Erdbeben durch Gasförderung? Bürgermeister bleibt gelassen

Stand: 02.04.2025 20:58 Uhr

Im Landkreis Oldenburg hat am Dienstag die Erde gebebt. Das Beben soll eine Stärke von 3,2 auf der Richterskala gehabt haben. Dass die Situation sich verschärft, glaubt der Bürgermeister von Wardenburg nicht.

Ihm sei von wackelnden Gläsern berichtet worden, sagte Wardenburgs Bürgermeister Christoph Reents (parteilos) auf Anfrage des NDR Niedersachsen am Mittwoch. Er glaube, dass das Erdbeben mit der Erdgasförderung zusammenhängt. "Muss man in Zukunft sehen, wie sich das weiter entwickelt", fuhr Reents fort. Er gehe nicht davon aus, "dass sich das deutlich verschärft, sondern vielleicht alle zehn Jahre mal wieder vorkommen könnte". Er habe zu Kenntnis genommen, dass Bürgerinnen und Bürger während des Bebens aus ihren Häusern rannten - aber auch, dass es nicht so dramatisch gewesen sei. Er habe nichts von "nenneswerten Rissebildungen oder großen Unsicherheiten" gehört. "Das Ganze ist halt 'ne Sache, die immer mal vorkommt", resümierte Reents.

VIDEO: Erdbeben der Stärke 3,2 im Landkreis Oldenburg gemessen (3 Min)

Rund zehn Sekunden bebte die Erde

"Es war Krawall in der Erde. Das grummelte ganz schön", fasst ein Anwohner seine Eindrücke zusammen. Das Beben habe er im ganzen Körper gespürt. Laut dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hatte es eine Stärke von 3,2 auf der Richterskala. Damit sei es das bislang stärkste in der Region zwischen Oldenburg und Cloppenburg gewesen, teilte das LBEG am Mittwoch mit. Rund zehn Sekunden lang habe die Erde gebebt, sagte der Erste Gemeinderat von Großenkneten, Horst Looschen, dem NDR Niedersachsen. Das Epizentrum lag nach Angaben des LBEG bei Wardenburg (Landkreis Oldenburg), war aber in einem Umkreis von bis zu 15 Kilometern zu spüren.

Erdgasförderung war wohl Auslöser für Erdbeben

Die Behörde geht eigenen Angaben zufolge davon aus, dass das Beben um 14.33 Uhr durch Arbeiten des Konzerns ExxonMobil verursacht wurde. Das Unternehmen fördert demnach noch auf mehreren Feldern im Landkreis Oldenburg Erdgas. Dabei komme es zu Spannungen im tiefen Untergrund, so die Behörde. Wenn diese Spannungen impulsartig abgebaut werden, könne es zu spürbaren Erschütterungen an der Oberfläche kommen. Das Landesamt werde aber noch einige Tage brauchen, um den abschließenden Beweis zu erbringen, sagte ein Sprecher dem NDR Niedersachsen.

Heidrun Kopp vom IFM-Geomar © NDR Kiel Foto: Jörg Wilhelmy
AUDIO: Seismologin: Erdbeben lassen sich nicht direkt vorhersagen (7 Min)

Erdbeben verursacht leichte Sachschäden

Bei der Polizei in Wildeshausen haben sich zahlreiche besorgte Bürgerinnen und Bürger gemeldet, wie ein Sprecher dem NDR Niedersachsen sagte. Auch beim LBEG sind nach Angaben der Behörde zahlreiche Anrufe und E-Mails von Anwohnerinnen und Anwohnern eingegangen. Demnach hat es infolge des Erdbebens einige Sachschäden wie leichte Risse in Häuserwänden und Schornsteinen gegeben. Das LBEG bittet Anwohner, die das Erdbeben verspürt haben, einen Fragebogen auf der Internetseite auszufüllen. Mithilfe der Angaben soll eine unabhängige Bestimmung des Epizentrums und eine Abschätzung der Auswirkungen des Ereignisses erfolgen, wie das LBEG mitteilte.

Mehrere Erdbeben in Niedersachsen

In der Vergangenheit hatte in Niedersachsen schon häufiger im Bereich von Erdgasfeldern die Erde gebebt: Zuletzt kam es vor rund einem Jahr zu Erschütterungen bei Syke im Landkreis Diepholz, die leichte Schäden an Gebäuden verursachten. Das bisher stärkste Beben in Niedersachsen wurde laut LBEG 2004 in Rotenburg (Wümme) mit einer Magnitude, also einer Erdbebenstärke, von 4,5 gemessen. Menschen können ein Beben demnach ab einer Stärke von 2,0 wahrnehmen.

 

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