Kampfmittelbeseitigung" © NDR Foto: Daniel Sprehe

Bomben-Verdacht in Osnabrück: Rund 15.400 Anwohner werden evakuiert

Stand: 03.04.2025 12:20 Uhr

Die Evakuierung zur Untersuchung möglicher Blindgänger in Osnabrück sorgt am Sonntag für Einschränkungen im Zugverkehr. Außerdem sind rund 15.400 Anwohnerinnen und Anwohner von der Räumung betroffen.

Ihre Wohnungen und Häuser müssen sie nach Angaben der Stadt am Sonntag bis 7 Uhr verlassen. Wer sich danach im rund drei Quadratkilometer großen Sperrgebiet aufhält, dem drohe ein Bußgeld von mindestens 300 Euro, teilte die Stadt mit. Als Notunterkunft soll an dem Tag die Gesamtschule Schinkel dienen. Ab 6 Uhr fahren den Angaben zufolge Busse aus den betroffenen Stadtteilen zu der Schule.

Zwei Kliniken schließen ab 7 Uhr ihre Türen

Im Evakuierungsgebiet liegen nach Angaben der Stadt vier Pflegeheime und zwei Krankenhäuser, dazu gehören das Christliche Kinderhospital (CKO) und das Marienhospital (MHO) in der Bischofsstraße. Dort sind den Angaben zufolge keine Verlegungen von Patientinnen und Patienten geplant. Allerdings dürften diese sowie ihre Begleitpersonen die Kliniken ab 7 Uhr nicht mehr verlassen oder betreten, teilten die Kliniken am Donnerstag mit. Die Vorschrift werde erst nach einem Hinweis des Sprengmeisters aufgehoben.

Notaufnahmen während der Evakuierung geschlossen

Eine Karte des Evakuierungsgebiets bei der Kampfmittelbeseitigung in Osnabrück am 6. April 2025 © Stadt Osnabrück
Rund 15.400 Menschen wohnen der Stadt zufolge im auf der Karte eingezeichneten Evakuierungsgebiet - betroffen sind die Stadtteile Innenstadt, Fledder, Gartlage, Schölerberg und Schinkel.

Die Notaufnahmen in beiden Klinken sind während der Evakuierung nach eigenen Angaben geschlossen. Das MHO verweist auf das Klinikum Osnabrück sowie das Franziskus-Hospital-Harderberg als Alternativen, das ebenfalls zum Niels-Stensen-Klinikverbund gehört. Dort sei am Sonntag mehr Personal als gewöhnlich im Einsatz, sagte eine Sprecherin dem NDR Niedersachsen. Kinder-Notfälle, die für gewöhnlich mit dem Rettungswagen ins Christliche Kinderhospital gefahren würden, steuern laut dem CKO-Geschäftsführer Michael Richter am Sonntag das Universitätsklinikum Münster an. In einer Arztpraxis im Stadtteil Hellern, die an dem Tag den medizinischen Notdienst für das CKO übernehmen soll, stehe außerdem ein Arzt bereit, um Kinder-Notfälle zu sichten. Auch soll am Rande des Evakuierungsgebiets in der Nähe des Kinderhospitals ein Rettungswagen vor Ort sein. "Aus Erfahrung wissen wir, dass viele Eltern bei Notfällen einfach mit dem Auto losfahren", so CKO-Geschäftsführer Richter.

Hauptbahnhof Osnabrück wird gesperrt

Von 7 Uhr bis voraussichtlich 21 Uhr werde der Hauptbahnhof gesperrt, teilte die Deutsche Bahn (DB) mit. Es komme im Fern- und Nahverkehr der Bahn zu Zugausfällen und Verspätungen. Im Nahverkehr soll es einen Ersatzverkehr mit Bussen geben. Mehrere Fernzüge werden laut DB umgeleitet und kommen voraussichtlich etwa 45 Minuten später an. Auch entfallen demnach auf mehreren Verbindungen im Fernverkehr die Halte an den Hauptbahnhöfen in Bremen und Münster.

Regionalzüge: Diese Änderungen sind geplant

  • RE 9 Osnabrück - Bremen - Bremerhaven: Die Züge enden und beginnen von 7 bis 21.45 Uhr vorzeitig in Bohmte. Zwischen Bohmte und Hasbergen soll es einen Ersatzverkehr mit Bussen geben, der an der Ersatzhaltestelle "Berliner Platz" in Osnabrück hält.
  • RE 62 Löhne - Osnabrück - Rheine: Die Züge fallen der DB zufolge den gesamten Tag aus. Die Bahn empfiehlt unter anderem, auf den RE 6 und den RE 7 mit Umstieg in Hamm auszuweichen.

Diese Fernzüge fallen aus oder werden umgeleitet

  • IC Berlin - Hannover - Osnabrück - Münster/Bad Bentheim - Amsterdam: Zug fällt aus
  • IC Kiel - Hamburg - Köln - Frankfurt (Main) Flughafen Fern. - Mannheim - Stuttgart - München: voraussichtlich 45 Minuten verspätet, kein Halt in Osnabrück, Bremen, Münster
  • ICE/IC Westerland (Sylt)/Stralsund - Hamburg - Bremen - Essen/Dortmund - Köln - Aachen/Frankfurt (Main) - Nürnberg - Passau/München: voraussichtlich 45 Minuten verspätet, kein Halt in Osnabrück, Bremen, Münster
  • ICE/EC Ostseebad Binz/Hamburg/Berlin - Düsseldorf - Köln - Frankfurt (Main) Flugh. Fern – Mannheim - Basel - Zürich/Interlaken Ost: voraussichtlich 45 Minuten verspätet, kein Halt in Osnabrück, Bremen, Münster

Verdachtsfälle bei Bauarbeiten entdeckt

Während der Räumung bietet die Stadt evakuierten Anwohnern verschiedene Unternehmungen an, dazu gehören zum Beispiel eine Führung durch die Kläranlage Eversburg oder eine Mitfahrt auf dem Trittbrett eines Müllabfuhr-Lasterwagens. Die vier Bomben-Verdachtsfälle wurden bei Bauarbeiten auf dem Gelände des früheren Güterbahnhofs in Osnabrück entdeckt - dort soll ein neues Stadtviertel entstehen. Weil das Gelände während des Zweiten Weltkriegs massiv bombardiert wurde, rechnet die Stadt mit weiteren Verdachtsfällen während der Bauarbeiten. Den Angaben zufolge wurde inzwischen rund die Hälfte der Fläche im Lokviertel sondiert. Erst am 6. März wurde in Osnabrück im Stadtteil Voxtrup ein Blindgänger entschärft. Im Lokviertel ist im Februar eine Weltkriegsbombe entschärft worden. Bei Fragen können sich Hilfesuchende in Osnabrück am Samstag (9 bis 17 Uhr) und Sonntag (ab 6 Uhr) bei einem Bürgertelefon unter der Telefonnummer (0541) 323 44 90 melden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.03.2025 | 19:00 Uhr

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