Tragisches Trainerschicksal: Branko Zebec
Branko Zebec hat seine Mannschaften mit harter Hand geführt. Im Norden feierte er mit dem Hamburger SV und Eintracht Braunschweig Erfolge. Seine Alkoholkrankheit bekam der Fußball-Trainer jedoch nie in den Griff.
Vom umjubelten Meistertrainer zum alkoholkranken, hilfsbedürftigen Menschen - Branko Zebec hat die Höhen und Tiefen des Bundesliga-Fußballs erlebt. Der Jugoslawe galt als harter, kompromissloser, fast schon diktatorischer Trainer. Der gewiefte Taktiker holte jedoch mit seiner Art Meistertitel mit Bayern München und dem Hamburger SV und verhalf auch vermeintlich kleinen Vereinen wie Eintracht Braunschweig zu sportlichen Höhenflügen.
Zu seiner Tragödie wurde eine schwere Operation an der Bauchspeicheldrüse im Jahr 1970, von der er sich nie mehr erholte. Im Gegenteil: Der Alkohol, den er aufgrund der Erkrankung eigentlich meiden sollte, zerstörte sein Leben.
Meistertitel mit Bayern München
Die Bundesliga-Karriere von Branko Zebec begann 1968 in München. Ein Jahr zuvor war er mit seinem Heimatclub Dinamo Zagreb Messepokalsieger geworden und der aufstrebende FC Bayern, 1965 in die Bundesliga aufgestiegen, wollte endlich Titel gewinnen. Das gelang auf Anhieb: Der 40 Jahre alte Trainer wurde mit der jungen Mannschaft um Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller deutscher Meister und krönte die Saison zudem mit dem Pokalsieg - das erste "Double" der Bundesligahistorie.

Nur ein Jahr später war die Erfolgsgeschichte bereits wieder vorbei: Frühes Aus im Europacup, in der Liga nur Platz drei - Zebec erklärte, seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Die Bayern-Spieler kamen außerdem mit dem rüden Umgangston des Jugoslawen und dessen strengen Trainingsmethoden nicht zurecht. Der Verein reagierte und ersetzte den Meistercoach bereits nach dem 27. Spieltag durch Udo Lattek, der eigentlich erst zur neuen Saison kommen sollte.
Erfolgsära bei Eintracht Braunschweig
Nach Zwischenstationen beim VfB Stuttgart und Hajduk Split heuerte Zebec 1974 beim damaligen Bundesliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig an und blieb vier volle Spielzeiten bis 1978. Es wurde eine erfolgreiche Ära: Schon in den ersten Wochen sorgte seine als Außenseiter gestartete Mannschaft für Aufsehen. Sie entwickelte sich zum Favoritenschreck, besiegte eine Spitzenmannschaft nach der anderen und lag zeitweise auf Platz zwei. Am Ende der Saison sprang ein respektabler neunter Platz heraus.
In den beiden folgenden Jahren spielte Braunschweig sogar um die Meisterschaft mit und war wiederholt Tabellenführer. Die Bilanz: 1976 wurden die Niedersachsen Fünfter und 1977 sogar Dritter - mit nur einem einzigen Punkt Rückstand auf Meister Borussia Mönchengladbach. Zum Erfolgsmodell Zebec trugen auch zwei Landsleute bei: Flügelstürmer Danilo Popivoda, der noch heute Kultstatus bei den Blau-Gelben hat, und Mittelfeldspieler Aleksandar Ristic, der ihm später als Assistenztrainer zum Hamburger SV folgen und dort sein Nachfolger als Cheftrainer werden sollte.

1977/78 brachte die Verpflichtung von Weltstar Paul Breitner nicht den erhofften Schub. Nach einem enttäuschenden 13. Platz in der Bundesliga verließ Zebec die Eintracht und wechselte zum Hamburger SV.
Meisterschaft mit dem Hamburger SV
Anders als zehn Jahre vorher in München hatte Zebec mit den HSV-Stars relativ wenige Probleme, allerdings waren diese auch andere Persönlichkeiten. Kevin Keegan, Horst Hrubesch oder Manfred Kaltz waren vergleichsweise ruhige, unkomplizierte Typen, die zunächst gut mit Zebecs taktischen Vorgaben zurechtkamen. 1979 holte der HSV den ersten Meistertitel seit 1960, doch in der darauf folgenden Saison kündigten sich erste Schwierigkeiten an, Platz zwei zum Trotz.
Die Spieler rebellierten, weil Zebec gegen Saisonende angeblich zu hart trainiert hatte. Dadurch, so die Kritiker, seien innerhalb von vier Tagen Meisterschaft (1:2 bei Aufsteiger Leverkusen) und Europacup (0:1 im Endspiel gegen Nottingham) verloren gegangen. Legendär ist, dass Zebec beim Lauftraining gerne in den Kies griff und die einzelnen Kieselsteinchen als Rundenzähler einsetzte, bis seine Hand wieder leer war. Diese Praxis soll er auch schon zu Bayern-Zeiten angewandt haben.
Mit Alkoholproblemen auf der Trainerbank
Doch nicht nur diese harten Trainingsmethoden kamen bei den Hanseaten schlecht an. Zebec machte auch durch seine Alkoholkrankheit Schlagzeilen. Wegen Trunkenheit am Steuer verlor er seinen Führerschein. Der HSV ging trotzdem mit dem Jugoslawen in die dritte Saison und lag zur Saisonhälfte an der Tabellenspitze.
Am 16. Dezember 1980 zogen die Hanseaten dennoch die Reißleine: Zebec war seit Wochen nur noch bedingt einsatzbereit. So soll er unter anderem beim Auswärtsspiel in Dortmund mit 3,25 Promille auf der Trainerbank gesessen haben. Zur Halbzeit wurde er damals "ausgewechselt" und in den Mannschaftsbus gesetzt. Die Rede ist auch von Mannschaftssitzungen, bei denen der Trainer nicht mehr in der Lage war, die Taktik zu erklären. "Spielt Fußball", habe er dann nur noch sagen können.
Netzer: "Er war ausgelaugt, am Ende"
HSV-Manager Netzer gab später zu, von der Krankheit schon bei der Verpflichtung gewusst zu haben: "Aber ich wusste nicht, was das bedeutete. Die Sache mit Branko hat mich persönlich so getroffen, wie nichts anderes im Fußball. Weil ich erleben musste, dass ich ihm nicht helfen kann. Er war ein Riesentyp, deshalb hat mir das so wehgetan. Irgendwann ging es nicht mehr. Er war ausgelaugt, am Ende. Das war sehr hart", sagte Netzer 2008 in einem Interview mit der "Bild am Sonntag".

Auch bei seiner nächsten Trainerstation stand sich Zebec selbst im Weg: Borussia Dortmund wurde unter seiner Regie 1981/82 ein taktisch reifes Team und feierte mit dem sechsten Rang nach 16 Jahren Abstinenz die Rückkehr auf die europäische Bühne. Trotz dieses Erfolges musste Zebec nach dem Saisonende gehen, da seine Alkoholprobleme nicht mehr zu kontrollieren waren.
Unter anderem war der Trainer während einer Partie von der Bank gekippt. Auch bei Eintracht Frankfurt (September 1982 bis Oktober 1983) und Dinamo Zagreb (April bis Oktober 1984) scheiterte Zebec, weil er seine Alkoholsucht nicht mehr in den Griff bekam. Am 26. September 1988 starb Branko Zebec in Zagreb im Alter von nur 59 Jahren.
