Schutz vor Wölfen: Land gibt vier Millionen Euro für Pauschalprämie
Mit einer weniger bürokratischen Prämie will Niedersachsen Schafzüchter beim Schutz vor Wolfsangriffen helfen. Am 1. April beginnt der erste Förderzeitraum, das Land stellt rund vier Millionen Euro zur Verfügung.
Mehr als 600 Betriebe aus der Schaf- und Ziegenhaltung in Niedersachsen haben bei der Landwirtschaftskammer Anträge für die Prämie gestellt - für fast 102.300 Tiere, wie das Umweltministerium in Hannover am Montag mitteilte. Anträge konnten demnach Betriebe mit mehr als zehn Tieren stellen. Die Förderung läuft über fünf Jahre, ausgezahlt werden die Beträge rückwirkend im kommenden Jahr.
Meyer: Mittel kommen ohne Umwege an
Mit der Prämie sei der Vorschlag der Schafhalterverbände für eine einfache und unbürokratische Pauschalprämie für den Schutz von Schafen und Ziegen in die Tat umgesetzt worden, erklärte Meyer nun. "Die Mittel für die Weidehaltung von Schafen und Herdenschutz kommen jetzt ohne Umwege bei den Schafhalterinnen und Schafhaltern an." In Zusammenarbeit unter anderem mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und dem Schafzuchtverband Niedersachsen hatte das Land im "Dialogforum Weidetierhaltung und Wolf" im Februar mehrere Maßnahmen vereinbart. "Der Wolf ist wieder heimisch in Niedersachsen und wird es auch bleiben, er wird nicht wieder ausgerottet", hatte Umweltminister Christian Meyer (Grüne) da erklärt.
Schafzüchter bekommen Pauschalprämien für die Tiere
Die Schaf- und Ziegenhalter bekommen eine Prämie je nach Weidefläche. 325 Euro pro Hektar und Jahr gibt es für beweidete Deichflächen, 260 Euro für Flächen im Binnenland. Das macht umgerechnet auf ein Tier etwa 40 Euro für Schafe und Ziegen im Binnenland und 50 Euro für Tiere an den Deichen. "Diese Summen umfassen den Unterhalt der Zäune und der Herdenhunde", sagte Umweltminister Meyer. Das Land zahlt die Pauschalförderung nur dann, wenn die Schafzüchter einen wolfsabweisenden Grundschutz vorweisen können. Bisher hatten die Züchter eine Förderung für die Zäune erhalten.
Mehr Hilfen für Rinder- und Pferdezüchter
Auch die Unterstützung für Rinder- und Pferdezüchter soll sich verbessern, wie das Umweltministerium im Februar mitgeteilt hatte. Zum einen bekommen sie bei einem Wolfsriss eine Höchstsumme von 10.000 Euro - bislang waren es 5.000 Euro. Gleichzeitig können mehr Rinder- und Pferdehalter bei einem Wolfsriss Geld für höhere Zäune bekommen. Es reicht nun, wenn zwei Risse innerhalb von einem Jahr in einem bestimmten Umkreis erfolgen. Früher sei das deutlich enger begrenzt gewesen, sagte Meyer. Allerdings zahlt das Land nur 80 Prozent der Investitionen in die Zäune. Das Argument des Landes gegen eine volle Erstattung: Es gebe bereits Zäune, die nur höher gebaut werden müssten.
Akzeptanz bei den Schafhaltern
Die Schafhalter sind insgesamt zufrieden mit der neuen Richtlinie. Allerdings hätten sie sich eine Kopfprämie pro Tier gewünscht und keine Förderung, die sich an der beweideten Fläche bemisst. "Wir sind auf einem richtigen Weg, die Betriebe zu unterstützen, die jahrelang den Herdenschutz aus eigener Tasche bezahlt haben", sagt Joachim Rehse, der Vorsitzende des Schafzuchtverbands Niedersachsen, im Februar.
Naturschützer sehen weiteren Diskussionsbedarf
Der BUND meinte damals, dass der Schutz von Nutztieren entscheidend sei für die Akzeptanz des Wolfes in Niedersachsen. Daher begrüßte der BUND die neue Richtlinie, die nun auch die laufenden Kosten für den Herdenschutz fördere. Kritisch sieht der Umweltverband jedoch, dass die Förderung für Rinder- und Pferdezüchter nur 80 Prozent beträgt. "In der weiteren Diskussion sollte geprüft werden, ob eine flexiblere Ausgestaltung, zum Beispiel mit einer stärkeren Berücksichtigung von Altersklassen, sinnvoll wäre, da vor allem Kälber und Fohlen gerissen werden", schrieb der Verband. Auch der NABU-Landesverband Niedersachsen befürwortet die finanzielle Unterstützung für den Mehraufwand beim Herdenschutz. "Allerdings zeigen die Daten, dass die überwiegende Zahl von Nutztierschäden auf ungeschützten Weiden passieren", sagte Sprecher Frederik Eggers. "Daher bleibt es notwendig, dass auf Grundlage der Förderungen alle Akteure die flächendeckende Umsetzung von effektivem Herdenschutz vorantreiben."
