Ein Polizist zeigt einen Drogentest. (Themenbild) © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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AUDIO: Drogenfahndung: Großkontrollen im Raum Rostock gestartet (1 Min)

Nationaler Großeinsatz der Polizei bei Rostock

Stand: 26.03.2025 15:56 Uhr

Es ist der erste Einsatz dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern: 96 Polizisten kontrollieren rund um Rostock an drei Schwerpunkttagen. Noch bis Donnerstag sind sie im Rahmen der Drogenerkennung im Straßenverkehr unterwegs.

von Thorsten Reinke

14.30 Uhr, Rostock, Einsatzort Parkplatz Südblick: Polizeihauptmeisterin Jennifer Behrens hat einen Verdacht. Sie lässt den Autofahrer mit dem silberfarbenem Skoda aus Bad Doberan nicht aus den Augen, schaut ihm unentwegt ins Gesicht. Der 42-jährige Fahrer steht vor ihr und soll die Pupillen von rechts nach links wandern lassen, ohne den Kopf zu bewegen. Das gelingt ihm nicht so richtig.

"Sie haben ein leicht ruckhaftes Folgen in den Augen, ein Hinweis, dass eine leichte Intoxikation vorliegen könnte, sprich Cannabis oder Marihuana", so die Polizistin aus Sanitz. "Ich würde gern einen freiwilligen Urintest machen. Sind Sie damit einverstanden?" Der Autofahrer nickt ein wenig verlegen. Ein Kollege der Polizistin begleitet den Autofahrer auf eines der sechs Chemieklos am Rand des Einsatzorts. Bei der anschließenden Kontrolle stellen die Beamten fest: Der Mann kann weiterfahren, der Verdacht war unbegründet.

Anzeichen für Drogenmissbrauch am Steuer

Polizeihauptmeisterin Behrens ist darauf spezialisiert, möglichen Drogenmissbrauch auf den ersten Blick zu erkennen. Dazu hat sie Schulungen mit Rechtsmedizinerinnen besucht und sich vor der Großkontrolle mit anderen Kollegen ausgetauscht in einem Workshop und bei Vorträgen.

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"Hauptaugenmerk richte ich auf die Beweglichkeit der Augen. Ist die gestört, ist das ein klares Verdachtsmoment. Dann gibt es bei gewissen Substanzen eindeutige Hinweise, zum Beispiel bei Cannabis das wässrig Glänzende oder Gerötete." Dazu der Zeittest: Augen zu und Kopf nach hinten. "Und dann sollen die Verdächtigen 30 Sekunden abschätzen. Wir starten die Uhr. Sind Drogen im Spiel halten die meist nicht so lange durch oder, was seltener der Fall ist, fallen fast in eine Art Trance und geben gar kein Stoppzeichen mehr." Aber auch Körperhaltung, Gesprächsführung und Konzentration sind für die Beamten gute Indikatoren, um ein Drogenvergehen festzustellen.

Staatsanwaltschaft und Rechtsmedizinerin vor Ort

Neben der Polizeihauptmeisterin sind 95 weitere Experten im Einsatz. Die Staatsanwaltschaft ist vor Ort und begutachtet die Dokumentation der auflaufenden Fälle in einem 50-Mann-Zelt, die Ärztin im Lkw vom Katastrophenschutz kümmert sich um die bestätigten Verdachtsfälle bei der Blutabnahme und als Ansprechpartnerin ist die Rechtsmedizinerin der Uni Rostock vor Ort. Sie schult die Polizeikräfte in Güstrow zu Fragen der Drogenerkennung.

Erste nationale Großkontrolle in MV

Der Parkplatz gleicht ab 15 Uhr einem Ameisenhaufen. Experten für getunte Autos liegen unter Fahrzeugen, genervte Autofahrer sind auf der Suche nach Warndreieck und Verbandskasten und bei den Toiletten für die Urintests gibt es zeitweise kleine Schlangen. Hauptkommissarin Diana Schmicker wirkt dabei zufrieden. Sie hat den ersten nationalen Großeinsatz in Mecklenburg-Vorpommern mit vorbereitet. "Wir haben Kollegen in Hohe Düne bei Rostock untergebracht, dort auch die Schulungen organisiert und den ganzen Verwaltungskram bis hin zu Einsatzmappen vorbereitet."

Beamte aus Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen und Sachsen-Anhalt verstärken die Einsatzteams. "Wir üben dabei auch gleichzeitig die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus den anderen Bundesländern und das sieht hier sehr gut aus", erläutert Hauptkommissarin Schmicker.

Hemmschwelle sinkt

Drogenvergehen im Straßenverkehr sind längst kein Einzelfall mehr. Polizeihauptmeisterin Jennifer Behrens hat bei ihren Kontrollen bemerkt, dass die "Hemmschwelle immer mehr sinkt, besonders weil der Drogenkonsum zum Teil legalisiert wurde." Zwar gibt es einen Grenzwert, aber was bedeuten 3,5 ng/ml Blutserum?

Für große Teile der Gesellschaft und selbst der Nutzer bleibt es eine abstrakte Zahl, schwer verständlich. Konkrete Handlungsweisen lassen sich daraus nicht ableiten. Hinzu kommt, dass Raucher unterschiedlich auf den Genuss von Cannabis reagieren. Körper bauen den THC-Gehalt, der den Rausch verursacht, unterschiedlich ab. Wissenschaftler können den THC-Gehalt im Blut länger nachweisen als Alkohol, wodurch eine wesentlich längere Fahruntüchtigkeit besteht.

Aber was heißt lange und wie wird das nachgewiesen? Die Fragen bleiben unbeantwortet, zumal es einen einheitlichen, eingeführten Test nicht gibt. Landespolizeien arbeiten mit unterschiedlichen Anbietern und Methoden, auch das trägt zur Unsicherheit bei der Bedeutung von Grenzwerten bei. Dass sich aber auf den Fahrersitzen in Mecklenburg-Vorpommern etwas ändern muss, wenn es um den Genuss von Cannabis und anderer Drogen geht, steht für die Polizei fest.

MV Spitzenreiter bei Verkehrstoten

2023 wuchs die Zahl der Drogenfälle am Steuer in Mecklenburg-Vorpommern um 18 Prozent auf über 2.000 - der Prozentsatz von Personenschäden in Verbindung mit Drogen um 9 Prozent. "Und wir hier sind deutschlandweit immer noch Spitzenreiter was Verkehrstote angeht. Auf eine Million Einwohner kommen in Mecklenburg-Vorpommern 59 Verkehrstote", rechnet die Beamtin vor. "Und genau deswegen stehe ich hier."

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Viele Autofahrer winken einfach ab, wenn man sie fragen will, wie sie solche Kontrollen finden. Bei Corinna Herrman aus Rostock ist das anders. "Schon ok, obwohl es mich nervt", meint sie. Zunächst hatte sie für einige Zeit das Warndreieck im Kofferraum gesucht und wollte schnell mit ihrem Sohn Robby zum Einkaufen nach Rostock. "Aber ich finde es auch irgendwie gut, dass die das hier machen. Denn wer weiß, wer so unter welchem Einfluss unterwegs ist."

Marvin Hollein musste länger warten. Er hat alle Seh-, Aufmerksamkeits- und Reaktionstests durchlaufen - 15 Minuten hat das gedauert. "Aber ok, ich bin Lkw Fahrer und habe schon mehrere Mal gesehen, wie jemand unter Drogen oder Alkohol über die Leitplanke abgeschmiert ist. Ich bin absolut für solche Kontrollen", versichert er.

17 Verstöße festgestellt

Am ersten Kontrolltag zum Thema Drogenerkennung dokumentiert die Polizei elf Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, fünf Verstöße wegen des Besitzes von Drogen und eine Fahrt unter Alkohol. "Ein gutes Ergebnis", stellt Kriminalhauptmeisterin Schmicker fest. Und weiß: Da kommt noch mehr.

Am Mittwoch und am Donnerstag sind die Einsatzkräfte wieder rund um Rostock unterwegs. Zwischen 14 bis 20 Uhr werden dann wieder alle Fahrzeuge an einem anderen Einsatzort umgeleitet und den kontrollierenden Beamten zugeleitet. "Aber wo genau, das verraten wir natürlich nicht", meint die Hauptmeisterin Behrens.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 25.03.2025 | 16:00 Uhr

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