"Wehr- oder kriegsfähig": General a.D. Kujat zu Ukraine-Krieg und Bundeswehr
In Neustadt-Glewe hat der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr General a.D. Kujat vor mehr als 250 Menschen einen Vortrag unter dem Titel "Geopolitischer Wandel - wehr- oder kriegsfähig" gehalten.
Kujat war bis zur Versetzung in seinen Ruhestand auch Vorsitzender des NATO-Militärausschusses und des NATO-Russland-Rates. Die Veranstaltung in Neustadt-Glewe war vom Kultur- und Heimatverein Neustadt-Glewe e.V. organisiert worden.
Ukraine-Krieg sei nur politisch zu lösen
Kujat selbst sei in seiner aktiven Zeit und als Vertreter der NATO häufig in der Ukraine gewesen. Er kritisierte Europas Politiker, die seiner Meinung nach bis heute nicht verstanden hätten, dass der Krieg in der Ukraine nicht militärisch, sondern nur politisch zu lösen sei. Der Krieg sei ein Wirtschafts- und Informationskrieg. Die USA würden versuchen, Russland soweit zu schwächen, dass sie sich auf ihren anderen Konflikt mit China konzentrieren könnten. Russland wolle seinen Status als Supermacht erhalten und den westlichen Einfluss in Osteuropa zurückdrängen. Demnach sei der Krieg Russlands gegen die von den USA und anderen Ländern unterstützte Ukraine ein Stellvertreterkrieg.
Die Ukraine befinde sich in einer kritischen Lage, die russischen Einheiten seien auf dem Vormarsch in der Ukraine. Den Friedensplan des amerikanischen Präsidenten Trump bezeichnete er als Alternative zu den Ideen, die in europäischen Ländern besprochen werden. Er räumte aber auch ein, dass es schwer wird, einen Frieden zwischen der Ukraine und Russland zu verhandeln, dem beide Seiten zustimmen können.
Kujat zum Thema Wiedereinführung der Wehrpflicht
Am Rande der Veranstaltung äußerte sich Kujat auch zu einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht. Im Gespräch mit dem NDR sagte er: "Wir wollen verteidigungsfähig sein - das ist der entscheidende Punkt. Wir wollen fähig sein zur Landes- und Bündnisverteidigung, also zusammen mit unseren Bündnispartnern", so Kujat. Genau hier habe Deutschland aber Nachholbedarf. Dass es momentan aber den Anschein mache, dass die Politik bereit dazu sei, diese Fähigkeit wieder herzustellen, bewertet Kujat als positives Zeichen. Bisher fehle es aber vor allem an einem "Gesamtreformkonzept".
