Kommentar zu Weil: "Guter Abschied von der Macht in Niedersachsen"
Ministerpräsident und SPD-Landeschef Stephan Weil verabschiedet sich von der politischen Bühne Niedersachsens. Ein Abschied, der seine pragmatische Art widerspiegelt - und der eine große Herausforderung für seinen Nachfolger Olaf Lies markiert.
Ein Kommentar von NDR Chefredakteur Ludger Vielemeier
Diese Überraschung ist gelungen. Der Wechsel an der Spitze des Landes geht blitzschnell. Schon in sechs Wochen ist es so weit. Erst im Amt des SPD-Vorsitzenden. Dann im Niedersächsischen Landtag. Olaf Lies folgt auf Stephan Weil. Dass es so kommt, haben viele erwartet. In den letzten Wochen gab es immer mehr Hinweise und Zeichen. Nur das Tempo überrascht. Das Tempo des Stephan Weil. Der alle Fäden in der Hand hat. Und der Partei, seiner SPD, einen letzten großen Dienst erweist.
Ein Mann der Mitte: pragmatisch, auf der Suche nach praktischen Lösungen
Die SPD hat Weil viel zu verdanken. Drei Wahlen zu gewinnen in einem konservativ geprägten Land: eine große Leistung. Die Wahlen hat er nur gewinnen können, weil er ein Mann der Mitte ist: pragmatisch, immer auf der Suche nach praktischen Lösungen. Mit Ideologie hatte er nichts am Hut. Und mit großen Sprüchen auch nicht. Dafür habe er, wie er sagt, keine Zeit gehabt. Weil geht, obwohl er im Wahlkampf anderes angekündigt hat. Als Ministerpräsident bis 2027 zu regieren. Die Union spricht von Wortbruch und fordert Neuwahlen. Angesichts der klaren rot-grünen Mehrheit im Landtag ist das allerdings illusorisch.
VW stellt Lies vor kaum zu bewältigende Aufgaben
Weil gibt seinem Nachfolger Olaf Lies Zeit, Zeit sich zu bewähren, sich zu zeigen, Landesvater zu werden. Und dann als Landesvater in die Wahl 2027 zu gehen. Dieses Bewähren wird schwierig. Allein der Problemkomplex VW stellt die neue Regierung Lies vor Aufgaben, die kaum zu bewältigen sind. Alternativen zu Olaf Lies als künftigen Chef gibt es wenige. Schon deshalb nicht, weil Lies in der SPD bestens vernetzt ist. Und auch in der Fraktion großen Zuspruch hat. Allenfalls wäre Innenministerin Daniela Behrens in Frage gekommen. Es ist jedenfalls zu wünschen, dass dieses Land in nicht allzu ferner Zukunft von einer Frau geführt wird. Und das wäre dann für Niedersachsen eine überfällige Premiere.
Hinter den Kulissen die Strippen gezogen
Auf der Bühne in Berlin hat Stephan Weil immer eine wichtige Rolle gespielt, hinter den Kulissen viele Strippen gezogen. Für die erste Reihe allerdings hat es nicht gereicht. Das lag an der SPD, die sich für Politiker wie Olaf Scholz und Saskia Esken entschieden hat. Mit dem freundlichen älteren Herrn, dem pragmatischen, verbindlichen und kommunikativen Stephan Weil, wäre sie besser gefahren.
Ein guter Abschied von der Macht in Niedersachsen
Vielen Politikern fällt ein guter Abschied sehr schwer. Oft geht das schief. Auch bei Koryphäen. Stephan Weil hat heute gezeigt, dass er auch das kann: einen guten Abschied von der Macht in Niedersachsen.
Schlagwörter zu diesem Artikel
SPD
