Kolumne: "Ungerechter Frühling"
Nach einem Verrat wird Jesus zum Tode verurteilt. Er stirbt am Kreuz. Es ist ein Tag voller Kummer und Trauer für viele Menschen. Der Karfreitag ist ein stiller Feiertag und erinnert an das Leiden Jesu.
Es ist ungerecht. Ein Freund ist gestorben, zu früh. Eine schwere Krankheit hatte sein Leben in den letzten Jahren schon begleitet. Aber jetzt sind seine Familie und seine Freunde voller Trauer. Ich kenne seine Frau viel besser, und trotzdem geht mir der Tod nah. Ihre Trauer und ihren Verlust zu spüren - das tut weh. Wie immer, wenn jemand stirbt, wirft der Tod so viele Fragen auf. Warum jetzt? Warum blieben nicht noch ein paar gute Jahre mehr? Wie geht es weiter? Warum wird sein Kind nun ohne ihn groß?
Frühling: Aufbruch und Neuanfang liegen in der Luft
Schaue ich nach draußen, beginnen gerade die Osterglocken zu blühen, die Forsythien erstrahlen gelb, Kirschbäume entfalten ihre rosa Pracht und die Tulpen gucken neugierig hervor. Morgens wecken mich die Vögel mit ihrem Gezwitscher. Ein Schimmer liegt über den Büschen, das erste verheißungsvolle Grün. Der Frühling ist definitiv meine liebste Jahreszeit: Alles erwacht nach den langen dunklen und kalten Monaten. Aufbruch und Neuanfang liegen in der Luft.
Ostern: Erst der Tod, dann die Auferstehung
Und doch: Ein Mensch ist gestorben. Eine Familie trauert. Ist das gerecht? Frühling auf der einen Seite, Tod auf der anderen? Fühlt sich das nicht an wie Verrat? Wie ein falscher Film? In der Kirche steht bald Ostern an, doch davor kommt noch der Karfreitag - der Tag, an dem wir an Jesu Tod denken. Eine Hürde für mich, jedes Jahr. Erst der Tod, dann die Auferstehung. Erst die Trauer, dann die Freude. Oft kommt mir der Karfreitag vor wie ein erzwungener Stopp auf freier Strecke. Ich will das nicht. Ich will den Tod nicht. Denn alles um mich herum beginnt doch zu blühen und verheißt Aufbruch.
In der Kirche steht bald Ostern an, doch davor kommt noch der Karfreitag - der Tag, an dem wir an Jesu Tod denken. Eine Hürde für mich, jedes Jahr. Erst der Tod, dann die Auferstehung. Erst die Trauer, dann die Freude. Oft kommt mir der Karfreitag vor wie ein erzwungener Stopp auf freier Strecke. Ich will das nicht. Ich will den Tod nicht. Denn alles um mich herum beginnt doch zu blühen und verheißt Aufbruch.
"Das Leben ist endlich, ich bin endlich"

Dieses Jahr bin ich froh, dass wir einen Extrahalt haben. Ich erlebe den Karfreitag diesmal anders, verstehe, dass Sterben und Leben, Tod und Neuanfang, zusammengehören. Dort ist jemand gestorben, aus dem Leben gerissen, woanders wird ein Kind geboren. Der Kreis des Lebens.
Ja, es ist ungerecht. Doch das Leben ist endlich. Ich bin endlich. Das wird mir einmal mehr klar. Vielleicht ist diese Zeit vor Karfreitag ja genau dafür da: zu erkennen, dass ich sterben werde - und dadurch einen ganz neuen Blick auf mein Leben bekomme. Auch voller Dankbarkeit - so schwierig das auch ist.
Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Donnerstag vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.
