Ein altes Fahrrad ist mit einem Schloss angeschlossen. © David-W- / photocase.de Foto: David-W- / photocase.de

Experten-Tipps: So schützt ihr euer Fahrrad gegen Diebstahl

Stand: 24.03.2025 08:58 Uhr

Welche Arten von Fahrradschlössern sind am sichersten? Was bringen Schlösser mit Alarmanlagen? Und ist es sinnvoll, das eigene Rad bei der Polizei zu registrieren oder eine Diebstahlversicherung abzuschließen? Tipps, wie ihr euer Fahrrad am besten sichert und für den Fall der Fälle vorsorgt.

von Anthrin Scheel

Ob in der Stadt oder auf dem Land, ob Hotspot oder nicht: Fahrräder werden überall gestohlen. Die gute Nachricht ist: Auch wenn es keinen hundertprozentigen Diebstahl-Schutz gibt, können wir einiges tun, um den Kriminellen das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Welche Fahrradschlösser sind am sichersten?

Die erste Frage, die sich Fahrradbesitzern stellt, ist natürlich: Welches Fahrradschloss ist das beste? Den Überblick zu behalten, welche Arten von Fahrradschlössern es gibt und wie gut sie unser Fahrrad schützen, ist dabei gar nicht so einfach. Dirk Lau vom Allgemeine Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Hamburg lenkt die Aufmerksamkeit besonders auf zwei Schlossarten:

Wir sagen den Menschen immer, sie sollen sich ein gutes Bügel- oder Faltschloss kaufen. Möglichst mit Drehscheibenzylinder - das ist eine bestimmte Steckart, die noch schwieriger zu knacken ist. Dirk Lau, ADFC

Mit genügend Zeit und dem nötigen Equipment bekommen Diebe natürlich jedes Schloss auf. Das Ziel muss laut Lau sein, es den Dieben so schwer wie möglich zu machen: "Man sagt, dass professionelle Diebe ungefähr drei Minuten brauchen - dann werden sie etwas nervös, dass sie doch auffallen. Wenn das Schloss diese drei Minuten überlebt, ist das schon sehr gut."

Was kostet ein gutes Fahrradschloss?

Je dicker die Stahlbügel bei Bügelschlössern seien, desto länger dauere es, das Schloss zu knacken. Auch bei Faltschlössern gebe es unterschiedliche Stärken. Es gelte: Je stärker und je mehr Stahl, desto besser.

"Man sollte nicht sparen und beim Discounter für 9,90 Euro irgendein Gummischloss kaufen", rät der ADFC-Experte. Für ein gutes Schloss müssen wir, so Lau weiter, um die 50 Euro investieren. Wer mehr investieren kann oder möchte, findet auch Schlösser für mehrere Hundert Euro - ob das entsprechende Schloss euch seinen hohen Preis wert ist, ist allerdings eine individuelle Abwägungsfrage.

Wichtig: "Nicht nur abschließen, sondern auch anschließen"

Ist das richtige Schloss gefunden, ist es laut Dirk Lau wichtig, es auch richtig zu nutzen. Sein Appell: Nicht nur abschließen, sondern auch anschließen!

Man muss das Fahrrad an einen möglichst nicht beweglichen Gegenstand anschließen, der nicht wegtransportiert werden kann. Dirk Lau im N-JOY Interview

Dies kann zum Beispiel ein Fahrradbügel, eine Laterne oder ein Zaun sein - möglichst an einem öffentlichen und nicht zu einsamen Ort. Dabei solltet ihr das Schloss nicht nur durch einen Reifen schieben, sondern den Rahmen (mit) anschließen.

"Menschen, die ihr Fahrrad wirklich sehr, sehr lieben, nehmen zwei Schlösser - um beispielsweise den Rahmen abzuschließen und ein weiteres Schloss unterschiedlicher Bauart für die Hinterradkonstruktion zu nehmen", fügt Lau hinzu. Entsprechende Kombinationen aus zwei Schlössern würden immer mehr angeboten. Dies sei natürlich ein bisschen teurer, aber "durchaus empfehlenswert".

Fahrradcodierung erschwert den Weiterverkauf

Darüber hinaus gibt es einige Spielereien, die den Dieb in seiner Routine stören oder zumindest den Weiterverkauf erschweren könnten. Neben GPS-Trackern, die laut Dirk Lau aus Kostengründen allerdings eine Abwägungssache sind, gibt es zum Beispiel Schlösser mit Alarmanlagen. Lau gibt aber zu bedenken, dass die Wirkung der Warnsignale ähnlich wie bei Autoalarmen mit der Zeit abstumpfen könnte.

Eine weitere Möglichkeit ist die Codierung eures Fahrrads, die bei der Polizei oder beim ADFC angeboten wird. Dabei verewigt eine Graviermaschine oder ein spezieller Aufkleber auf dem Rahmen des Fahrrads einen verschlüsselten personenbezogenen Code, bestehend aus einer Ziffern- und Buchstabenkombination.

Der Code zeigt an, wem das Fahrrad gehört. So können die Polizei oder ein Fundbüro euch informieren, falls euer Fahrrad gefunden wird. Im besten Falle lassen die Diebe aufgrund der Codierung aber von Anfang an die Finger von eurem Rad - denn, so Lau: "Die Codierung macht es den Dieben beim Wiederverkauf schwerer." Selbst wenn es dem Dieb gelingt, die Gravur oder den versiegelten Aufkleber wegzufeilen, können Beschädigungen am Rahmen potentiellen Käufern nämlich einen Hinweis darauf geben, dass mit dem Rad etwas nicht stimmt.

Diebstahlversicherung fürs Fahrrad: Lohnt sich das?

Trotz all dieser Tipps kann es natürlich passieren, dass unser Fahrrad gestohlen wird. Aber wie sinnvoll ist es eigentlich, eine Diebstahlversicherung für das eigene Fahrrad abzuschließen? "Das ist eine Abwägung und hängt ein bisschen von dem Preis des Fahrrads ab - solche Fahrradversicherungen sind nicht ganz billig", erklärt Dirk Lau.

Wenn ich persönlich ein sehr, sehr teures Rad habe, lasse ich es auf jeden Fall die ersten zwei, drei Jahre versichern.

Der Experte selbst hat für sein Lastenrad zum Beispiel eine Versicherung abgeschlossen, die etwa 120 Euro im Jahr kostet. Ab einem Wert von 2.000 Euro könne sich dieser Schritt lohnen. Idealerweise lasse sich das Fahrrad über die Hausratsversicherung mitversichern.

Wollt ihr eine Versicherung abschließen, lohnt sich jedoch ein genauer Blick auf die Konditionen: Manchmal wird bei einem Diebstahl der Anschaffungspreis erstattet, andere Versicherungen zahlen im Falle eines Diebstahls nur den Zeitwert.

 

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